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Marken des Alltags: Black & White


Ein traditionsreicher Markenname

Das Alles-oder-Nichts-Denken oder die Angewohnheit, immer schwarz-weiß malen zu müssen, also alles undifferenziert positiv oder negativ – ohne die Grautöne dazwischen – darzustellen, ist weitverbreitet. Das Glas ist in den Augen vieler Zeitgenossen entweder halbvoll oder halbleer. Falls es sich dabei um ein Whiskyglas handelt, könnte sich darin der Scotch Black & White befinden, der zu den bedeutendsten schottischen Blends zählt.

Bereits im Jahr 1904 ist die Wort- und Bildmarke des Whiskylabels Black & White registriert worden.
Bild: cromaconceptovisual

Ein Blend ist – im Gegensatz zum Single Malt – ein Verschnitt aus verschiedenen Whiskys, die aus mehreren Brennereien stammen. Hauptgrund für die Herstellung von Blends ist es, einen Whisky zu erzeugen, der einen gleichbleibenden Charakter besitzt und somit auch ein echter Markenartikel ist.

Der britische Geschäftsmann James Buchanan, Baron Woolavington, seit November 1879 als Agent für den Whisky-Hersteller Charles Mackinlay & Co. tätig, erkannte, dass es in Großbritannien einen Markt für abgefüllten Scotch Whisky gab, der aber noch nicht erschlossenen war. Noch im selben Jahr ließ er seine Eigenkreation produzieren, den Buchanan Blend.

Nach fünf Jahren verließ Buchanan Mackinlay und machte sich 1884 mit einer kleinen Firma unter dem Namen James Buchanan & Co. selbstständig. Er produzierte seinen Whisky jedoch nicht selbst, sondern ließ ihn von der Lowrie & Co. seines Freundes W. P. Lowrie in Glasgow herstellen. Bereits im Jahr darauf lieferte er seinen Whisky an das britische Unterhaus. Zu Ehren seiner prestigeträchtigen Kundschaft änderte Buchanan den Namen seines Blends in Buchanan’s House of Commons Finest Old Highland Whisky.

Im Jahre 1895 avancierte er zum Hoflieferanten von Queen Victoria, dem Prinzen von Wales und dem Herzog von York. Da der Whisky in schwarzen Flaschen mit weißen Etiketten angeboten wurde, bürgerte sich bald der Name Black & White ein. Buchanan höchstpersönlich konzipierte daraufhin das bis heute verwendete Markenlogo mit den beiden Hunden – einem schwarzen Scottish Terrier und einem weißen West Highland White Terrier. 1904 wurden Wort- und Bildmarke registriert und fortan auf dem Etikett verwendet.

Bereits 1897 hatten Buchanan und W. P. Lowrie die Whiskybrennerei Glentauchers bei dem Dorf Mulben in der schottischen Grafschaft Banffshire gegründet. Die dort hergestellten Brände wurden zum Großteil zum Verschneiden von Blends wie Black & White verwendet.

Nachdem Buchanan 1906 die Lowrie & Co. mit ihren Produktionsstätten in Glasgow gekauft hatte, erwarb er im Jahr darauf Anteile an der North British Bottle Manufacturing Company.

Bis 1909 war Black & White der meistverkaufte Scotch in England. Im selben Jahr schlug Buchanan eine Fusion zwischen den großen drei Whisky-Firmen vor: Buchanan, Dewar‘s und Walker‘s. Nachdem diese zunächst nicht zustande gekommen war, unternahm er 1914 einen erneuten Versuch und fusionierte 1915 mit Dewar zur Scotch Whisky Brands Ltd., die 1919 in Buchanan Dewar Ltd. umbenannt wurde. 1925 entstand die Destillers Company, die 1986 von Guinness übernommen wurde. Die Brauerei wiederum – und damit die Marke Black & White – gehört inzwischen zur Diageo plc mit Sitz in London.

Übrigens: Black & White taucht in einigen berühmten Büchern und Filmen auf: In dem Roman „Moonraker“ von Ian Fleming bestellt ihn der von ihm erdachte James Bond in einer Bar. Marcello Mastroianni trinkt ihn in dem Fellini-Film „Das süße Leben“ und Cary Grant in „Der große Wolf ruft“. Außerdem kommt der Whisky im Roman „Breakfast of Champions – Frühstück für Helden“ von Kurt Vonnegut vor. (cm)

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