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Sage um Graf Bruno


Die Geschichte des „Auge Gottes“

In einer Nische des Bildstocks am „Auge Gottes“ im Wald zwischen Rheinbreitbach und Bruchhausen ist auch das Bild des Heilands zu finden.
Bild: Löhr

Hoch steigen die Basaltkegel des Asbergs und des Leyberges hinter Linz und Bad Honnef auf. Dichter Wald krönt ihre Gipfel. Am Fuße des Leyberges liegt ein Bildstock mit einem schlichten Heiligenbild. Das „Auge Gottes“ wird es genannt. Der Bildstock liegt auf der Landesgrenze zu Nordrhein-Westfalen. In diesen Wäldern stand früher die Wilddieberei hoch im Kurs.

Von Hermann-Joseph Löhr

In einer alten Flurkarte heißt die Gemarkung „Alte Burg“. Einzelne Mauerreste zeugen davon, dass im frühen Mittelalter eine Burg eines heute unbekannten Adelsgeschlechts auf der Anhöhe stand. Ein ehemaliges Fenster aus der niedergelegten Burg soll in der Bruchhausener Wallfahrtskirche mit eingebaut sein, berichtet 1951 der verstorbene Bruchhausener Lehrer Richard Daub.

Nach dem Tode des alten Burgherrn übernahm Graf Bruno, sein gewalttätiger und hartherziger Sohn, das Regiment über Dorf und Burg. Voller Kummer suchten die Mutter und die Schwester des Grafen Zuflucht im Zisterzienserinnenkloster in Sankt Katharinen. Graf Bruno verfolgte mit seinen Kumpanen nicht nur wahllos das Wild, sondern auch die Töchter der lehenspflichtigen Bauern von Bruchhausen.

Graf wollte die Wilddiebe bestrafen

Auch war er hinter den Wilddieben her, wollte ihnen das Handwerk legen. Besonders ein Wilddieb war bekannt, der „schwarze Hans“ aus dem Wiedtal.

Graf Brunos wildes Jagen fand jäh ein schroffes Ende. Bei einem seiner wilden Jagdzüge im März verfolgte Graf Bruno alleine und gnadenlos ein Rehkitz mitsamt der Hirschkuh. Abgehetzt blieb das unbeholfene Rehkitz plötzlich stehen, die besorgte Hirschkuh stoppte, umtrippelte den Nachwuchs. Graf Bruno weidete sich an der Todesnot der Tiere. Noch ehe er die Hirschkuh erlegen konnte, hob sich das Marienbild aus dem Bildstock und stellte sich zwischen das verängstigte Muttertier und den Jäger. Dem Jäger kam es vor, als blicke ihn ein großes Auge durchdringend an. Der ungestüme Graf setzte zitternd das Gewehr ab und starrte gebannt ins strafend blickende „Auge Gottes“. Am Abend fanden ihn seine Dienstmannen in der Burg tot. Graf Bruno hatte sich an einem Dachbalken erhängt.

An der einsamen Stelle im Wald, an der Gott schützend eingegriffen hatte, wurde daraufhin das heutige Kapellchen gebaut und folgender Spruch in den Bildstock gemeißelt: „Das Auge Gottes sieht alles“. Seitdem trägt dieser Platz den Namen „Auge Gottes“.

Wie komme ich hin?

Wanderung vom Ortsrand Bruchhausen Neubaugebiet Richtung zum „Auge Gottes”. Bruchhausen liegt an der Landesstraße 252. An der Kirche von Bruchhausen starten. Nach ein paar hundert Metern gelangt man direkt in den Wald. Dort dem Hinweisschild Laurentius-Hütte folgen. Danach zum „Auge Gottes”, einem kleinen, aber sehr schönen Bildstock wandern. Auf dem Weg liegen auch zwei Ex-Abschussrampen der V1-Raketen aus dem 2. Weltkrieg (Hinweistafel folgen). Die erste Rampe ist noch gut erhalten.

 

 

 

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