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Karneval am Rhein und im Westerwald ist fest in Frauenhand


Die Närrinnen sind los

Einen „eigenen“ Tag im närrischen Kalender mussten sich die „Marktweiber“ von Köln dereinst noch erkämpfen. Weil doch, so die damalige Begründung, die Fastnacht ach so männlich daherkam. Wer im RWN-Land in dieser Session auf die Suche geht, wird schnell erkennen, wie sehr sich die Zeiten doch geändert haben: Karneval am Rhein und im Westerwald ist längst (auch) in Frauenhand.

Erstmals in der Geschichte der Stadt Linz gibt es eine Karnevalsprinzessin.
Bild: H. W. Lamberz

Legendär sind sie schon längst, die Mädchensitzungen der Windhagener Narren. Und die Eingangsordnung ist eindeutig: die Herren bleiben draußen. Karnevalsbeobachter andernorts stufen Mädchensitzungen als reinen Konter zu den sogenannten Männersitzungen ein. Aber die hohe Zeit der reinen Männerrunden, bei denen selbst im ehemaligen Klosterbau, der heutigen Stadthalle in Linz, so mancher Schmuddelwitz um seine Lacher buhlte, scheint längst vorbei.

Geändert hat sich auch das Image vom Funkenmariechen. Der Figur wird übrigens eine „Geburtsstunde“ in Koblenz nachgesagt. „Marie, die Tochter des Regiments“ hieß ein Theaterstück, das hier uraufgeführt wurde.

Der närrische Nachwuchs erhält traditionell in Unkel seine große Chance: Seit Jahren unterwerfen sich die Aktiven der KG Unkel dem Zepter einer jungen Prinzessin, in dieser Session dem von Marie Laschefski. „Nachdem ich letzte Session als Pagin an der Seite von Carolina I (Corvinus) eine wunderschöne Zeit gehabt habe, stand für mich fest, dass ich auch einmal Prinzessin werden wollte“, sagte die 13-Jährige vor ihrer Proklamation im Forum des Vorteil-Centers in Unkel. KG-Präsident Markus Winkelbach betonte beim Abschied der Vorgängerin, dass die KG Unkel mit den Regentinnen nun schon seit vier Jahren in Folge beste Erfahrungen gemacht habe.

Es hat schon einige Jahre gedauert, bis die Gleichberechtigung auch bei den Karnevalisten in Linz Fuß gefasst hat. Als Nachfolgerin des legendären Alfons Daub musste KG-Präsidentin Yvonne Adams-van Beek in große Fußstapfen treten. Dass ihr dies nach nur wenigen Monaten gelungen war, beweist nicht zuletzt die Proklamation zur Prinzessin in der aktuellen Session. Erstmals führt also eine Frau die Linzer Narren zum Rosenmontagszug an.

Dabei haben Frauen im Linzer Karneval schon viel früher Hauptrollen übernommen: 21 Jahre lang führt Ännchen Lohrscheid die Linzer Möhnen, in deren Reihen war sie insgesamt sogar 60 Jahre lang aktiv. Und ihre Nachfolgerin, Renate Weber, prägte mit ihren Mitstreiterinnen jahrzehntelang das Karnevalsgeschehen in der einstigen Hochburg „Palm“.

Auch im benachbarten Kasbach-Ohlenberg haben die Narren beste Erfahrungen mit weiblichen Regenten gesammelt.

Es ist also wirklich nur noch Historie, wenn Chronisten vermerken, dass Papst Clemens XI. im Jahre 1701 den Frauen die Teilnahme am Karneval erlaubt hat… (fu)

 

 

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