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Jörg Block: Hahn im Kita-Korb


„Es ist eine Bereicherung“

Laut einer aktuellen Studie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend liegt der Anteil männlicher pädagogischer Fachkräfte in Kitas gerade einmal bei 2,4 Prozent. Zu dieser Minderheit gehört auch Jörg Block aus Königswinter. Er ist hauptberuflich Erzieher und nebenberuflich als Naturerzieher, Waldpädagoge und Jungenarbeiter tätig.

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Jörg Block bringt andere Sichtweisen und eine andere Ansprache in den Kita-Alltag ein, „genauso wie wenn eine Frau einen typischen Männerberuf ausübt.“
Bild: privat

Warum haben Sie den Erzieherberuf gewählt?

Block: 1985 besuchte unsere Klassenlehrerin aus der Realschule jeden ihrer Zehntklässler, um zu erfahren, wo es beruflich hingehen soll. Mich erlebte sie zuhause mit meinem dreijährigen Neffen und schlug ein Praktikum in einem Kindergarten vor. So absolvierte ich ein einjähriges Vorpraktikum in einer Elterninitiative und anschließend folgte die Ausbildung zum Erzieher. Diese brach ich jedoch ab, schob eine Ausbildung zum Zierpflanzengärtner und den Zivildienst dazwischen. Die Erzieherausbildung nahm ich 1992 wieder auf. 1995 begann meine Laufbahn als ausgebildeter Erzieher mit dem Schwerpunkt Naturpädagogik.

 

Haben Sie sich schon mal deplatziert und „allein unter Erzieherinnen“ gefühlt?

Block: Zu Beginn der Ausbildung war es gewöhnungsbedürftig. Grundsätzlich fühlte ich mich nie deplatziert. Ich fand es immer nur sehr schade so allein auf weiter Flur.

 

Warum ist der Anteil männlicher Erzieher in Kitas Ihrer Meinung nach so gering?

Block: Das liegt klar auf der Hand. Kindererziehung war damals die Tätigkeit der Frau. Das war selbstverständlich, daher auch nicht sonderlich zu honorieren. Mit dem Gehalt kann keine Familie ernährt werden. Meine Frau muss Vollzeit arbeiten. Ich habe noch eine Nebentätigkeit. Manches Mal dachte ich darüber nach, wie es wäre, wenn ich beim Gärtnern von Pflanzen geblieben wäre. Das bringt aber nichts. Ich bin jetzt in diesem Beruf und sehe die Abwechslung und Bereicherung, die einem das Arbeiten mit Kindern bringt. Die einen sehen die Entwicklung eines Bauwerkes, ich sehe die Entwicklung eines Menschen. Alles hat ein Für und ein Wider. Und wenn dieser Beruf anders vermarktet werden würde, kämen mehr Männer.

 

Werden die Arbeitsbereiche in Kitas geschlechtertypisch aufgeteilt, wenn dort auch männliche Erzieher arbeiten?

Block: Das kann ich aus meiner Sicht verneinen. Ich als Mann bin jedoch gerne handwerklich unterwegs, so suche ich eher Gelegenheiten dies in der Kita mal machen zu können. Das ist der Ausgleich für mich persönlich. Und das ist der Punkt, wo ich Kinder mit einbinde. Das Handwerk geht mehr und mehr verloren. Ich sehe es als wichtig an, Kindern frühzeitig Interesse an Werkzeug, Elektronik und dreckigen Händen zu ermöglichen.

 

Waren Sie schon mit Eltern konfrontiert, die männlichen Erziehern gegenüber skeptisch eingestellt sind?

Block: Nein. In der Regel freuen sich Eltern über den männlichen Part in der von Frauen dominierten Kita-Welt. Es gibt aber auch Einzelfälle, wo Eltern nicht möchten, dass ein Mann ihr Kind, in der Regel Mädchen, wickelt. Um Missverständnissen vorzubeugen, sollten Situationen, die falsch gedeutet werden könnten, nicht entstehen.

 

Warum ist es wichtig, dass es männliche Erzieher in Kitas gibt?

Block: Es ist aus meiner Sicht eine tatsächliche Bereicherung, genauso wie wenn eine Frau einen typischen Männerberuf ausübt. Es bringt Abwechslung, es gibt grundsätzlich andere Sichtweisen und Gedankengänge, die stimmliche Tonlage ist eine andere, die Kinder erleben einen Mann in der Erziehung und die Vorgehensweise in verschiedenen Tätigkeiten unterscheidet sich. Es schafft Ausgleich im Kollegium und Kindern ohne Vateranteil bietet es eine Orientierung.

 

 

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