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Brückenhofmuseum zeigt Notgeld aus den 1920er Jahren


Als Bad Honnef eigenes Geld hatte

Wer das Brückenhofmuseum in Königswinter besucht, kann dort unter anderem auch wunderbare Originale von Bad Honnefer Notgeld aus dem Jahre 1921 bewundern. Gezeichnet wurden sie von Professor Heinrich Reifferscheid und Wilhelm Redeligx. 

Zu den Exponaten im Brückenhofmuseum zählt auch das von Heinrich Reifferscheid und Wilhelm Redeligx gestaltete Bad Honnefer Notgeld.
Bild: Marion Cramer

Die Exponate im Brückenhofmuseum zeugen von der Liebe der beiden Künstler zu dem kleinen Rheinstädtchen. Reifferscheid wurde mütterlicherseits als Enkel des Dichters und Sprachforschers Karl-Simrock geboren, der bis zu seinem Tod in seinem Haus am Menzenberg lebte. Er wurde in Breslau geboren, kehrte aber nach dem Tod seines Vaters mit der Mutter in ihre Heimat zurück, besuchte hier das Gymnasium und später die Universitäten in Bonn, Berlin und München. Immer wieder zog es ihn in seine geliebte Rheinstadt zurück.


Bild: Stadtsparkasse Bad Honnef

Auch der gebürtige Kölner Wilhelm Redeligx spürte eine innere Verbundenheit mit dem „Nizza vom Rhein“. Er studierte ebenfalls Kunst und arbeitete zunächst als Industriemaler, verlegte sich dann auf den Weinbau in Rhöndorf, widmete sich aber weiter seiner großen Passion, dem Malen. Ein Teil seiner Werke wurde auf Ansichtskarten oder in Kalendern verewigt.

Beauftragt wurden die beiden Künstler durch den Verkehrs- und Ortsverein Bad Honnef am Rhein und den Verkehrs- und Ortsverein Rhöndorf. Mit Begeisterung machten sich beide ans Werk. Wunderschöne Motive aus der Region entstanden, auf den Rückseiten der Geldscheine zeigten sie den Rhein mit der Insel Nonnenwerth, die Kapelle in Rhöndorf, Karl Simrocks Haus, die Löwenburg, das Strandbad von Rhöndorf und Ansichten der Honschaften.

Die Vorderseiten nahmen das Märchen „Schneewittchen und die sieben Zwerge“ auf und verlegten es kurzerhand ins Siebengebirge. Dies darf als Reminiszenz an die Gebrüder Grimm zu sehen sein, die gute Freunde von Karl Simrock waren. Wilhelm Grimms Sohn Herman war sogar der Patenonkel von Reifferscheid.

Notwendig geworden war der Druck des Notgeldes durch die Verknappung von Münzen. Mit der Gründung des Deutschen Kaiserreichs 1871 war das Münzwesen im gesamten Raum zur Vereinfachung des Handels vereinheitlicht worden. In Gold wurden 20-, 10-, zeitweise auch 5-Markstücke, in Silber 5-,2-, 1-Markstücke und 50 Pfennig-Stücke geprägt. Aus Kupfer und Nickel kamen die kleinen Münzen dazu. Ab 1909 gab es auch Banknoten als gesetzliche Zahlungsmittel.

Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs gingen viele dazu über ihre Geldscheine bei den Banken gegen Münzen einzutauschen. Die wurden im Sparstrumpf gehortet, denn der Metallwert überstieg den Nennwert. Ab 1916 wurden dann auch noch die Kupfer- und Nickelmünzen eingezogen. Nickel wurde gebraucht für die Herstellung von kriegswichtigem Waffenstahl. Das Geld reichte nicht mehr aus. Städte und Gemeinden, aber auch Firmen ließen so genannte Verkehrsausgaben mit einem Wert von bis zu 50 Pfennig drucken, zunächst ohne Zustimmung von Behörden. Per Erlass des Ministers für Handel und Gewerbe wurden dann die Regierungspräsidenten ermächtigt, die Ausgabe stillschweigend zu dulden.

Die so zauberhaft gestalteten Scheine von Reifferscheid und Redeligx kamen in einer Gutscheintasche auf den Markt. Sie wurden in relativ hoher Stückzahl gedruckt. Auch heute noch sind sie im Internet oder auf Flohmärkten zu finden. 2009 gaben die Stiftung der Stadtsparkasse Bad Honnef und die Bürgerstiftung Bad Honnef eine Broschüre mit dem Titel „Als Bad Honnef sein eigenes Geld druckte“ heraus. (mc)

 

 

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