„Die Jägerschaft wird jünger und weiblicher“

In den Wäldern in der Region werden natürlich auch tierische Wald- und Wiesenbewohner gejagt. Die RWN hat mit dem Präsidenten des Landesjagdverbandes Nordrhein-Westfalen, dem Rechtsanwalt Ralph Müller-Schallenberg, darüber gesprochen, warum und welche Menschen heute Jäger werden und wie man überhaupt Jäger werden kann.

Herr Müller-Schallenberg, wer wird heutzutage Jäger?

Er ist Rechtsanwalt und Jäger: Ralph Müller-Schallenberg ist Präsident des Landesjagdverbandes von Nordrhein-Westfalen.
Bild: Landesjagdverband NRW

Ralph Müller-Schallenberg: Die Jägerschaft ist ein Spiegelbild der Gesellschaft. In unseren Reihen gibt es Vertreter aller Berufsgruppen, und zwar zu etwa gleichen Anteilen wie bei der Gesamtbevölkerung. Auch das Geschlechterverhältnis gleicht sich langsam zugunsten der Jägerinnen aus. Vor 20 Jahren lag der Frauenanteil in der Jägerschaft noch bei einem Prozent, heute sind es schon zehn. Im Schnitt wird die Jägerschaft zunehmend jünger und weiblicher.

 

Und was sind die Motive, heute Jäger zu werden?

Müller-Schallenberg: Die Motive, Jäger zu werden, sind so vielschichtig wie die Jagd selbst. Bei einer Jungjäger-Befragung gaben 85 Prozent ihre Naturverbundenheit als Beweggrund an, dicht gefolgt von dem Wunsch, etwas für den Naturschutz zu tun. Über die Hälfte der Jungjäger gaben an, dass sie gerne Wildbret essen. Ein Motiv für die Jagd, das ich sehr gut nachvollziehen kann.

 

Wird aus Ihrer Sicht denn die Jagd in der Öffentlichkeit angemessen registriert?

Müller-Schallenberg: Repräsentative Umfragen belegen, dass die Notwendigkeit der Jagd allgemein anerkannt ist. Auch das Bild der Jägerschaft wird sehr positiv bewertet. Die zunehmende Naturentfremdung in unserer Gesellschaft ist dennoch ein großes Problem für die Jagd und den ganzen ländlichen Raum. Naturentfremdung ist der Nährboden für praxisferne Jagd-, Naturschutz- und Forstgesetze, wie wir sie in jüngster Zeit erleben mussten. Wir informieren daher sehr intensiv mit der Initiative Lernort Natur, ein von der UNESCO mehrfach ausgezeichnetes Umweltbildungsprojekt, und der Initiative, „Gemeinsam Jagd erleben“, mit der wir Nichtjäger einladen, uns einfach einmal bei der Jagd zu begleiten.

 

Und wie wird man überhaupt Jäger?

Müller-Schallenberg: Vor der Jagd steht die Jägerprüfung – und die ist nicht ohne. Unsere Kreisjägerschaften bieten Vorbereitungskurse an, die auf alle drei Prüfungsteile (schriftliche, mündlich-praktische und Schießprüfung) optimal vorbereiten. Nach der Jägerprüfung, die von einer staatlichen Prüfungskommission abgenommen wird, kann man erst einen Jagdschein lösen. Der Landesjagdverband NRW hat übrigens auf seiner Internetseite www.ljv-nrw.de unter der Rubrik „Jäger werden“ die wichtigsten Informationen und Kontaktadressen zusammengestellt. (red)

 

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