«

»

Karneval und Kirche historisch eng verbunden


„Die Predigt ist keine Büttenrede“

Karneval und Kirche? Für viele Menschen passt das nicht zusammen. Karnevalsmessen finden jedoch immer mehr Verbreitung und die historisch enge Verbindung von Karneval und Religion ist auch nicht von der Hand zu weisen. Die RWN sprach mit Diakon Willibert Pauels und Pastor Lothar Anhalt über das Thema.

Ungewöhnlich bunt ging es bei der Karnevalsmesse in der Marienkirche in Linz zu.
Bild: H.-W. Lamberz

Der als „Ne Bergische Jung“ bekannte Willibert Pauels ist hauptberuflich Diakon und nebenberuflich Kabarettist, Büttenredner und Karnevalist. Die katholische Kirche und Karneval sind seit seiner Kindheit feste Bestandteile seines Lebens. „Karneval heißt ja übersetzt ‚Fleisch ade‘. Aber ganz deutlich wird es bei Fastnacht, Fasnet und Fastelovend, das ist der Abend vor der Fastenzeit, da wird nochmal richtig gefeiert“, weist er auf die historische Verbindung hin.

„Überall da, wo traditionell katholische Gebiete sind, ist auch traditioneller Karneval.“ Hinzu kommt laut Pauels aber noch etwas anderes. „Sie haben dieselbe Seele“, erklärt er. „Beide stehen über den Dingen, machen froh und trösten dich. Deshalb gehört das unbedingt zusammen.“

Verrückte Sündenfälle

Die perfekte Symbiose gehen seine Berufe ein, wenn er Karnevalsmessen hält – und das nicht nur in seiner Heimatpfarrei. „Bei den Karnevalsmessen sind die Leute ganz bunt verkleidet, das ist ein herrliches Bild, das ist wunderbar“, schwärmt der 63-Jährige. „Und die Messen sind so voll wie an Weihnachten.“ Dann kommen Leute in die Kirche, die sonst nie den Weg dorthin finden.

„Übrigens haben alle meine Kollegen meines Alters – von den ‚Bläck Fööss‘ bis hin zu den Büttenrednern – im Pfarrkarneval angefangen. Das spricht ja Bände. So sehr gehört das zusammen“, so Willibert Pauels. Am Sonntag, 4. Februar, ist er um 19 Uhr bei Kabelmetal in Windeck zu Gast und „predigt“ von allzu menschlichen Schwächen und verrückten Sündenfällen.

Sowohl für die Kirche als auch für den Karneval schlägt auch das Herz des Linzer Pastors Lothar Anhalt. „Karneval und Religion sind sehr eng miteinander verbunden“, erklärt er. „Hier im Rheinland, aber auch in anderen Gegenden, wo es die alemannische Fasnacht oder sowas gibt, da hat man alle Register gezogen, bevor die Fastenzeit angefangen hat. In der Fastnacht, also der Nacht vor dem Fasten, wurde dann einfach nochmal über die Stränge geschlagen. Deswegen hat das schon sehr mit der Religion zu tun.“ Auch er merkt an, dass das Wort „Karneval“ auf die Fastenzeit verweist, in der ja so gut wie kein Fleisch („carne“) gegessen werden durfte.

In diesem Jahr hat der Pastor bereits seine dritte Karnevalsmesse in der „Bunten Stadt am Rhein“ gehalten. „Die Karnevalsmesse hat schon Tradition“, so Anhalt. „Das habe ich von meinem Vorgänger übernommen.“ Sie wird von den Linzer Corps – die alle in Uniform und mit ihren Fahnenabordnungen erscheinen – und vom Männergesangverein mitgestaltet. Da Lothar Anhalt gebürtig aus der Gegend kommt, hält er diese Messen auf „Platt“. Auch die Lieder werden alle im Dialekt gesungen.

Bei seiner Amtseinführung als leitender Pfarrer in der Pfarreiengemeinschaft Linz 2016 hatte er geäußert, dass eine Pfarrereinführung ein bisschen so ist wie eine Prinzenproklamation. Ihm zufolge war es eine „Bedingung“, dass der neue Pastor Karneval mag – für den bekennenden Karnevalsjecken kein Problem. „Aber wenn Pastor sein auf Karneval reduziert würde, wär‘ das auch ein bisschen wenig“, meint Anhalt. Und auch in der Karnevalsmesse gebe es immer mal wieder ein paar kritische Töne, denn: „Die Predigt ist keine Büttenrede.“ (eg)

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.