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Mitmenschen: Jürgen Klinkhammer


„Es reizt mich, Material wieder in Wert zu setzen“

Sechs Esszimmerstühle, zwei Ledersessel, eine Couch – diese Möbel sind gekauft. Alles andere hat Jürgen Klinkhammer selbst geschreinert. Und das ist so einiges. Denn das Ehepaar Klinkhammer wohnt in einem rund 250 Quadratmeter großen Haus im Hennefer Ortsteil Allner.

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Jürgen Klinkhammer auf dem Sofa, das er aus einem Schlosstor zimmerte. Rechts daneben ein Vitrinenschrank, ebenfalls aus Eigenproduktion.
Bild: Presseagentur Funk

Seit fast 30 Jahren ist das Arbeiten mit Holz Jürgen Klinkhammers Hobby: „Ich kann keine Dinge wegwerfen, die einmal mit Sorgfalt entstanden sind. Und es reizt mich, Materialien wieder in Wert zu setzen, die andere aufgegeben haben.“ Das Material für die Bücher- und Küchenschränke, Kommoden, Türen, Fensterbänke, Holztreppen oder Tische findet der 70-Jährige in Abbruchhäusern und Containern.

Wie das Eichenholz, aus dem er ein cremefarbenes Sofa kreierte. Es stammt von dem großen Eingangstor, das in früheren Zeiten den Zugang zum Schloss Allner begrenzte. „Als ich das Tor fand, war der untere Teil völlig vermodert. Aus dem oberen entstand das Sofa, aus den Tor-Nägeln machte ich Griffe für eine Kommode“, sagt Jürgen Klinkhammer, der vor seiner Pensionierung als Gesamtschullehrer arbeitete.

Sein Neigungsfach – wen wundert es – war Technik. Ansonsten unterrichtete er Deutsch, Geschichte, Politik und Wirtschaft. Während seiner Berufszeit benötigte Jürgen Klinkhammer für die Herstellung eines Möbelstücks vier Wochen, seit der Pensionierung schafft er es in drei.

Selber Möbel für das eigene Haus hergestellt hat schon sein Großvater: „Das hat mich als Kind sehr beeindruckt. Doch damals hatte ich zwei linke Hände, wie mein Opa meinte.“ Das hat sich gründlich geändert. Das beweist auch der Esszimmertisch, der sich aus einer Bank und einem alten Tischblatt zusammensetzt.

Die Tischplatte besteht aus drei Teilen, zwei stammen von der Bank, der Mittelteil von dem Tischblatt. Die einzigartige weiß-braune Maserung der Platte entstand durch eine ganz besondere Technik. Zunächst schmiergelte Jürgen Klinkhammer die Platte ab, bürstete diese mit einer Messingbürste und strich sie mit einer weißen Acrylfarbe, die er später abschliff.

Dadurch blieb die Farbe in den Vertiefungen des Holzes zurück und erweckt den Eindruck von gekelktem Holz. Jürgen Klinkhammer verwendet für seine Möbel übrigens ausschließlich Vollhölzer, nämlich Eiche, Douglasie und Buche. So wie das Holz für die Treppe.

Das sind nämlich alte Schultische aus Buche, die bei einem Martinsfeuer verbrannt werden sollten. „Die angeklebten Kaugummis und gekritzelten Liebesschwüre habe ich weggehobelt“, sagte Jürgen Klinkhammer. Oder die Türen aus Fichte. „An einer Tür klebte ein Frachtzettel von 1923. Sie kamen aus Thüringen und gehörten zum Allner Schloss“, sagt Jürgen Klinkhammer.

Die Türen lagerten in dem ehemaligen Gesindehaus, waren feucht, verzogen und sollten weggeworfen werden. Mit viel Geduld restaurierte Jürgen Klinkhammer sechs Türen. Für das Fertigen seiner außergewöhnlichen Möbelstücke zieht sich Jürgen Klinkhammer in seine Werkstatt – ein Häuschen im Garten seines Hauses – zurück. Und natürlich hat er diese Werkstatt selber gebaut. (an)

 

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