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Interview mit Pfarrer Werner Zeidler


Angebote, Stress und Kommerz

Seit März 1987 betreut Pfarrer Werner Zeidler den Westbezirk der Evangelischen Kirchengemeinde Altenkirchen. Mit der RWN-Redaktion sprach er über die Angebote der Christuskirche Altenkirchen in der Adventszeit, gab Tipps, wie man trotz vorweihnachtlichem Stress zu mehr Besinnlichkeit findet und verriet, wie er zu der Kommerzialisierung des Weihnachtsfestes steht.

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Pfarrer Werner Zeidler betreut seit über 25 Jahren den Westbezirk der Evangelischen Kirchengemeinde Altenkirchen.
Bild: privat

Welche besonderen Angebote bieten Sie jetzt noch zur Adventszeit in Ihrer Kirchengemeinde an?

Zeidler: Wir freuen uns insbesondere auf den musikalischen Gottesdienst am zweiten Advent um 10 Uhr vormittags, denn dann findet ein Orgelkonzert mit Stücken von Josef Haydn statt. Tradition hat das „Offene Singen“ unter Leitung von Kreiskantor Alexander Kuhlo am dritten Advent. Dieses Angebot beginnt um 17 Uhr bei uns in der Christuskirche. Ein tolles Erlebnis ist der Familiengottesdienst am vierten Advent. Ab 10 Uhr werden wir gemeinsam mit Kindern der Evangelischen Kindertagesstätte „Arche“ für weihnachtliche Stimmung in der Gemeinde sorgen. An jedem Sonntag aber freuen wir uns generell auf Mitglieder unserer Gemeinde, die zum Gottesdienst kommen. Denn auch außerhalb der Adventszeit bieten wir sehr viele Angebote an, die Interessierte jederzeit in unserem Gemeindebrief auch online einsehen können.

 

Vorweihnachtlichen Stress kennen heutzutage sehr viele Menschen. Welche Tipps haben Sie, um dennoch zu mehr Besinnlichkeit zu finden?

Zeidler: Prinzipiell hilft es schon, sich täglich wirklich eine Auszeit zu nehmen. Gerade, wenn der Stresspegel steigt, empfehle ich jedem, sich ein paar Minuten zum Abschalten zu gönnen. Wer besonders zur Adventszeit Zeit zum Abschalten und Durchatmen sucht, dem sei an dieser Stelle „Der andere Advent“ als Kalender empfohlen. Dieser wird von der Initiative „Andere Zeiten“ herausgegeben und ist ab sofort bestellbar. Der Verein möchte durch vielfältige Aktionen auf die Chancen und Möglichkeiten zur Besinnlichkeit hinweisen, die uns die Feiertage und Festzeiten bieten. In der Adventszeit begleitet der Kalender seine Leser mit Texten und Bildern, die aufleuchten lassen, was uns an Weihnachten wirklich erwartet. Dabei liegt dem Verein besonders das Thema Flüchtlinge am Herzen.

 

Da Sie das Thema Flüchtlinge gerade ansprechen, welche besonderen Angebote bieten Sie den Flüchtlingen der Gemeinde an?

Zeidler: Oh, sehr viele, die aber nicht unbedingt auf die Adventszeit zielen, sondern der Förderung und Integration von Flüchtlingen dienen sollen. So bieten wir in Kooperation mit dem Kinder- und Jugendzentrum unter Leitung von Diakon Matthias Gibhardt eine Gruppe zur interkulturellen Bildung an. Hinzu kommt die Eltern-Kind-Gruppe, die sich auf die Sprachförderung konzentriert. Diese trifft sich unter Leitung von Elke Lauterbach-Buchner immer freitags von 15.30 bis 17.30 Uhr. Selbstverständlich ist jeder Flüchtling jederzeit herzlich eingeladen, sich den Gruppen anzuschließen oder zu uns in den Gottesdienst zu kommen.

 

Und wie bewerten Sie generell die Kommerzialisierung des Weihnachtsfestes?

Zeidler: Man muss schon feststellen, dass die eigentlich religiösen Hintergründe des Weihnachtsfestes immer mehr durch den Kommerz verdrängt werden. Immer weniger Menschen kennen die wahre Bedeutung einzelner Festtage. Hinzu kommt, dass inzwischen selbst Adventskalender oder Weihnachtsschmuck ohne christliche Symbole wie Krippen, die Heilige Familie, die Weisen aus dem Morgenland und das Jesus-Kind angeboten werden. Nun muss man aber an diesem Punkt festhalten, dass dies auf Wunsch der Kundschaft geschieht, die Weihnachten offenbar immer mehr ohne kirchlichen Hintergrund feiern möchte. Im Gegensatz dazu befürchten aber Menschen, die genau dies fordern und selten oder nie in die Kirche gehen, den Untergang des christlichen Abendlandes, wenn sie an die Thematik der Flüchtlinge denken. Dabei – und dies sollte man bedenken – war der Erlöser der Welt selbst ein Flüchtlingskind. Und solch ein Wissen geht über den Kommerz vollkommen verloren.

 

 

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