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Marken des Alltags: Carrera


Einst fast in jedem Jungenzimmer zu finden

Es ist das Synonym für die ganze Produktgattung – wie „Tempo“ oder „Tesa“. Wer Modellautorennbahn meint, der sagt Carrera. Ebenso wie die Märklin-Eisenbahnen standen die Rennbahnen jahrzehntelang ganz oben auf den Wunschzetteln der kleinen und großen Jungs. Zwar gab es für den Fürther Hersteller – wie für den Göppinger Wettbewerber – existenzbedrohende Situationen, doch die Marke lebt bis heute weiter.

Nicht nur in Kinderzimmern sorgen Carrera-Bahnen für Begeisterung.
Bild: TaniaVDB

Im Jahre 1920 begann Josef Neuhierl im fränkischen Fürth mit der Herstellung von Blechspielzeug unter der Marke JNF. Nachdem der Firmengründer 1957 gestorben war, übernahm Sohn Hermann gemeinsam mit seiner Mutter die Geschäfte. Da das Blechspielzeug immer weniger nachgefragt wurde, baute Neuhierl ab 1960 eine Kunststoffverarbeitung auf und stellte nun zerlegbare Modellfahrzeuge her.

Auf einer Auslandsreise lernte Neuhierl im Jahre 1963 das Konzept der „schlitzgeführten“ Modellautorennbahn kennen. Noch im selben Jahr stellte er seine erste elektrisch betriebene Autorennbahn im Maßstab 1:32 vor, die Carrera Universal. Die Rennbahn wurde in den Folgejahren ausgebaut – mit bis zu zehn Fahrspuren, Schikanen, Überholabschnitten, Kreuzungen und Überführungen.

Der vermutlich größte Coup der – wenn auch noch jungen – Markengeschichte war im Jahre 1966 die Einführung einer Carrera-Bundesmeisterschaft. Von rund 600.000 teilnehmenden Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen acht und 17 Jahren war damals in einem Fachhandelsmagazin die Rede.

Ab 1967 gab es mit der Carrera 124 ein weiteres System im größeren Maßstab 1:24. Sie wurde für die Marke zum Aushängeschild – den Massenumsatz lieferte allerdings weiterhin die 1:32er Bahn, die fortan – ebenfalls nach ihrem Maßstab benannt – unter der Bezeichnung Carrera 132 Universal vertrieben wurde.

Die Marke Carrera war in ihrem Segment unangefochtener Marktführer. Zwar gab es Wettbewerber wie Gama, Fleischmann oder das Branchenurgestein Märklin, doch die Franken erreichten in den frühen 70ern einen sagenhaften Marktanteil von über 70 Prozent. Das Unternehmen produzierte damals mit 700 Mitarbeitern täglich 7000 Modellautos.

Doch in den 1980er Jahren brach der Umsatz massiv ein. Ein viel zu breites Programm und enorme Überkapazitäten führten das  Unternehmen in existenzielle Schwierigkeiten: Im Jahre 1985 musste der Marktführer Konkurs anmelden. Während der Übernahmeverhandlungen nahm sich Hermann Neuhierl im Alter von 57 Jahren das
Leben.

Es folgten zwölf Jahre, in denen die Qualität der Produkte deutlich nachließ und das endgültige Aus für die Firma unmittelbar bevorstand. Doch dann übernahm 1999 die österreichische Stadlbauer-Gruppe das Unternehmen und stellte die Weichen für eine recht erfolgreiche Zukunft. Die Produktion liegt heute zwar in China, doch die Produkte verdienen wieder den einst stolzen Namen. Aus Carrera 124 wurde die Premium-Linie Carrera Exclusiv, und 2001 wurde mit Carrera Go!!! eine Actionbahn im Maßstab 1:43 entwickelt. Der klassische Fahrzeugmaßstab 1:32 wurde seither kontinuierlich weiterentwickelt und heißt seit einigen Jahren Carrera Evolution.

Übrigens: Zum Markennamen Carrera wurde Hermann Neuhierl von der Stuttgarter Autoschmiede Porsche inspiriert, die ihre besonders sportlichen Modelle so nennt. Ursache dafür wiederum waren deren Erfolge bei der „Carrera-Panamericana“, dem berühmten Straßenrennen in Mexiko. Das Wort „Carrera“ stammt aus dem Spanischen und bedeutet „Rennen“.

 

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