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Anna Katharina Spee 1631 im Kasbachtal verbrannt


Die Tragödie der „Hexenkönigin“

Kein Märchen oder eine Sage, sondern reale Geschichte ist die Tragödie der Anna Katharina Spee aus Bruchhausen. Allerdings mutet ihr Tod im Jahr 1631 durchaus wie eine Legende an, ist sie doch noch heute als „Hexenkönigin“ von Bruchhausen in Erinnerung geblieben.

Gisela Born-Siebicke aus Bruchhausen hat sich intensiv mit der Tragödie der Anna Katharina Spee befasst und ein Buch dazu veröffentlicht.
Bild: H.-W. Lamberz

Mitten in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges, im September 1631, wurde gegen Anna Katharina Spee (vermutlich 1590 bis 1631) aus Bruchhausen im Rahmen einer Serie von 20 Prozessen Haftbefehl wegen des Verdachts der Hexerei erlassen. Es kam zu einem mehrtägigen Prozess vor dem Hochgericht Erpel, an dem auch der berüchtigte Hexenkommissar Dr. Johann Möden teilnahm. Nachdem sie mehrere Tage gefoltert worden war und immer wieder ihre Geständnisse widerrufen hatte, räumte sie unter Folter schließlich ein, eine „Hexenkönigin“ zu sein und auch Schadenszauber angerichtet zu haben.

Den Vorwurf der Hurerei erhoben

Zum Hintergrund: Anna Katharina wurde um 1590 als jüngste Tochter des Vogtes Naleß Nürberg und seiner zweiten Ehefrau Margaretha Homberg geboren und stammte aus Rheinbrohl. Ihr erster Ehemann Robert Spee von Langenfeld aus Kaiserwerth stand als Jurist in den Diensten des Kölner Domkapitels. Im Verlauf ihrer Ehe zog die Familie nach Bruchhausen auf die dortige Spee-Burg. Das Ehepaar hatte fünf Kinder. Am 14. Januar 1629 starb Anna Katherina Spees Ehemann.

Kurz darauf heiratete die vermögende Witwe Anna Katharina erneut. Ihr zweiter Mann war Konrad Cron, ein „Pferdeknecht“, wie es in den Prozessakten heißt. Bald schon warfen ihr die Dorfbewohner unmoralisches Verhalten vor, unter anderem Hurerei. So hieß es auch, was allerdings nicht mit Quellen belegt ist, dass Anna Katharina Konrad Cron gegen den Willen ihrer Kinder geheiratet habe.

Die Bruchhausenerin Dr. Gisela Born-Siebicke hat sich ausführlich mit der Geschichte der Bruchhausener „Hexenkönigin“ beschäftigt. „Es sind hier noch viele Zeugnisse von Anna Katharina Spee zu finden. Beispielsweise die Spee-Burg in Bruchhausen, in der Pfarrkirche und den Heimatbüchern“, erklärt Born-Siebicke, die selbst im örtlichen Heimatverein aktiv ist. „Das Thema hat mich fasziniert.“

Anna Katharina Spee wurde nach dem durch Folter erpressten „Geständnis“ vom Hochgericht Erpel zum Tode verurteilt. Sie soll auf einem Karren durch das Kasbachtal gefahren und dort öffentlich verbrannt worden sein, was aber nicht belegt ist.

Mit ihrer Hinrichtung endeten dann auch die Hexenprozesse in Erpel. Allerdings gab es auch in Dierdorf unter der Herrschaft der Grafen von Wied zu dieser Zeit noch einige Hexenprozesse. „Noch heute zeugt der Dierdorfer Hexenturm davon“, erläutert Born-Siebicke.

Das Schicksal von Anna Katharina ist übrigens bis heute mit dem Votivbild der Schmerzreichen Mutter Maria in der Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Johann Baptist in Bruchhausen verbunden. Es wurde 1636 von den Kindern der angeblichen „Hexe“ gestiftet. Zudem wurde dort jahrhundertelang jeden Samstag eine Messe für Anna Katharina Spee und ihre Familie gelesen. Auch der Grabstein von Robert Spee von Langenfeld befindet sich noch heute an der Außenmauer des Gotteshauses. (msc)

 

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