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Ehemalige preußische Provinzen wurden zu RLP und NRW


Die Entstehungsgeschichte der Bundesländer

Dass der Rheinländer und der Westfale zwei völlig unterschiedliche Charaktere sind, ist unbestritten. Dennoch sind sie sich – wenn auch nicht ganz freiwillig – nähergekommen. Ein wichtiges Datum in der gemeinsamen Geschichte ist das Jahr 1815, als Preußen auf dem Wiener Kongress seine Westprovinzen erhielt. Aus ihnen entstanden nach Ende des Zweiten Weltkriegs die Bundesländer Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen.

Die Bundesländer Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen bestehen zum großen Teil aus ehemaligen preußischen Provinzen.
Bild: fotolia/www.photalo.de

Am 30. April 1815 wurde der Staat Preußen als Ergebnis des Kongresses in zehn Provinzen eingeteilt, unter denen sich unter anderem die an Preußen gefallenen drei Westprovinzen Westfalen, Jülich-Kleve-Berg und das Großherzogtum Niederrhein befanden. Die letzteren beiden wurden 1822 zur Rheinprovinz vereinigt. Da die Einwohner der Gebiete zu „Preußen mussten“, ohne etwa per Volksabstimmung befragt worden zu sein, entstand der Begriff „Musspreußen“. Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Ende der Monarchie in Deutschland gingen die beiden Provinzen 1918 im neu geschaffenen Freistaat Preußen auf.

Preußen, das de facto schon mit Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 zu bestehen aufgehört hatte, wurde am 25. Februar 1947 durch den Alliierten Kontrollrat offiziell aufgelöst. Schon im Vorjahr hatten die Alliierten Deutschland in vier Besatzungszonen geteilt. Ein auf den ersten Blick zu erkennendes Unterscheidungsmerkmal waren die neuen KFZ-Kennzeichen, die 1949 in den drei westlichen Zonen einführt wurden. Dabei handelte es sich um Schilder mit weißer Schrift auf schwarzem Grund, bei denen die Buchstaben übereinander angeordnet wurden. Beispiel: F = französische Zone, R = Rheinland-Pfalz, 49 = Kreis Neuwied.

Rheinland-Pfalz (RLP) war am 30. August 1946 von der französischen Besatzungsmacht gegründet worden. Es setzte sich zusammen aus den Regierungsbezirken Koblenz und Trier der Rheinprovinz, Teilen von Rheinhessen und Hessen-Nassau, der bayerischen Pfalz und dem oldenburgischen Gebiet um Birkenfeld.

Bereits eine Woche zuvor, am 23. August 1946, hatte die Besatzungsmacht Großbritannien das Land Nordrhein-Westfalen (NRW) aus dem Nordteil der Rheinprovinz sowie der Provinz Westfalen geschaffen. Im Jahr darauf wurde das jahrhundertelang selbstständige Land Lippe eingegliedert.

Heute haben die Bewohner von Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen zwar durchaus eine gewisse Identifikation mit ihrem jeweiligen Bundesland entwickelt, allerdings steht die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Region für viele Menschen weiterhin im Vordergrund. So gibt es innerhalb von RLP nach wie vor große Unterschiede zwischen den Bewohnern des Westerwaldes, der Eifel, des Hunsrücks oder der Pfalz. Gleiches gilt für NRW: Der Kölner hat relativ wenig mit dem Sauer-länder oder Münsterländer gemein. Trennend wirken bis heute vor allem die kulturellen und sprachlichen Unterschiede. Dass diese Regional-identitäten vorhanden sind, muss jedoch kein schlechtes Zeichen sein – spiegeln diese doch die kulturelle Vielfalt wider, die Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen so attraktiv machen.

Übrigens: Manche Bestimmungen aus der Zeit der Westprovinzen wirken bis heute nach. Da RLP und NRW in staats- und völkerrechtlicher Hinsicht Nachfolgestaaten Preußens sind, ist man an das „Preußenkonkordat“ gebunden. Der am 14. Juni 1929 zwischen dem Freistaat und dem Heiligen Stuhl geschlossene Staatskirchenvertrag löste die veralteten Bestimmungen von 1821 ab und regelte damit das bilaterale Verhältnis neu. (cm)

 

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