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Marken des Alltags: Alpina


Eine Farbe mit einem guten „Flutsch“

Wer eine neue Wohnung bezieht, muss die alte üblicherweise renoviert an den Nach- beziehungsweise Vermieter übergeben. Welche Renovierungsarbeiten vor dem Auszug zu erledigen sind, ist im Mietvertrag geregelt. Es muss nicht unbedingt gleich neu tapeziert werden, aber oft sind die Zimmerwände und -decken (weiß) zu streichen. Hierzulande geschieht das meist mit Alpinaweiß. Die Traditionsmarke ist Europas meistgekaufte Innenfarbe.

 

Seit 1979 gibt es Alpina nicht nur in Weiß.
Bild: Hersteller

Im Jahre 1895 gründete Robert Murjahn in Ober-Ramstadt im Odenwald die „Deutschen Amphibolin Werke“ – kurz: DAW. Bereits zehn Jahre zuvor hatte die aus Hamburg stammende Kaufmannsfamilie hier Schürfrechte erworben. Man stieß auf das eisenreiche Mineral Amphibol, auch Hornblende genannt, das neben Eisen hohe Anteile an Calcium, Natrium und Magnesium enthält. In einem neuen Verfahren stellte Murjahn aus dem Amphibol das erste Farb- und Verputzpulver „Amphibolin“ her.

Eine wichtige Innovation für die Zukunft der DAW war 1901 die Produktionsaufnahme von heißwasserlöslicher Pulverfarbe. Bei dieser Leimfarbe („geleimte Kreide“), die man mit heißem Wasser anrührte, wurde Leim als Bindemittel verwendet. Ihren Durchbruch hatte sie acht Jahre später. Als Robert Murjahn im schweizerischen Luzern auf die strahlend weißen, schneebedeckten Berge schaute, inspirierte ihn dieser Anblick: 1909 ließ er „Alpinaweiß“ als Marke für Leimfarben beim Kaiserlichen Patentamt eintragen. Vier Jahre später wurde dann die Produktion der ersten kaltwasserlöslichen Leim-Pulverfarbe
„Alpinaweiß” aufgenommen.

Im Jahr1936 schlug bei der DAW dann die Geburtsstunde der Dispersionsfarben, also der heute handelsüblichen, zähflüssigen Wandfarben. Bei Dispersionen handelt es sich um ein Gemisch aus Füllstoffen, Binde- und Lösungsmitteln, Pigmenten und weiteren Zusatzstoffen. Da sie sich kaum ineinander lösen oder miteinander verbinden, werden die Stoffe in einem anderen Stoff fein verteilt („disperse Phase“).

Auch nach dem Zweiten Weltkrieg konnte sich die DAW weiter erfolgreich am Markt behaupten und wurde 1965 der nach Umsatz größte Dispersionsfarben-Hersteller in Deutschland. Sieben Jahre später führte man das noch heute verwendete „Alpinaweiß“-Logo ein.

Im Jahr 1979 stellte man das komplette Sortiment, zu dem mit „Alpina Color“ nun auch bunte Farben gehörten, von Blech- auf Kunststoffeimer um. Im selben Jahr wurde „Alpinaweiß“ erstmals zur meistgekauften Innenfarbe Europas.

Dass die hohe Qualität der traditionsreichen Farbe auch im neuen Jahrtausend Bestand hat, zeigte sich im Jahr 2012, als „Alpinaweiß“ von der renomierten Stiftung Warentest im Vergleichstest von 46 Dispersionsfarben als Testsieger ausgezeichnet worden ist.

Heute ist Dr. Ralf Murjahn Vorsitzender der Geschäftsleitung der DAW und leitet das inhabergeführte Familienunternehmen in fünfter Generation. Europas drittgrößter Hersteller von Baufarben ist seit Jahrzehnten Marktführer in Deutschland, Österreich und der Türkei.

Apropos Wände weißen: Wer es farbig und möglicherweise zudem kontrastreich mag, seine alte Wohnung nun aber mit weißen Wänden hinterlassen muss, der braucht eine Farbe mit guter Deckkraft. Diese wird in Klassen von 1 bis 4 eingeteilt. Die Deckkraftklasse 1 hat das beste Deckvermögen. Andererseits soll die Farbe aber auch nicht zu zäh sein, denn sonst reicht sie oft nicht für die angegebene Fläche.

Der Profi hat übrigens einen Ausdruck für leichtes Streichen: die Farbe hat einen guten „Flutsch”. (cm)

 

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