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Interview mit Melitta Schneider


Freundschaften sind gut für die Gesundheit

„Freundschaft, das ist eine Seele in zwei Körpern“, schrieb schon Aristoteles. Doch warum ist Freundschaft überhaupt für uns so wichtig? Wir haben darüber mit der Trauma-Therapeutin und Diplom-Psychologin Melitta Schneider aus Rheinbreitbach gesprochen.

Gute Freunde können dabei helfen, über Schicksalsschläge schneller hinwegzukommen. Einsamkeit macht hingegen auf lange Sicht gesehen krank.
Bild: Pexels

Warum ist Freundschaft aus psychologischer Sicht wichtig?

Melitta Schneider: Im Karneval gibt es das schöne Lied „Echte Fründe ston zesamme“. Dies ist ein sehr wichtiges Element, das Freundschaft ausmacht. Nämlich, dass man gemeinsam miteinander Spaß haben und feiern kann. Letztendlich ist Freundschaft auch gesundheitserhaltend und tut uns Menschen als Wesen, das Sozialkontakte benötigt, gut. Wir finden durch Freundschaften beispielsweise einen Ausgleich zum Berufsalltag und in schweren Zeiten, wenn wir zum Beispiel krank werden oder eine Trennung erlebt haben. Dann tut es gut, wenn man Freunde hat, mit denen man darüber sprechen kann.

 

Was ist der Unterschied zwischen Freunden und Bekannten?

Schneider: Der Unterschied ist sicherlich die Tiefe der Beziehung. Mit Bekannten unterhalte ich mich vor allem über Alltägliches, Fakten und Dinge, die geschehen sind. Mit Freunden dagegen spreche ich auch über meine Sorgen, Ängste und Nöte. Aber beide Beziehungsarten sind für uns wichtig – Bekannte und Freunde. Allerdings sind virtuelle Freundschaften wie bei dem sozialen Netzwerk Facebook meist nicht besonders intensiv. Denn das Internet lädt auch dazu ein, nicht immer ehrlich über seine Gefühle zu sprechen. Da ist es in einer gewachsenen Beziehung viel schwieriger, sich zu verstellen.

 

Wie verändern sich Freundschaftsbeziehungen mit dem Alter?

Schneider: Es wäre natürlich wünschenswert, wenn Freundschaften ein Leben lang halten. Aber oft tun sie das nicht, sondern wir haben oft Freunde in bestimmten Lebensabschnitten. Da ist es ein besonderes Glück, wenn Freundschaften über mehrere Lebensabschnitte erhalten bleiben. Das heißt, dass dieser Freund über mich gut informiert ist, wenn ich persönliche Entwicklungen gemacht habe. Und er akzeptiert diese auch, wenn diese Entwicklungen nicht mehr in die gleiche Richtung wie seine gehen.

 

Sind Freundschaften in der Pubertät besonders wichtig?

Schneider: Freundschaften sind sicherlich eine wichtige Begleitung in diesem teilweise oft schwierigen Lebensabschnitt. Der Austausch untereinander hilft dabei, die Sorgen und Nöte in der Pubertät besser zu bewältigen. Aber die Grundlage für Freundschaften müssen schon viel früher gelegt werden, nämlich bereits im Kindergartenalter. Denn in diesem Entwicklungsstadium lernen wir, uns in andere Menschen hineinzuversetzen. Im Alter von drei oder vier Jahren lernen Kinder auch zu verstehen, was sie mit ihrem Verhalten bei anderen auslösen. Und dieses Element, uns in andere hineinversetzen und einschätzen zu können, wie jemand sich gerade fühlt, ist bei Freundschaften gleich welchen Alters extrem wichtig.

 

Haben denn Freundschaften auch Auswirkungen auf die gesundheitliche Situation von Menschen?

Schneider: Ja, langfristig schon. Wir wissen heute, dass Menschen sogar früher sterben können, wenn sie keine sozialen Beziehungen haben. Beispielsweise können mithilfe von Freundschaften auch Krankheiten schneller und besser bewältigt werden. Einsamkeit dagegen macht auf lange Sicht gesehen krank. (msc)

 

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