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Marken des Alltags: Erdal


Der Froschkönig als Produktlogo

Als man im Jahre 1903 ein Logo für die Wortmarke Erdal suchte, war es nicht unüblich, hierfür eine populäre Märchenfigur zu nutzen. Mit der Wahl des Froschkönigs hatte es seine besondere Bewandtnis: Die Haut des Frosches bietet – ebenso wie das mit Erdal gepflegte Schuhwerk – einen guten Schutz gegen Wasser. Darüber hinaus ließ sich auch eine Verbindung der „Frosch-Perspektive“ mit einem Schuhpflegeprodukt herstellen.

In der Kugelkutsche wurden in der Zeit um 1920 Schuhcremes zu den Drogisten geliefert. Schon damals eine gelungene Marketingidee.
Bilder: Werner & Mertz GmbH

Die Erdal-Geschichte beginnt am 23. Oktober 1867, als Friedrich Christoph und Georg Werner in Mainz die Wachswarenfabrik „Gebrüder Werner“ gründeten. 1878 beteiligte sich Georg Mertz am Unternehmen, das nun unter dem Namen „Werner & Mertz“ firmierte.

Im Jahre 1887, nach dem Tod von Georg Mertz, übernahm sein Schwager Adam Schneider dessen Anteile und die Firmenleitung. Er entwickelte ein völlig neuartiges Produkt aus Hartwachs: die erste moderne Schuhcreme der Welt. Sie färbte und pflegte das Leder nicht nur, sondern schützte es auch vor Feuchtigkeit. Bis dahin hatte man handwerklich erzeugte Schuhwichse verwendet, die aus einer Mischung verschiedener Fette mit Ruß bestand.

Nach einem Feuer in der Fabrik wurde 1896 ein Neubau in der Mainzer Erthalstraße bezogen. Sie lieferte – in der Aussprache der Mainzer Mundart – schließlich den Namen für das wichtigste Produkt des Hauses: Erdal. Der Begriff wurde am 28. September 1901 beim Patentamt in Berlin eingetragen. Die erstklassige Qualität und ihre praktische Metalldose verhalfen der Schuhcreme zum Durchbruch.

Im Jahre 1908 vernichtete ein weiterer Großbrand die Fabrikgebäude, sodass in der Ingelheimer Aue in Mainz-Neustadt der dritte Firmensitz gebaut werden musste. Nachdem das Unternehmen im April 1917 abermals vom Feuer heimgesucht wurde, blieb man allerdings am selben Standort und errichtete im Sommer 1918 im Rahmen eines Neubaus den sogenannten „Froschturm“.

Um die erneute „Friedensqualität“ des Produkts nach dem Ersten Weltkrieg herauszustellen, wurde der naturalistische grüne Erdal-Froschkönig im Jahr 1919 auffällig rot eingefärbt.

Während 1944 rund 80 Prozent des Firmengeländes bei einem Großangriff zerstört wurden, überstand der Froschturm diesen nahezu unbeschadet und gehört heute zu den ältesten Werbeanlagen dieser Art in Europa.

Nach dem Zweiten Weltkrieg expandierte das Unternehmen durch eine Ausweitung auf neue Geschäftsfelder, indem man die Teppichpflegemarke tuba sowie die Autopolitur Rex einführte. Der lateinische Königstitel stellte erneut den Bezug zum Froschkönig her, der auch hier als Logo gewählt wurde.

Die Erdal-Dose, die 1948 den charakteristischen Öffnungshebel am Deckel erhalten hatte, bekam 1962 einen lächelnden Froschkönig als Markenzeichen. Ab 1971 wurde das stilisierte Logo eingesetzt, so wie es bis heute verwendet wird. Als 1986 eine Produktlinie umweltfreundlicher Haushaltsreiniger eingeführt wurde, griff man indirekt auf den Froschkönig zurück und schuf die erfolgreiche Marke Frosch.

Zum 100-jährigen Bestehen von Erdal im Jahr 2001 schenkte sich die Erdal-Rex GmbH, hinter der auch heute noch das Familienunternehmen Werner & Mertz steht, einen zwölf Meter hohen und 400 Kilo schweren Froschkönig, der auf dem Froschturm thront.

Übrigens: In den 1930er Jahren war Elly Heuss-Knapp, die Frau des späteren ersten deutschen Bundespräsidenten, für Erdal tätig. Sie gilt in Europa als Erfinderin des „Jingles“ (Erkennungsmelodie einer Marke) und dichtete: „Drum nehmt für Schuhe allemal: Erdal, Erdal.“ (cm)

 

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