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Marken des Alltags: Zeiss


„Adlerauge der Kamera“ kommt aus Thüringen

Das im Jahre 1902 von Carl Zeiss Jena vorgestellte Tessar-Objektiv wurde weltweit als „Adlerauge der Kamera“ bekannt und inklusive der Nachahmerprodukte mehr als 100 Millionen mal gebaut. Der „Vierlinser“ („tessares“ ist griechisch und heißt „vier“) lieferte in stilisierter Form die ursprünglichen Logos von Carl Zeiss und Zeiss Ikon. Der Name Ikon wurde ebenfalls aus dem Griechischen abgeleitet: „eikón“ bedeutet „Bild“.

In dem Fabrikgebäude links im Bild begann bei Carl Zeiss im August 1946 die Arbeit.

Das Carl Zeiss-Werk im württembergischen Oberkochen im Jahre 1946
Bild: Zeiss

Der Mechaniker Carl Zeiss eröffnete 1846 im thüringischen Jena eine Optische Werkstätte, in der er wissenschaftliche Geräte instand hielt oder nach Vorgaben anfertigte. Im Folgejahr begann er mit der Fertigung einfacher Mikroskope.

Mitte der 1860er Jahre konnte Zeiss den Privatdozenten Ernst Abbe für die Berechnung der Mikroskop-Objektive gewinnen. Die von Abbe entwickelten Mikroskope fanden bald die Anerkennung der internationalen Fachwelt. Unter Abbes Federführung, der ab 1876 stiller Teilhaber der Optischen Werkstätte war, entstand in den frühen 1880er Jahren am Rande Jenas eine neue, große Fertigungsstätte.

Mit Unterstützung von Zeiss und Abbe gelang es dem Glaschemiker Otto Schott, optisches Glas nach einem wissenschaftlichen Verfahren herzustellen. 1884 nahm das Glaswerk Schott & Gen. den Betrieb auf.

Nachdem Carl Zeiss 1888 verstorben war, suchte Abbe einen Weg, das gemeinsame Werk langfristig zu sichern und schuf im Jahr darauf die Carl-Zeiss-Stiftung, der er seine Anteile an der Optischen Werkstätte und am Jenaer Glaswerk übertrug.

Das Zeiss-Portfolio wurde erweitert: 1890 entstand eine Abteilung für optische Messgeräte sowie eine fotooptische Abteilung, vier Jahre später folgte die „Tele“-Abteilung, in der Feldstecher – unter anderem für das kaiserliche Heer – produziert wurden.

Ab 1908 wandte man sich der Herstellung von Brillen und Messgeräten für die Augenheilkunde zu. Mit der Erweiterung des Produktionsprogramms ging die der Fertigungsstätten und der Belegschaft einher: Im Juni 1914 beschäftigte das Zeiss-Werk 5.280 Menschen. Diese stellten im Ersten Weltkrieg nahezu ausschließlich Militärgeräte her.

1926 wurde auf Betreiben der Carl-Zeiss-Stiftung in Dresden die Zeiss Ikon AG gegründet. Der Zusammenschluss der vier Unternehmen Optische Anstalt C.P. Goerz AG, Berlin, der Contessa-Nettel AG, Stuttgart sowie der H. Ernemann AG und der ICA AG, Dresden, entwickelte sich zu einem führenden Hersteller: Die 1933 präsentierte „Contax I“ war eine der modernsten Kameras der damaligen Zeit.

In den Jahren des Nationalsozialismus wurde Zeiss erneut auf Rüstungsproduktion umgestellt. Nach Kapitulation und Demontage des Werks durch die Besatzungsmächte kam es infolge der deutschen Teilung 1949 zur Koexistenz zweier Zeiss-Standorte: Jena in der DDR und Oberkochen in der BRD. Die beiden Werke mit ihren gleichartigen Fertigungsprogrammen wurden zu Konkurrenten. 1954 begann eine scharfe Auseinandersetzung, die man erst 1971 beendete.

Aus dem VEB Carl Zeiss Jena gingen im Herbst 1991 sowohl die JENOPTIK GmbH als auch die Carl Zeiss Jena GmbH hervor. Letztere wurde durch das Oberkochener Unternehmen übernommen.

Heute werden Zeiss-Objektive weltweit millionenfach eingesetzt: nicht nur an Spiegelreflex- und Messsucher-Kameras sowie spiegellosen Systemkameras, sondern auch in Smartphones, Webcams, an Filmkameras oder auch in Videokonferenz-Systemen. (cm)

 

 

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