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Nur wenige Kleingartenvereine in der Region


Gärtnern nach Schreber

Rund zwei Millionen Menschen beackern bundesweit 50.000 Hektar Kleingärten.  Oft überschreitet die Nachfrage nach Schrebergärten das Angebot. Auch in der RWN-Region?

Senior Couple Working On Allotment Together

Kleingartenanlagen sind in. Für die Region gilt das aber nur eingeschränkt.
Bild: Fotolia/Monkey Business

Kleingartenanlagen haben ihr Spießer-Image abgelegt. Insbesondere bei Akademikern, jungen Städtern und Kleinfamilien sind Schrebergärten begehrt. So gingen rund 45 Prozent aller Neuverpachtungen an Familien mit Kindern. Ob als unberührtes Stück Natur für den Nachwuchs, als Wellness-Oase oder geeignetes Fleckchen für das eigene Biogemüse, die Motivation, einen Schrebergarten zu pachten, kann ganz unterschiedlich sein.

Unterschiedliche Zwecke erfüllten Kleingärten auch schon bei ihrer Entstehung im 19. Jahrhundert. Zunächst als Armen- oder Arbeitergärten konzipiert, sollten die Kleingärten der städtischen Bevölkerung zu Zeiten der Industrialisierung dabei helfen, ihren Speisezettel günstig um frisches Obst und Gemüse zu erweitern. Später entstanden die Schrebergärten, benannt nach dem Leipziger Arzt Moritz Schreber, die zunächst vor allem der Ertüchtigung der Stadtjugend durch Bewegung dienen sollten.

Im RWN-Land trifft man auf solche Gartenanlagen heute eher selten. Drei offizielle Kleingartenvereine befinden sich in und um Hennef, ein weiterer ist in Königswinter verzeichnet. Zusammengerechnet stehen hier 147 Gartenparzellen zur Pacht. Recht wenig für die großen Wald-, Wiese- und Ackerflächen, die im Westerwald zur Verfügung stehen.

Doch die Wohnsituation der Westerwälder ist eben nicht mit städtischen Gegebenheiten zu vergleichen. Verhältnismäßig viele besitzen hier ein Haus mit eigenem Grundstück und Garten – und jeder hat ein ruhiges Stück Natur (fast) direkt vor der Haustür liegen.

De Lebensumstände am Rhein und im Westerwald erklären, warum es erst in den angrenzenden städtischen Gebieten Kleingärtnervereine gibt. Diese aber blicken meist, etwa in Stoßdorf und Geistingen, bereits auf eine rund 100-jährige Vereinsgeschichte zurück. Hier wird das Gärtnern nach wie vor genauso geliebt und gelebt wie das dazugehörige Vereinsleben.

Traditionelle Familien- und Gartenfeste sowie Gartenbegehungen gehören zum Jahresprogramm. Ohnehin haben Interessenten, die nur ihren Rasen mähen und auf der Hollywoodschaukel liegen möchten, kaum Chancen, ein Pachtgrundstück zu ergattern. Denn mit der Unterzeichnung der Gartenordnung verpflichtet man sich bei allen hiesigen Vereinen zur kleingärtnerischen Nutzung unter Berücksichtigung von Natur- und Umweltschutz. So sind auf einem Drittel der Fläche Obst und Gemüse anzubauen. Zu den Pflichten zählt zudem die Verrichtung einer Mindestzahl gemeinnütziger Stunden, in denen die von allen Vereinsmitgliedern genutzten Anlagen gepflegt werden. (na)

 

 

 

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