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Die letzte öffentliche Hinrichtung in Köln

Theo Krämer, Tiefbaudezernent bei der Stadtverwaltung Königswinter ist stolz, wenn Besucher im beschaulichen Rübhausen seine schmucke Fachwerkscheune an der Ecke Rübhausener Straße/Arnoldsgarten bewundern. Das historische Baudenkmal hat einiges erlebt – neben einem Umzug auch den Raubüberfall des Räuberhauptmanns „Fetzer“.

Von Hermann-Joseph Löhr

Es ist erstaunlich, dass die Statiker im 17. Jahrhundert schon eine solch riesige Scheune wie die von Theo Kramer planen und umsetzen konnten. Ein Krüppelwalmdach krönt die freistehende Quertennenscheune. Das Kleinod des Barocks stand bis 1912 in Hennef-Wellesberg und gehörte zum damaligen Halmshof. Und noch früher war es eine Zehntscheune der 1804 aufgelösten Abtei Heisterbach. Das hochbetagte Bauwerk wurde in Wellesberg um 1912 abgetragen und in Rübhausen originalgetreu wieder errichtet. Und die Statiker hatten ihre Aufgabe so gut gelöst, dass auch ein Raubüberfall vom Räuberhauptmann Fetzer zu Beginn des 19. Jahrhundert keinen größeren Schaden auslösen konnte.

Grefrath, Schauspiel zum Fetzer

So ging es wohl zu Ende: Das Freilichtmuseum Grefrath führte vor einigen Jahren das Heimatspiel: „Szenen aus dem Leben des „Fetzers von Grefrath“ auf.
Bild: Niederrheinisches Freilichtmuseum

Die Spuren eines Brandes sind in der Quertennenscheune von Theo Krämer aber noch heute an einigen Balken deutlich sichtbar, möglicherweise stammen sie vom Feuer, das beim Überfall der berüchtigten Fetzerbande auf das Gebäude entstand – vor mehr als 200 Jahren. Glaubt man den Gerüchten, hat sich Räuberchef Matthias Weber alias „der Fetzer“, ein Zeitgenosse des legendären Schinderhannes, gewissermaßen die Finger selbst beim Rauben verbrannt. Die damaligen Besitzer sollten gezwungen werden, zu verraten, ob und wo Geld im Haus versteckt sei. Weil sie nicht mit der Antwort herausrückten, zündete die Bande einige Strohballen an und drohten, alles in Flammen aufgehen zu lassen.

Überfall mit dem Rammbaum

Es war laut der Vernehmungsprotokoll des Kölner Anklägers Anton Keil die Nacht vom 22. auf den 23. März 1800, als die Bande durchfroren und durchnässt in Wellesberg eintraf. Abends hatten sich die Kumpane in Hönningen verabredet. Sie hatten von einem Baldowerer, in der Gaunersprache ein Auskundschafter, den Tipp erhalten, sich den großen Halmshof in Wellesberg vorzunehmen. Zum Gelände des von Bauer Halm bewirtschafteten Hofs gehörte auch die Zehntscheune des Klosters Heisterbach und eine Fassbinderei.

Beim Überfall planten die Räuber mehrere Techniken. Sollte man etwa die Türe zum Bauernhaus nicht aufbrechen können, sollte die Rammbaumtaktik zum Einsatz gelangen. Die Bande umfasste cirka acht Männer. Sie brauchten eine so große Zahl, weil sie vieles erst vor Ort erledigen konnten. So musste für die Rammbaumtaktik ein mittelschwerer Balken oder Baumstamm gefunden werden. Mit ihm rannte dann eine Gruppe der Bande feste gegen die Fachwerkmauer des Bauernhofes an.

Weil die Mauer aus mit Lehm verschmiertem Fachwerkgeflecht bestand, versuchten die Täter direkt neben der gut gesicherten Eichentüre des Bauernhofes ein Loch ins Mauerwerk des Fachwerks zu rammen. Dort hindurch wurde eine Pistole ins Haus abgefeuert und einer der Räuber zwängte sich durch das Loch im Mauerwerk nun rasch ins Haus, um die Haustür von innen zu entriegeln. Gewaltsam drangen nun alle Kameraden ins Haus ein und fesselten die Bewohner.

Bauer Halm wurde durch Fußtritte und Stockschläge malträtiert. Als er sich trotzdem weigerte, Auskunft über das versteckte Vermögen zu geben, band man ihm die Arme auf den Rücken und schlug so lange mit den Gewehrkolben zu, bis alle Knochen zersplittert waren. Sich unter heftigen Schmerzen krümmend verriet der Fassbinder das Geldversteck. Der Fetzer und seine Leute entdeckten 30 goldene Münzen und im Keller einige Fuder besonders guten Weins. Sie tranken, bis ihnen wieder warm war. Jetzt galt es noch, die Scheune aufzubrechen und alles Wertvolle einzupacken. Alle Vorräte im Räucherfang des Bauernhauses wurden eingesackt, und zuletzt wurden alle Branntweinflaschen eingesteckt.

Am 19. Februar 1803 wurde auf dem Kölner Alten Markt (Kölsch Alder Maat) der Räuber Matthias Weber guillotiniert. Es war die letzte öffentliche Hinrichtung in Köln und die letzte eines Räubers. Geschäftstüchtige Händler ließen damals die Geschichte des „Fetzers“ sogar drucken. Der „Fetzer“ gestand 181 gelungene und 122 misslungene Einbrüche und Überfälle. Seinen Gewinn bezifferte er auf 14.700 Gulden (29.400 Reichstaler), den er aber fast so rasch wie erbeutet wieder verprasst hatte.

 

 

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