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Marken des Alltags: Gillette


„Für das Beste im Mann“

In den ausklingenden 1980er Jahren warb der Hersteller mit einem ein-minütigen TV-Spot, der aus heutiger Sicht ebenso gewöhnungsbedürftig anmutet wie fast die gesamte Fernsehwerbung der damaligen Zeit. Die betont maskulin daherkommenden Bilder (erfolgsverwöhnter Mann beim Joggen, im Business-Anzug, mit Pokal und so weiter) werden von einem Song untermalt, dessen Text es durchaus mit denen aufnehmen kann, die in der von Dieter-Thomas Heck präsentierten ZDF-Hitparade zum Besten gegeben wurden.

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Seit Generationen begleitet die Marke Gillette auch deutsche Familien.
Bild: Gillette

Der US-Amerikaner King Camp Gillette erfand im Jahre 1895 die „Double-Edge-Klinge“ – eine zweischneidige, auswechselbare Rasierklinge. Vier Jahre später präsentierte er den dazugehörigen Nassrasierer. Nachdem Gillette 1901 einen Partner gefunden hatte, der in der Lage war, die Klingen industriell herzustellen, wurde The Gillette Company gegründet. 1903 nahm man die Serienproduktion auf. Im November des darauffolgenden Jahres wurde Gillette das US-Patent für den weltweit ersten Sicherheitsrasierer mit Wechselklinge erteilt.

Riesiger Markt geschaffen

Der Gillette-Hobel „Old Type“ bestand aus drei Teilen: dem Griff, dem Kopfoberteil und dem Kopfunterteil. Man legte die Doppelklinge in das Oberteil und spannte sie, indem man das Unterteil auflegte und mit Hilfe des Griffes verschraubte.

Bereits im ersten Jahr setzte Gillette etwa 90.000 Hobel und über 120.000 Ersatzklingen ab. Da mit der Einführung der austauschbaren Doppelklinge ein neuer, riesiger Markt geschaffen worden war, brachten andere Hersteller bald Rasierhobel auf den Markt, die dem Gillette-Standard entsprachen. In Deutschland gab es eine Vielzahl kleiner Produzenten, die den Markt mit Gillette-Kopien überschwemmten – vor allem Firmen aus der Klingen- und Messerstadt Solingen, wie etwa Apollo oder die noch heute existierende Marke Merkur.

Doch auch Gillette wollte selbstverständlich an dem vergleichsweise großen deutschen Markt partizipieren. So kaufte man im Jahre 1931 die Roth-Büchner GmbH aus Berlin mit ihrer Marke Rotbart. Die Firma war nach dem Ersten Weltkrieg zum größten deutschen Hersteller aufgestiegen und stellte zeitweise über die Hälfte der in Deutschland produzierten Klingen her.

Ab 1965 verabschiedete sich Gillette mit dem Modell Techmatic nach und nach von der klassischen Doppelklinge und produzierte ab 1971 erstmals den Trac II, das erste Rasiersystem mit zwei übereinanderliegenden Klingen. 1977 folgte das Contour-System, der erste Rasierblock mit Schwingkopf, 1985 der Contour Plus mit einem Feuchtigkeitsstreifen und 1990 der Sensor – der erste Rasierer mit federgelagerten Klingen.

Mit dem MACH3 brach 1998 das Zeitalter der Drei-Klingen-Technologie an, 2004 kam mit dem M3Power das weltweit erste Nassrasur-System mit Batterie-Technologie auf den Markt, 2006 folgten die Fusion-Modelle mit fünf Klingen und 2014 schließlich der FlexBall mit schwenkbarem Rasierkopf.

Übrigens: Wie Gillette kaufte sich auch der Hauptkonkurrent Wilkinson in Deutschland ein: Nachdem man im Jahre 1955 das Patent für teflonbeschichtete Rasierklingen der alteingesessenen Solinger Firma Rud. Osberghaus erworben hatte, wurde 1961 die Wilkinson Sword GmbH gegründet, die bis heute einer der größten Arbeitgeber in Solingen ist.

 

 

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