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Weinanbaubetriebe am Mittelrhein mit Tradition


Als die Römer frech geworden…

Das Weinanbaugebiet Mittelrhein deckt sich größtenteils mit der gleichnamigen geographischen Region. Diese liegt fast auf ganzer Länge in Rheinland-Pfalz und schließt die zu Nordrhein-Westfalen gehörenden Weinbauorte Oberdollendorf, Niederdollendorf, Königswinter und Rhöndorf ein. Das Siebengebirge hat innerhalb des Anbaugebietes Mittelrhein (eines der ältesten in Deutschland) seine Identität bewahrt.

Goldener Farbton verspricht Goldenen Tropfen: Weinanbaugebiet Mittelrhein.
Bild: Privat

Bereits in römischer Zeit kam der Weinbau in die Beckenlandschaft zwischen Koblenz und Neuwied und wurde dort in ebenen Weingärten betrieben. Spätestens um das Jahr 650 wurde Rheinbrohl zum Weinort.

Im Mittelalter waren die großen Weingüter im Besitz von Klöstern und Stiften. So spielte das Kloster Heisterbach ab 1189 eine wesentliche Rolle für den Weinbau im Siebengebirge. Ab 1850 verlor dieser nach und nach an Bedeutung. Von knapp 500 Hektar Rebfläche sind noch etwa 20 Hektar übrig. Drei Betriebe repräsentieren heute den dortigen Weinbau.

Bereits seit 1696 baut die Familie Blöser Wein in Oberdollendorf an – und die nächste Generation steht schon bereit, um weiterhin überwiegend aus Riesling- und Müller-Thurgau-Trauben Weine zu keltern – in allen Güteklassen, also vom Qualitätswein bis zum Prädikat Beerenauslese. Das Angebot umfasst die Sorten Weißer Burgunder, Kerner, Traminer und Scheurebe sowie die Rotweinsorten Dornfelder, Portugieser, Spätburgunder und Regent. Bernd Blöser bewirtschaftet heute 7,2 Hektar: „Davon entfallen inzwischen fast 25 Prozent auf unsere Rotweine. Wir sind die nördlichsten hauptberuflichen Winzer im Anbaugebiet Mittelrhein.“

Das Weingut Pieper in Königswinter ist das größte Weingut in Nordrhein-Westfalen. Anfang der 1970er Jahre übernahm Adolf Pieper Senior es von seinem Schwiegervater und baute es auf eine Größe von 9 Hektar aus. In den 1980er Jahren übernahm Adolf Wilhelm Pieper das Gut. Seit 2007 ist Felix Pieper als Vertreter der dritten Generation für den Ausbau der Weine verantwortlich: „Unsere Weine zeichnen sich besonders durch die in Deutschland einzigartige Bodentypizität im Weinbau aus. Unsere Reben gedeihen auf vulkanischem Trachytgestein aus dem auch große Teile des Kölner Doms erbaut wurden.“ Das Spektrum umfasst die Rebsorten Riesling, Müller-Thurgau, Kerner, Grau-, Weiß- und Spätburgunder, Gewürztraminer, Scheurebe, Ehrenfelser, Chardonnay, Portugieser und Grüner Veltliner.

Die Weinbautradition der Familie Broel, dem einzigen verbliebenen Winzerbetrieb in Rhöndorf, reicht bis ins Jahr 1742 zurück. Das heutige Weingut stammt aus dem Jahre 1905 und ist weitgehend original erhalten – u.a. das Kontor mit Continental-Schreibmaschine und Bakelit-Telefon. Kanzler Adenauer, zugezogener Rhöndorfer und Weinkenner, war hier mehrmals zu Besuch, so auch am 6. Dezember 1947 – in Begleitung von Theodor Heuss und Karl Arnold, dem NRW-Ministerpräsidenten. Eigentümer Karl-Heinz Broel: „Einmal hat Adenauer seinen Hut bei uns liegen gelassen – den bewahre ich bis heute in einer Vitrine auf.“ Broel baut vier weiße Rebsorten an: „Neben unserem Flaggschiff – dem ‚Steillagen-Riesling‘ – haben wir auch Kerner, Scheurebe und Rivaner im Angebot.“ Seine 2003er Beerenauslese Rhöndorfer Drachenfels Riesling hebt Broel als besondere Rarität hervor.

Übrigens: Das Siebengebirge besteht nicht etwa aus sieben, sondern aus über vierzig Gipfeln. Der Name leitet sich von „Siefen“ ab – die kleinen Wasserläufe, von denen das Siebengebirge zum Rhein hin durchzogen wird. (cm)

 

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