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Männerkreise im RWN-Land


„Die Wirklichkeit sitzt tiefer“

Ebenso wie Mädelsabende und Frauengruppen gibt es auch Kreise und Veranstaltungen, die Männern vorbehalten sind. So wird etwa in Königswinter ein ökumenisches Männerfrühstück angeboten und in Hennef gibt es eine offene Männergruppe.

MF

Gerhard Schüßler, Manfred Marwinski, Karl Leuteritz, Dr. Horst Schanze, Winfried Pernau, Werner Schleef und Helmut Nischwitz (von links) gründeten das ökumenische Männerfrühstück in Heisterbacherrott.
Bild: ÖMF

Bereits seit Januar 2003 trifft sich eine Gruppe von Männern im Seniorenalter immer am dritten Mittwochmorgen im Monat zum ökumenischen Männerfrühstück im Gemeindehaus in Königswinter-Heisterbacherrott. Gründungsmitglieder waren Gerhard Schüßler, Manfred Marwinski, Karl Leuteritz (verstorben), Horst Schanze, Winfried Pernau, Werner Schleef und Helmut Nischwitz. Von mittlerweile insgesamt 40 Männern nehmen jeden Monat etwa 25 teil.

Im Zentrum der Treffen der 63- bis 90-jährigen Männer steht das gemeinsame Frühstück, das immer von zwei Teilnehmern vorbereitet wird. „Beim Frühstück findet meist eine rege Unterhaltung statt“, weiß Jürgen Müller-Sinik, seit 2006 Mitglied und derzeit Leiter des Männerfrühstücks. Das „Highlight“ der Treffen ist der ans Essen anschließende Vortrag, der in der Regel von einer Person aus dem Männerkreis gehalten wird. Bevorzugt werden dabei Themen aus dem Leben, der Berufswelt oder aus dem Interessengebiet des Vortragenden.

Sorgen teilt Mann im Vieraugengespräch

Im Vordergrund der zweieinhalbstündigen Treffen stehe aber der Austausch und die Gespräche unter den Teilnehmern, die Weiterbildung sei je nach Interesse eher ein Folgeeffekt. „Die Gespräche untereinander sind vielfältigen Inhalts“, weiß Müller-Sinik. Sorgen und Nöte einzelner Teilnehmer würden jedoch eher unter „vier Augen“ behandelt.

Bis vor einem knappen Jahr leitete auch Peter Otten einen Männerkreis, der sich alle 14 Tage im „Interkult“ in Hennef traf. „Wir waren eine Runde von maximal zehn, zwölf Männern. Zum Schluss waren wir zu dritt und irgendwie war die Luft raus“, erzählt der über Siebzigjährige. „Ich werde keinen neuen Kreis mehr aufbauen, auch wenn diese ‚Arbeit für den Mann’ eine meiner wertvollsten Erfahrungen darstellt.“ Auch heute findet er es noch sehr wichtig, dass Männer sich zusammensetzen, um über sich und ihre Befindlichkeiten zu reden.

Über 15 Jahre war Otten in Männerkreise involviert. Nach einschneidenden Erfahrungen hatte er damals Kontakt zu einer Männergruppe gesucht. „Es muss wirklich brennen, damit Männer auf die Idee kommen, es könnte sinnvoll sein, sich mit einem anderen Mann auszutauschen“, meint der Hennefer. Als die Gruppe sich auflöste, stellte er selbst eine neue auf die Beine.

Vom Versuch, sich schweigend zu ertragen

„Es war nie eine kommerzielle Sache, für mich war das eine Herzensangelegenheit“, sagt Otten. Die Treffen liefen in etwa wie folgt ab: „Wir haben erst mal versucht uns eine Zeitlang schweigend zu ertragen um anzukommen. Dann wurde gefragt: Wer hat heute etwas, das er uns anvertrauen will? Das Bemühen war eigentlich immer, sich Dinge auch mal nur anzugucken, sie auf den Tisch zu legen und das Eigene einfach daneben zu legen, damit der Andere es sich in Ruhe ansehen kann. Das ist aber äußerst schwierig für Männer.“

„Krisen wie Verlust der Arbeit oder eine kaputte Beziehung führen oft dazu, dass Männer auf sich schauen wollen und sich dafür dann Unterstützung, etwa in einer Männergruppe, holen“, sagt auch Wilhelm Beßler, dessen offene Männergruppe sich einmal im Monat in Hennef-Meisenheim einfindet.

„Wenn wir uns treffen, erzählt jeder Mann in einem Eröffnungskreis was ihm auf dem Herzen liegt, was ihn bewegt. Mit diesen Themen gehen wir dann weiter“, erklärt der Leiter einer Männerakademie. „Wir schauen, was steckt dahinter, denn das, was sich im Äußeren zeigt, ist meistens nicht die Wirklichkeit. Die Wirklichkeit sitzt tiefer und schaut auch anders aus.“

 

 

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