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Marken des Alltags: Lotto


Die erste Zahl war die 13

Paraskavedekatriaphobia – dieses Wort ist die Bezeichnung für die Angst vor Freitag, dem 13. Die Wurzeln liegen im Christentum: An einem Freitag bissen Adam und Eva in den verbotenen Apfel, an einem Freitag wurde Jesus gekreuzigt – und beim letzen Abendmahl wurde er vom 13. in der Runde – von Judas Iskariot – verraten. Die 13 gilt als Unglückszahl – dabei war sie die erste Zahl der (bundes-)deutschen Lottogeschichte.

Elvira, ein Hamburger Heimkind, entnimmt dem Ziehungsrad unter den prüfenden Augen des Notars und der Zuschauer eine Kugel mit der für viele Mitspieler glückbringenden Zahl.
Bild: Lotto Hamburg

Seit 1998 ist die ausgebildete Journalistin Franziska Reichenbacher die „Lotto-Glücksfee“. Ihre Vorgängerinnen waren Karin Dinslage und Karin Tietze-Ludwig. Dinslage, die erste Präsentatorin der samstäglichen „Ziehung der Lottozahlen“, moderierte diese von 1965 bis 1971, ab 1967 im Wechsel mit ihrer Vornamensvetterin. Tietze-Ludwig war ab dem 12. August jenes Jahres, als sie erstmals die Moderation übernahm, bis zu ihrem Rückzug vom Bildschirm für drei Jahrzehnte die deutsche „Lotto-Fee“ schlechthin.

Die Ziehungen waren zwar von Anfang an als öffentliche Veranstaltungen durchgeführt worden, aber das Fernsehen war in den ersten zehn Jahren noch nicht dabei. Als Glücksfeen fungierten bis 1965 Kinder. Die erste Fee war die damals zwölfjährige Elvira Hahn aus Hamburg. Am 9. Oktober 1955 fand in der Hansestadt bei Nordwest Lotto die erste Ziehung des neu eingeführten Zahlenlottos in Deutschland statt. Das Mädchen holte die Kugeln von Hand aus einem Ziehungsrad heraus. Als allererste Zahl der deutschen Lottogeschichte zog sie die 13.

Natürlich spielten die Menschen schon seit vielen hundert Jahren um Geld. Allerdings war das Glücksspiel bis ins 17. Jahrhundert verboten und galt als gotteslästerlich. Das änderte sich, als die Staatsmächte es als Einnahmequelle für nützliche, öffentliche Zwecke entdeckten.

Das heutige Zahlenlotto „6 aus 49“ lässt sich auf das „Lotto di Genova” zurückführen. In Genua wählte man um das Jahr 1620 alljährlich die Ratsherren durch Losentscheid. 90 Namen wurden auf Lose (italienisch lotto) geschrieben, von denen fünf gezogen wurden. Diese urdemokratische Wahl war die Inspiration für ein Glücksspiel ganz neuer Art.

Es war wiederum ein Italiener, Giovanni Antonio Calzabigi, den Friedrich der Große, auf der Suche nach Ideen zur Sanierung seiner Staatsfinanzen, 1763 das preußische Zahlenlotto in Berlin einführen ließ. Auch andere Landesherren in Deutschland griffen das neue Spiel auf: So besiegelte beispielsweise Fürst Carl zu Hessen-Nassau am 16. Dezember 1769 die erste Zahlenlotterie auf hessischem Boden. Doch wie in praktisch allen deutschen Einzelstaaten. wurden ab 1780 auch hier sämtliche Lottokontore geschlossen. Auslöser war eine um sich greifende regelrechte Lottosucht. Schließlich bestätigte die Frankfurter Nationalversammlung, das vorläufige Parlament des entstehenden Deutschen Reiches, im Revolutionsjahr 1848 das Lottoverbot für ganz Deutschland.

Apropos 13: Sowohl Napoleon als auch Bismarck mieden die Zahl. Der französische Feldherr führte an keinem 13. eine Schlacht und der erste deutsche Reichskanzler unterzeichnete nie an einem 13. Verträge.  Der ehemalige US-Präsident Gerald Ford arbeitete nie an einem Freitag, dem 13. und lud niemals 13 Gäste ein. Der Komponist Arnold Schönberg blieb an einem Freitag, dem 13. im Bett. Seine Frau meinte daraufhin, dass seine Furcht völlig unbegründet sei, worauf er plötzlich starb – angeblich 13 Minuten vor Mitternacht. (cm)

 

 

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