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Bad Honnef, Rheinbreitbach und Unkel waren Zentren der Rheinromantik


Auf den Spuren der Brüder Grimm

Die Grundschule in Rheinbreitbach wurde in Reminiszenz an die Brüder Wilhelm und Jacob Grimm, die oft Mitte des 19. Jahrhunderts in dem Ort weilten, benannt. Sie gelten bis heute als die größten Märchenerzähler Deutschlands.

Der Vorsitzende des Rheinbreitbacher Heimatvereins, Dankwart Heinrich, mit der Broschüre über die Brüder Grimm.
Bild: M. Cramer

In Zeiten der sich rasch ausbreitenden Industrialisierung erwachte damals als Gegenbewegung die Sehnsucht nach einer heilen Welt, Natur und Vater Rhein-Impressionen. Aus aller Welt strömten kunstsinnige Menschen in die zauberhaften Orte rund um das Siebengebirge. Bad Honnef, Rheinbreitbach und Unkel wurden zu einem beliebten Treffpunkt für die Gruppe der Rheinromantiker.

Im Mittelpunkt Mitte des Jahrhunderts stand das Haus Parzival beim jetzt wieder in Privatbesitz befindlichen Weingut Menzenberg. Damals wurde es von Karl-Simrock, einem Bonner Geschichtsprofessor mit seiner Familie bewohnt. Bekannt wurde er auch als Übersetzer des Nibelungenlieds und Werken von Walther von der Vogelweide und Sprachforscher. Er galt als Erneuerer deutscher Literatur, sammelte aber auch Sagen und Märchen. Die Liebe dazu verband ihn mit Wilhelm und Jacob Grimm. Bevor der erste Besuch erfolgte, existierte eine umfangreiche Korrespondenz der Grimms mit Simrock. Oft bezogen die beiden mit ihren Familien danach in der Gegend ihr Sommerquartier oder reisten zur Weinlese an. Auf Empfehlung von Simrock logierte Wilhelm mit den Seinen in Rheinbreitbach im Clouthschen Hof, der später in den „Rheinbreitbacher Hof“ umgetauft wurde. Hier schrieb Wilhelm Grimm auch mit einem Gedicht eine kleine Hommage auf das Haus Menzenberg an Agnes und Dora Simrock.

Leuchtend glänzende Sonne

über diesen Blättern,

wenn sie mit sinnvollen

goldenen Sprüchen,

mit des Scherzes werbenden Worten

oder mit anmutigen Bildern

Menzenberg Gärten nicht unähnlich

von liebreichen Händen

ganz angefüllt,

dir, liebe Agnes,

dir, liebe Dora,

glückliche Zeit zurückbringen.

Heute befindet sich das ehemalige Hotel an der Hauptstraße 61 in Privatbesitz. Hermann Grimm wohnte zumeist in einem Haus mit zwei Ecktürmen, es wurde wie viele andere Gebäude in dem kleinen Ort in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts dem damaligen Zeitgeist der Modernisierung geopfert. Heute steht dort die Volksbank Rheinbreitbach.

Wie schön sich das beschauliche Örtchen zu Grimms und Simrocks Zeiten präsentierte, veranschaulicht ein prachtvolles Wandgemälde am Nebeneingang des Heimatmuseums, das vom rührigen Heimatverein Rheinbreitbach ausschließlich auf freiwilliger Basis geführt wird. Zu sehen sind dort Alltagsszenen, in denen man in vergangene Epochen abtauchen kann.

Erhältlich ist im Heimatmuseum (Hauptstraße 29, Öffnungszeiten jeden 2. und 4. Sonntag im Monat von 14.30 bis 17.30 Uhr, Eintritt kostenfrei. Sonderführungen möglich)  auch eine von der Ortsgemeinde Rheinbreitbach zur Eröffnung der Grundschule herausgegebene Broschüre über die Brüder Grimm.

Einen Hintergedanken soll Karl-Simrock mit der Einquartierung in Rheinbreitbach noch gehabt haben. In Unkel lebte der gemeinsame Freund und Dichter Ferdinand Freiligrath, so lag das Quartier der Gäste auf halbem Weg. Die Strecke ist heute als Pfad gekennzeichnet, beginnt am Haus Parzival und endet an der Rheinpromenade bei Haus Freiligrath.

 

 

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