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Kinder verkünden vor Ostern die Uhrzeit


Die Tradition des Klapperns neu belebt

Wenn von Gründonnerstag bis Karsamstag die Glocken verstummen, dann ist es nicht nur in der „bunten Stadt“ Linz am Rhein Zeit für Klappern und Ratschen. Auch in Unkel und Erpel ziehen Jungs und Mädchen durch den Ort, um den Einwohnern die Zeit anzusagen und den Gläubigen den Gottesdienst anzukündigen.

Die Unkeler Messdiener ersetzen an Karfreitag und Karsamstag das Glockengeläut durch ihre Klappern – zu Fuß und auch mit dem Fahrrad.
Bild: Privat

Kein Glockengeläut, kein Orgelspiel von Gründonnerstag bis zur Osternacht. Im Gedenken an Jesus‘ Tod verbringen die Katholiken seit vielen Jahrhunderten diese Zeit in Stille.

Damit ein jeder dennoch während dieser Tage erfahren kann, wie spät es ist, schickt man schon seit dem 15. Jahrhundert Kinder mit Klappern durch den Ort, die die Zeit ansagen. Dieses Brauchtum wird bundesweit in vielen Gemeinden gepflegt – im RWN-Land  finden diese Klapperläufe allerdings nur in den Verbandsgemeinden Linz und Unkel statt. „Wie jedes Jahr an Karfreitag und Karsamstag ersetzen wir Messdiener in Unkel auch in diesem Jahr mit dem Klappern das Glockengeläut der Pfarrkirche St. Pantaleon“, erklärt Lukas Solzbacher, der die Organisation der Klapperläufe in Unkel übernommen hat.

Nach dem Palmschneiden und Palmaustragen wenige Tage zuvor ist das die zweite öffentlichkeitsnahe Aktion der jungen Gemeinschaft in der Fastenzeit. „Seit wann die Klapperläufe in Unkel zum festen Bestandteil im Stadtleben gehört, kann ich nicht genau sagen“, bemüht Lukas Solzbacher seine Geschichtskenntnisse.

„Die älteste Klapper, die bei uns zum Einsatz kommt, trägt einen Herstellungsstempel aus dem Jahre 1990.“ Zumindest seit diesem Zeitpunkt gibt es auch drei Klappergänge zu den festen Zeiten 8, 12 und 18 Uhr. Dazu kommen die Ankündigungen der Gottesdienste. „Wir teilen uns in zwei Gruppen auf – die Fußgänger klappern in der Innenstadt, die Radfahrer sind in Richtung Vorteil-Center unterwegs. Treffpunkt ist immer an der Kirche.“ Jahr für Jahr erklären sich zwischen zehn bis 15 Messdiener bereit, diese ehrenvolle Aufgabe zu übernehmen.

„Mädchen sind auch mit dabei. Und natürlich nehmen wir auch gerne interessierte Erstkommunion-Kinder mit“, erklärt Lukas Solzbacher weiter. „Es macht uns allen großen Spaß. Auch weil uns viele Leute vom Fenster  aus zuwinken oder uns lobend für unseren Einsatz auf Straße ansprechen.“ Doch damit nicht genug: Traditionell verbringen die Messdiener den Karfreitag gemeinsam zudem mit Gebet, Essen, Basteln und Spielen.

Bereits seit sieben Jahren hat es sich außerdem der Junggesellenverein Erpel (JGV) zur Aufgabe gemacht, die alte Tradition des Klappern weiterzuführen und bei den Kindern der Gemeinde wieder bekannter zu machen. „Wir ziehen Jahr für Jahr mit durchschnittlich zehn bis 15 Klapperern durch die Erpeler Straßen und Gässchen. Die Zahl der Kinder, die mitgehen, ist um einiges höher“, berichtet Dominik Schwager, Vorsitzender des JGV Erpel. „Karfreitag laufen wir fünfmal, Karsamstag viermal zu festen Uhrzeiten. Los geht es immer am Marktplatz, die erste Runde startet um 7 Uhr. Die jeweilige Uhrzeit rufen wir in kölscher Mundart aus.“

Dass die Klapperrunde, die die Teilnehmer zunächst vom Marktplatz aus der Grabenstraße entlang Richtung Neutor/Wallgraben/Kölner Straße und dann durch die Gässchen der Innenstadt Richtung Bahnhofstraße und zurück zum Markt führt, gut in der Bevölkerung aufgenommen wird, macht der Vorsitzende an den lobenden Worten auf den Klappergängen und der Spendenbereitschaft fest: „Auf und nach der letzten Klapperrunde am Samstag gehen wir vom JGV sammeln. Eier, Süßigkeiten und Geld werden anschließend gerecht unter den Kindern verteilt.“ (imr)

 

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