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Lehrer berichten vom Unterricht


Aus Religion wurde Ethik

Ältere RWN-Leser werden sich erinnern. Wenn zu ihren Schulzeiten das Alte Testament oder das Wirken des heiligen Franziskus durchgenommen wurde, dann stand das Fach „Religion“ auf dem Stundenplan. Nicht immer beliebt, aber oft auch ein Fach, bei dem man gute Noten ernten konnte.

Unkel Religionslehrer im Gespräch

Die Theologielehrer der Stefan-Andres-Realschule plus in Unkel vermitteln ihren Schülern im Ethikunterricht Wissen über die Weltreligionen und soziale Kompetenzen.
Bild: H.-W. Lamberz

Seit einigen Jahren hat sich das zumindest von der Bezeichnung her geändert – wie auch in der Stefan-Andres-Realschule plus in Unkel. „Heute heißt das Fach Ethik und ist Pflichtfach“, so Theologielehrerin Susanne Stahnke. Zusammen mit ihren Kollegen Torsten Brummel, Astrid Enders, Tobias Reh und Güvent Armitli unterrichtet sie die rund 350 Unkeler Realschüler in diesem, wie Enders es ausdrückt, „sehr besonderen Fach“. Vermittelt werden in erster Linie das Wissen über die Weltreligionen und soziale Kompetenzen.

„Da geht es besonders darum, wie sich Schüler bei Streitfällen oder Differenzen begegnen sollten und wie man mit Respekt und Toleranz miteinander umgeht“, unterstreicht Torsten Brummel. „Und wir legen viel Wert darauf, das Wissen um monotheistische Weltreligionen zu vermitteln“, ergänzt Astrid Enders.

Waren früher die Klassen beim Religionsunterricht in katholische und evangelische Schüler unterteilt, treffen die Pädagogen heute auf eine sehr gemischte Schülergruppe. „Wir haben fast alle großen Religionen unter unseren Schülern. Allerdings stellen wir auch fest, dass immer weniger Schüler aus christlichen Elternhäusern auch getauft sind“, ergänzt Susanne Stahnke. Sie sieht das wie ihre Kollegen als Folge einer gesamtgesellschaftlichen Entwicklung.

Im Fach „Ethik“ müssen die Unkeler Pädagogen auch manch andere Klippe meistern. „Wir bemerken schon bei einigen Schülern Unkenntnis über die Religion des anderen. Dadurch entstehen auch manche Schulhof-Konflikte“, so Brummel. Die Werte-Vermittlung im Fach „Ethik“ soll hier auch mehr Verständnis und Interesse für andere Glaubensrichtungen hervorbringen.

Viele Missverständnisse können so im Unterricht geklärt werden. „Natürlich fragen einige Schüler nach dem Kopftuch für muslimische Mädchen, wie anders herum auch nach der Bedeutung des christlichen Osterfestes gefragt wird“, so Astrid Enders. Wobei das Interesse der Schüler durchaus schwankt.

„Das hängt auch ein wenig von der Klassen-Zusammensetzung ab“, bemerkt die Lehrerin. Dabei bietet das Fach „Ethik“ den Pädagogen auch die Chance, ihre Schüler mal von einer anderen Seite zu sehen und zu erleben. „Hier können sich auch Schüler einbringen, die sonst noch etwas schwächer im Unterricht sind“, ergänzt Torsten Brummel. Zwei Stunden pro Woche steht „Ethik“ auf dem Stundenplan.

Benotet werden das Fachwissen und die Diskussionsbereitschaft, gerade in den höheren Klassen. „Es kommt bei den Benotungen letztes Endes darauf an, was leistet der Schüler im Unterricht“, so Astrid Enders. Und trotz aller Neuerungen – eines steht weiter im Mittelpunkt des Unterrichts. „Ich verstehe mich immer noch als Religionslehrerin“, unterstreicht Susanne Stahnke. (tv)

 

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