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Moses Pelham – „Herz“


Eher Hymnen als Lieder

Moses Pelham tut auf seinem neuen Album „Herz“ das, was Moses Pelham eben tut: sein Herz ausschütten, sein Herz öffnen, sich öffnen.

Moses Pelham lässt ab 11. August seine Fans tief in sein „Herz“ schauen.
Bilder: Sony, Katja Kuh

In „Ultra“ auf seinem letzten Album formulierte der Frankfurter Künstler, der schreibt, komponiert und produziert, es noch so: „Ich öffne mich zugunsten Deines Lebens wie ein Fallschirm.“ Die Sprache auf „Herz“ ist nun wieder die von „Geteiltes Leid 3“, dem Abschluss von Pelhams „Geteiltes Leid“-Trilogie aus dem Jahre 2012, dem Album, mit dem Pelham hörbar erwachsen und vernünftig wurde und der kompetitiven Jugendkultur, aus der seine Kunstform stammt, entwuchs.

Aber die Musik auf „Herz“ ist eine neue. Reduzierter, ohne Live Drums, dafür mit 909-Bass Drums und teils aufwendiger Bearbeitungstüftelei. Etwas elektronischer und doch organisch, immer noch mit Celli und ein paar Gitarren, mal getragen, mal ballernd. Offener und klarer ist der Sound geworden – aber immer noch episch, es sind eher Hymnen als Lieder.

Im Vorboten von „Herz“, dem rührenden „You remember“, einer Reminiszenz an die Anfangszeiten Pelhams, heißt es: „Bitte gib mir Zettel und Stift, Homie, Gott diktiert mir gerade, da is´ Rettung in Sicht.“ Aber jetzt ist „Schluss mit den Leiden, die Wende ist nah“, wie Pelham seine personifizierte Kunst auf „BGMB“, der zweiten Auskopplung aus „Herz“ sagen lässt und selbst hinzufügt: „Sie ist bewusstseinserweiternd wie MDMA.“

In dem Aufruf sich zu erheben und endlich aufzustehen, „An alle Engel“, brilliert auch Pelhams Glashaus-Mitstreiterin Cassandra Steen in voller Blüte. Mit „M zum O“ und „Momomomomosespelham“ zeigt sich erstmals Selbstironie bei dem immer schon vor Wortwitz strotzenden, aber doch meist eher ernst wirkenden Künstler.

Das macht Freude und lädt zum Schmunzeln ein. Das alle Dämme brechende „Meine Heimat“ begeisterte bereits vor Veröffentlichung des Albums Menschen weit über die Zuschauer der Sendung „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert“ hinaus. Das hypnotisch-atmosphärische „Geheime Welt“ stiftet Ruhe und Frieden und ist dabei so süß und entspannend, dass man direkt dort ist, „weg von dem ganzen Leid, von Angst befreit, hinein in die Dankbarkeit.“

„Wir sind eins (Sagt ihr)“, das letzte Stück der Platte, auf dem Michael Patrick Kelly singt, ist ein tiefes, ergreifendes Liebeslied, wie es im Rap selten ist.

All das gibt es ab 11. August bei Medimax in Asbach und Unkel zu hören.

 

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