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„Der Film ist gelaufen“

Dass Kameras früher einmal einen Film belichteten, von dem sich dann Papierabzüge in einer Dunkelkammer erstellen ließen, ist für viele heute so undenkbar wie eine Welt ohne Internet und Handy. Doch es gibt sie noch, die Nostalgiker, die genau nach diesen Modellen suchen – und fündig werden, zum Beispiel auf Antiquitäten- und Trödelmärkten in der Region. RWN hat mit den Sammlern und Händlern gesprochen.

Mülbusch

Trödelmarkt-Händler Willi Mülbusch sieht seine Foto-Klassiker als reine Sammlerstücke an: „Bei aller Liebe, wer will diese Bilder denn entwickeln?“
Bild: PA Funk

Man müsse schon genau hinausschauen, wenn man Kameras aus früheren Zeiten auf Antik- und Trödelmärkten entdecken wollte, erzählt Veranstalter Jörg Mahler, der die Märkte auf dem Gelände der Vorteil-Center in Asbach, Unkel und Aegidienberg organisiert. Fündig wird man dann aber meist doch.

Auf dem Antik-Trödelmarkt in Linz sogar immer, freuen sich die Eheleute Rupieper aus Bad Breisig. Diesmal haben sie am Stand von Willi Mülbusch zugeschlagen und nennen nun eine Voigtländer-Kamera aus den 50er Jahren, Modell Vito BL, ihr Eigen. „Ein Klassiker wie eine Voigtländer muss nicht teuer sein, er darf aber in keiner Sammlung fehlen. Und die hier hat bisher gefehlt“, sagen die Sammler. Die Kamera sei in einem guten Zustand. „Sie funktioniert einwandfrei, müsste nur äußerlich noch ein wenig gesäubert werden.“

Fotos werden mit ihr aber wohl keine mehr gemacht, es ist ein reines Sammlerstück: „Man erfreut sich täglich an den Kameras beim Blick in die Vitrine, nimmt sie ab und an ganz vorsichtig heraus, löst ein paar Mal die Verschlüsse aus, erfreut sich des Klickens, des Transportmechanismus oder des Metallgehäuses.“, bestätigen die Sammler, deren Leidenschaft für alte Kameras während eines Urlaubes auf einem Flohmarkt in Frankreich vor zehn Jahren geweckt wurde.

Diese Art des Ruhestandes werden wohl auch zwei weitere Prachtexemplare des Kölners Willi Mülbusch dauerhaft genießen dürfen. Seine Zeiss Plattenkamera von 1920 und das Zeiss-Modell Tempor aus dem gleichen Jahr, seien noch „voll funktionsfähig. Doch bei aller Liebe – selbst wenn sie noch Filme oder Belichtungsplatten irgendwo auftreiben könnten und auch zu welchem Preis – wer will die Bilder denn entwickeln?“

Anders als die Preise fürs Zubehör entwickeln sich jene für die alten Schätze: Abgesehen von sehr gefragten Leica-Raritäten, für die bei Auktionen auch mal sechsstellige Summen gezahlt werden, sind die Preise für klassische Kameras in den vergangenen Jahren deutlich gesunken. Es kommen derzeit nämlich massenweise alte Kameras von unsentimentalen und uninformierten Enkeln direkt von Opas Dachboden in Online-Auktionen. Oder mit den Worten von Händler Mülbusch: „Der Film, dass alte Kameras auch eine Wertanlage sind, ist gelaufen.“

 

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