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Sagen rund und das Siebengebirge


„Archäologische Sensation“ im Siebengebirgsmuseum

Sagenumwoben ist in der Region das Siebengebirge. Gleich mehrere bekannte Geschichten werden sich noch heute über diese Gegend erzählt. Die Sagen entstanden vornehmlich im Zuge der Rheinromantik im 19. Jahrhundert oder wurden von deren Vertretern wieder aufgegriffen.

Der Leiter der Siebengebirgsmuseums, Elmar Scheuren, zeigt die Schaufel eines Riesens.
Bild: Schorn

Eine dieser Geschichten handelt von der Entstehung des Siebengebirges. „Es soll dort einen See gegeben haben, der immer weiter anstieg und die Felder und Häuser der Menschen bedrohte“, erklärt der Historiker und Leiter des Siebengebirgsmuseums der Stadt Königswinter, Elmar Scheuren. „Also riefen die Leute sieben Riesen zu Hilfe, die den Stausee mit ihren riesigen Schaufeln zuschütteten. Als sie die Erde ihrer Schaufel nach getaner Arbeit abklopften, entstanden dadurch sieben Berge, das Siebengebirge.“ Im Siebengebirgsmuseum Königswinter ist seit 2010 übrigens eine „archäologische Sensation“ zu bestaunen, wie Scheuren betont und dabei schmunzelt. Denn dort werden die Überreste einer großen Schaufel, die einem der sieben Riesen gehörte, ausgestellt. „Die Sagen gibt es immer in verschiedenen Versionen“, berichtet Scheuren. Bei der Geschichte von der Entstehung des Siebengebirges gibt es beispielsweise die Variante, dass der Rhein sich staute und die Ufer bedrohte.

Unterschiedliche Schilderungen

Unterschiedliche Schilderungen gibt es auch von der Drachen-Sage rund ums Siebengebirge. So heißt es in einer Version, dass ein Drache in der Gegend sein Unwesen trieb und die damals heidnische Bevölkerung nur in Ruhe ließ, weil sie ihm regelmäßig Menschenopfer darbrachte. Als die Menschen dem Drachen eine christliche Jungfrau opfern wollten, zog diese vor dem Drachen ein Kreuz aus der Bluse und hielt es ihm entgegen. Der Drache, der wohl den Satan verkörperte, stürzte sich daraufhin den Drachenfels hinab in den Rhein. „Der Rotwein, der am Drachenfels angebaut wird, wurde daher auch Drachenblut getauft“, erläutert Museumsleiter Scheuren. Eine andere Version dieser Sage besagt hingegen, dass der Drache die Rheinschiffer bedrohte.

Auch die Geschichte aus dem Nibelungenlied, das den Drachenkampf des Siegfrieds ins Siebengebirge verlegt, kann als eine andere Variante der Drachen-Sage angesehen werden, meint der 64-Jährige. „Im ursprünglichen Nibelungenlied ist diese Geschichte, dass Siegfried auf dem Weg nach Worms einen Drachen tötete und in dessen Blut badete, um unverwundbar zu werden, nur eine winzig kleine Randepisode“, sagt Scheuren, in dessen Königswinterer Museum auch die Sagen des Siebengebirges einen Platz eingeräumt bekommen haben.

„Dass dieser Kampf dann am Drachenfels stattgefunden haben soll, hat sich dann im Laufe der Jahrhunderte verselbstständigt. Dies wurde im 19. Jahrhundert im Zuge der sogenannten Rheinromantik vor allem von dem bekannten Bonner Dichter und Philologen Karl Simrock so geschildert, der auch das in Vergessenheit geratene Nibelungenlied übersetzt hat.“ Dabei hat der Name Drachenfels wahrscheinlich überhaupt nichts mit den Fabelwesen zu tun, sondern stammt von dem alten mittelhochdeutschen Wort „Draken“ ab, was einen steilen Abhang bezeichnet. „Doch schon im Mittelalter wurde mit dem Drachenfels das Ungeheuer in Verbindung gebracht“, erklärt der Museumsleiter.

Wiederum eine etwas andere Version der Drachen-Sage sowie des Nibelungenliedes ist übrigens heute noch in der Drachenwelt (Nibelungenhalle, Drachenhöhle und Reptilienzoo) am Drachenfels zu finden, nämlich die Variante von des Komponisten Richard Wagner,

Zwei weitere bekannte Geschichten aus dem Siebengebirge sind die Sagen vom Rolandsbogen sowie vom Heisterbacher Mönch und dem Vöglein. So soll der mutige Ritter Roland mit der Tochter des Burggrafen vom Drachenfels verlobt gewesen sein, zog vor der Hochzeit aber noch mit Kaiser Karl dem Großen nach Spanien in den Krieg gegen die Mauren. Seine Angebetete erhielt allerdings fälschlicherweise die Nachricht von seinem Tod. Daraufhin ging sie in das Kloster auf der Insel Nonnenwerth. Doch Ritter Roland tauchte alsbald wieder recht lebendig auf. Weil er eine Nonne aber nicht heiraten durfte, baute er eine Burg unweit vom Nonnenwerth, um seine Angebetete durch ein großes Fenster, den sogenannten Rolandsbogen, wenigstens beim Spazierengehen auf der Insel beobachten zu können. „Beide sollen schon bald danach an gebrochenen Herzen gestorben sein“, erzählt Elmar Scheuren.

„Die Sage vom Heisterbacher Mönch und dem Vöglein ist eigentlich in ganz Europa recht bekannt“, berichtet der Siebengebirgsmuseums-Leiter. Demnach soll ein Mönch aus dem Zisterzienser-Kloster Heisterbach über eine Bibelstelle gestolpert sein. Diese lautet: „Für den Herrn sind 1000 Jahre wie ein Tag und ein Tag wie 1000 Jahre.“ Daran zweifelte der Mönch, ging in den Wald und schlief ein. Er soll dann von einem Vöglein geweckt worden sein und ging zurück zum Kloster. Doch dort kannte ihn niemand mehr. Aber ein Mönch erinnerte sich, dass er vor kurzem in Annalen des Klosters von einem Mönch vor 500 Jahren gelesen habe, der in den Wald gegangenen sei und nicht mehr wiedergekommen sei.

 

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