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Marken des Alltags: Doppelherz


„Die Kraft der zwei Herzen!“

„Ich bin sechzig Jahre alt, aber ich habe die Kraft der zwei Herzen.“ Diesen Slogan kennen heute noch viele, die ihre Kindheit in der ‚heilen‘ bundesrepublikanischen Welt der 1980er Jahre erlebten. Der besagte Werbespot zeigt eine Seniorin, die ihren Judo-Partner mit einem gekonnten Hebelgriff auf die Matte wirft. Natürlich verdankt sie diese außergewöhnliche Leistungsfähigkeit dem Tonikum der Marke Doppelherz.

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Historische Werbung der Marke Doppelherz
Bild: Queisser Pharma

Im Jahre 1897 gründete der aus der Lausitz stammende Apotheker Alfred Queisser in Hamburg eine kleine pharmazeutische Fabrik. Queisser konzentrierte sich auf die Produktion von Gesundheits- und Pflegemitteln wie Cremes, flüssigen Seifen und Zahnpasta. Trotz schwieriger Umstände gelang es ihm, die Firma kontinuierlich auszubauen. Queisser zeigte nicht nur als Wissenschaftler, sondern auch als Unternehmer und Werbefachmann Einfallsreichtum.

Die Geschichte der Marke Doppelherz beginnt im Gründungsjahr der sogenannten Weimarer Republik. Der Essener Drogist Josef Peter Hennes entwickelte 1919 aus Kräuterextrakten von Baldrian und Melisse, Weißdorn und Rosmarin sowie weiteren natürlichen Zutaten die Rezeptur des heutigen Doppelherz Energie Tonikums. Da es auf Basis von Wein hergestellt wird, verfügt das Produkt über einen Alkoholgehalt von 17 Prozent.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs sicherte sich die Firma Queisser die Markenrechte an Doppelherz. Im Zuge des Wirtschaftswunders stieg das Vitamin-Kräuter-Tonikum zu einer der bekanntesten deutschen Markenartikel auf und wurde zum echten Verkaufsschlager. In den 1960er Jahren warb man mit ganzseitigen Anzeigen in vielen Programmzeitschriften und Magazinen für die Ein-Liter-Flasche – etwa zum Muttertag.

Seit Ende der 1970er Jahre gehört Queisser Pharma zur Dethleffsen Beteiligungs AG & Co., einem Flensburger Familienunternehmen, das bereits 1738 gegründet wurde. 1987 verlegte auch Queisser seinen Sitz nach Flensburg und produzierte dort fortan unter anderem jährlich etwa eine Million Liter Doppelherz Energie Tonikum.

Doch Ende der 1990er Jahre zeichnete sich ab, dass man mit diesem Produkt, das sich an die Zielgruppe Senioren richtete, nicht weiter wachsen konnte, sondern das Geschäft ganz im Gegenteil zurückging. Also beschloss Queisser, sich künftig auch den jungen Menschen zuzuwenden – schließlich kannten auch sie die Marke – und entwickelte ab dem Jahr 2000 unter dem Namen Doppelherz Aktiv eine Reihe neuer Nahrungsergänzungsmittel und Medizinprodukte.

Über 90 verschiedene Vitamine, Mineralstoffe und Kräuterextrakte gehören heute zum Sortiment. Das Tonikum dagegen, das jahrzehntelang über 80 Prozent des Umsatzes ausmachte, spielt für Queisser inzwischen nur noch eine Nebenrolle. Der Großteil der Produktion wird heute exportiert – vor allem nach Polen.

In den USA führte der Markenname übrigens zu einem interessanten Missverständnis: Die Rockband Marilyn Manson hielt Doppelherz für ein urdeutsches, besonders Furcht einflößend klingendes Wort, für das es keine englische Übersetzung gibt. Sie nutzte es deshalb 2003 für einen Kurzfilm, der sich eher nicht an die Zielgruppe Senioren richtete. (cm)

 

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