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Interview mit Zehnkämpfer Kai Kazmirek


„Bei den Spielen wurden schon oft Träume wahr“

Im Vorfeld der Spiele von Rio hatte die RWN-Redaktion Gelegenheit, mit Zehnkämpfer Kai Kazmirek zu sprechen. Der Koblenzer geht für die LG Rhein-Wied an den Start und unterstützt die Windhagener Aktionsgruppe „Kinder in Not“.

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Geht mit Medaillenhoffnung in Rio an den Start: Zehnkämpfer Kai Kazmirek
Bild: Wolfgang Birkenstock

RWN: Sie fahren zusammen mit Ihren Zehnkampf-Kollegen Arthur Abele und Rico Freimuth nach Rio. Deshalb durften Sie auch nicht zur Europameisterschaft antreten, weil der DLV einen Doppelstart verhindern wollte. Trauern Sie einer möglichen EM-Medaille nun nach?

Kai Kazmirek: Natürlich hat man während der EM darüber nachgedacht, was wohl passiert wäre, wenn man selbst auf dem Platz gestanden hätte. Die Wahrscheinlichkeit die EM zu gewinnen, war sehr groß und uns allen bewusst.

Jedoch wurden alle Athleten schon im Winter letzten Jahres darüber informiert, wie die Situation für die Olympiastarter aussieht. Durch diese transparente Herangehen gab es eine klare Aussage und jeder Athlet konnte für sich selbst entscheiden, welchen Weg er gehen möchte. Die Gründe eine EM auszulassen und sich ordentlich auf Olympia vorzubereiten überwiegen.

 

Wie sehen Sie das Verhältnis im deutschen Zehnkampf-Team? Sind Sie in erster Linie Konkurrenten in Rio?

Kazmirek: Wir arbeiten das ganze Jahr miteinander und kennen uns sehr gut. Deshalb kann ich nur sagen, dass wir in Rio als Team auftreten und das wird unser großer Vorteil gegenüber anderen Nationen sein, da wir uns gegenseitig pushen und helfen können! Zudem wird am Ende der bessere gewinnen. Alle haben hart trainiert und daher ist jedem der Sieg zu gönnen.

 

Rechnen Sie sich selbst oder Ihren Mitstreitern eine Chance in Rio gegen Olympiasieger und Weltrekordhalter Ashton Eaton aus?

Kazmirek: Ashton wird schwer zu schlagen sein. Er müsste Fehler machen und wir einen nahezu perfekten Wettkampf. Es geht für uns eher um die Plätze zwei und drei. Jedoch sind es Olympische Spiele und an diesen ist alles möglich. Schon oft wurden genau dort Träume wahr!

 

Wie sah beziehungsweise sieht Ihre Vorbereitung für Rio aus?

Kazmirek: Derzeit befinden wir uns in der Vorbereitung am Leistungszentrum Kienbaum (Das Interview wurde im Juli geführt – Anmerkung der Redaktion). Hier fahren wir die Umfänge noch einmal hoch, um die letzten Fehler zu beseitigen. Sprich wir werden unsere Schwerpunkte noch einmal stark auf die Wurfeinheiten legen. Neben dem Training steht zusätzlich jeden Tag Physiotherapie, Gänge in die Kältekammer bei minus 110 Grad sowie ins Eisbad an. Wir werden somit in Topform in Rio antreten.

 

Sie starten seit zehn Jahren für die LG Rhein-Wied. Wie unterstützt der Verein Sie bei Ihren Vorbereitungen?

Kazmirek: Der Verein bietet mir eine sehr gute Basis für das Training. Ich kann jederzeit auf den Platz oder in den Kraftraum. Außerdem herrscht eine sehr familiäre Atmosphäre im Verein. Man kennt und schätzt sich untereinander sehr, sodass es Spaß macht auf den Platz zu kommen.

 

Sie absolvieren eine Ausbildung zum Polizeikommissar bei der Rheinland-Pfälzischen Polizei. Ruht während der Olympiavorbereitung diese Ausbildung?

Kazmirek: Im Januar konnte ich mein Studium zum Polizeikommissar abschließen. Bis zu den Olympischen Spielen wurde ich zudem von der Polizei freigestellt, wofür ich sehr dankbar bin. Denn nur so ist eine optimale Vorbereitung gewährleistet.

 

Sie bezeichnen sich selbst als ehrgeizigen Wettkampftypen. Während des Wettkampfs – wann können Sie dennoch etwas nervös werden, welche Einflüsse könnten sich negativ auf Ihre Leistungen auswirken?

Kazmirek: Nervös werde ich eigentlich nur, wenn mich im Vorfeld privates beschäftigt. Dadurch finde ich nicht die nötige Konzentration für den Wettkampf. Ansonsten bedeutet für mich der Wettbewerb in erster Linie Spaß zu haben. Denn der anstrengende Teil ist das Training.

 

Ihre heimliche Leidenschaft ist angeblich Cookie Dough Eis zusammen mit der Freundin zu löffeln. Darüber hinaus: wie ist Kai Kazmirek privat?

Kazmirek: Ich reise sehr gerne, sofern die Zeit vorhanden ist. An meinen freien Tagen gehe ich gerne mit Freunden ins Kino oder außerhalb Essen. Das entspannt und man hat nicht die ganze Zeit nur den Sport im Hinterkopf, der doch eine sehr große Bedeutung, auch bei uns in der Familie einnimmt.

 

Sie engagieren sich auch für den Windhagener Verein „Kinder in Not“. Wie kam es dazu und was sind Ihre Beweggründe für dieses Engagement?

Kazmirek: Mit „Kinder in Not“ unterstützen wir Projekte für Kinder auf der ganzen Welt. Dabei wird das Geld in Schulen und in die Ausbildung der Kinder gesteckt, sodass sie im Erwachsenenalter einen Job finden. Ich persönlich versuche diese Projekte so gut es geht zu unterstützen, da es mir eine Herzensangelegenheit ist. Deshalb habe ebenfalls eine Patenschaft bei „Kinder in Not“.

 

Zurück nach Rio. Als Ihre starken Disziplinen gelten der Sprung- und Sprintbereich. Haben Sie sich dennoch auch im Werfen und auf den quälenden Mittelstrecken in diesem Jahr steigern können?

Kazmirek: Wir haben viel an den Würfen gearbeitet. Im Training klappt das schon sehr gut und vereinzelt auch in den Wettkämpfen. Jedoch fehlt noch die Konstanz. Deshalb sind die Wettkampfergebnisse immer sehr wechselhaft. Ziel für Rio ist es, alles auf einen Punkt zu bringen. Dann klappt es auch mit einer Medaille!

 

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