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Die Karnevals-Historie


Die Ursprünge der jecken Zeit

Die fünfte Jahreszeit, ob sie nun Karneval, Fastnacht, Fasnacht, Fastelovend oder Fasteleer genannt wird, wird von der neueren Geschichtsforschung eindeutig dem christlichen Brauchtum zugeordnet. Ihr Ursprung hat nichts mit „Winteraustreibung“ oder gar dem germanischen Totenkult zu tun. Wohl aber mit der christlichen Fastenzeit. Die Fastenzeit beginnt mit dem Aschermittwoch.

Von Hermann-Joseph Löhr

Sie gilt im Christentum der Vorbereitung auf das Osterfest. Wo mag es herkommen? Die heutige Geschichtsforschung stimmt überein, dass Fastnacht im christlichen Kalender der katholischen Kirche entstanden ist. Das Wort Karneval ist lateinischen Ursprungs und zeigte, dass die fleischlose Zeit anfängt. Belegt ist das Wort seit mindestens 1699 und für den Raum Köln ab 1779 sogar urkundlich nachweisbar. Man muss also in der Tat ein gutes Stück zurück gehen, um die ursprüngliche Bedeutung der Fastnacht und vieler ihrer Bräuche zu verstehen, hin zu den Quellen eines Festes, das durch die Vielfalt seiner Variationen bis zum heutigen Tag fasziniert.

Rosenmontagszug Linz 2013

1823 ging der erste geordnete Karnevalszug durch Köln. Heutzutage sind die Umzüge feste Bestandteile und Höhepunkte der fünften Jahreszeit.
Bild: Archiv

Der Freiburger Professor für Volkskunde, Dr. Werner Mezger, gilt als eine der großen Autoritäten bei der Erforschung und Interpretation fastnächtlicher Traditionen. Ihm zufolge wurde im 16. Jahrhundert die 40-tägige Fastenperiode noch sehr ernst genommen. Fasten bedeutete 40 Tage ohne Fleisch, Geflügel, Eier, Milch, Schmalz, Fett, Butter und Käse.

Und auch 40 Tage ohne jedes Amüsement, auch 40 Tage verordnete sexuelle Enthaltsamkeit. In Bezug auf das Fasten Jesu in der Wüste legte die Kirche die Länge der Fastenzeit auf 40 Tage und Nächte fest.

Dies wurde in manchen Kirchenbezirken überwacht und ein Zuwiderhandeln hart bestraft. Noch 1536 wurde in Zürich ein junger Mann verbrannt, weil er in der Fastenzeit Fleisch gegessen hatte. Im christlichen Festkalender geht die österliche Fastenzeit dem Osterfest voran, das durch das Konzil von Nicäa 325 auf den ersten Sonntag nach dem Frühlingsvollmond festgesetzt wurde.

Ostern ist daher ein beweglicher Festtermin, der auf die Zeit zwischen dem 22. März und dem 25. April fallen kann. Die Länge der Fastenzeit mit 40 Tagen ist eine Zeitspanne, die in der Bibel mehrfach vorkommt: 40 Jahre wandern die Israeliten durch die Wüste; 40 Tage begegnet Moses Gott auf dem Sinai (Ex 24,18); 40 Tage wandert Elias zum Berg Horeb; 40 Tage fastet Jesus in der Wüste und 40 Tage nach der Auferstehung (= Ostern) feiert die Kirche Christi Himmelfahrt.

Durch die Strenge des Handhabens der Fastenzeit lebte der Bürger noch einmal in Saus und Braus. In einer Zeit ohne Kühltruhen wurden die Speisekammern ratzeputz geleert, es wurde gegessen und getrunken, gefressen und gesoffen; man wollte noch einmal seinen Spaß haben, sang und tanzte, trieb derbe Scherze in der Nacht vor dem langen Fasten, der „Fastnacht“. Wissenschaftlich gesprochen: Zunächst war Fastnacht –so Werner Mezger – „ein rein ökonomisch bedingtes Schwellenfest“. Und zur Ökonomie und der Theologie kam ein drittes: der Narr.

Er wurde zur Integrationsfigur der Fastnacht. Der Narr ist der ungläubige Mensch, ignorant gegenüber der göttlichen Heilsordnung und ignorant gegenüber allem, was von der Gesellschaft normalerweise für gut und richtig gehalten wird.

Narrenidee und Fastnacht finden zusammen – die verkehrte Welt, die so sündhafte, sie ist nun schlicht „närrisch“. Anna Maria Luisa de’ Medici, die zweite Ehefrau von Johann Wilhelm, brachte als Kurfürstin von der Pfalz den italienischen Brauch des Maskenballs ins Rheinland.

Beide liebten die Musik, die Malerei und die Jagd. Der Kurfürst und seine Gemahlin entwickelten als Förderer der Künste Düsseldorf zeitweise zu einer europäischen Kunstmetropole. In der Zeit der Besetzung des Rheinlandes ab 1794 durch französische Truppen wurde Karneval verboten. Die Besatzungsmacht wollte keine Volksfeste, aus Sicherheitsgründen.

So lebte der Karneval erst wieder nach dem Wiener Kongress neu auf. Für das Jahr 1823 ist verzeichnet, dass der erste geordnete Karnevalszug durch Köln ging. Und nun wurde auch kräftig persifliert, wurden Tänze erfunden, die die Armee verspotteten, gab es Orden zuhauf.

 

 

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