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Die RWN-Medienschule


Gefährliche Ablenkung

Schnell mal den Anruf annehmen und dazu das Handy ans Ohr halten, eine Kurznachricht lesen oder mit dem Smartphone eine Info im Internet suchen: Viele Autofahrer lassen sich am Steuer während der Fahrt ablenken.  Das ist selbst für den Hightech-Verband Bitkom, sonst naturgemäß eher ein Freund der digitalen Kommunikation in allen Lebenslagen, des Guten zu viel. Doch es ist auch ein Licht am Ende des Tunnels zu sehen.

Falsch! Die Hand gehört ans Steuer, der Blick auf die Straße – denn das Auto fährt (noch) nicht von alleine.
Bild: Fotolia/skumer

In einer Umfrage des Branchenverbands Bitkom gab fast jeder Zweite zu, häufig oder manchmal mit dem Handy am Ohr zu telefonieren, während er sein Fahrzeug steuert. Jeder Dritte schreibt sogar SMS oder Kurznachrichten. Der Verband warnt: „Nichts ist so wichtig, dass sich der Fahrer vom Verkehr ablenken lassen sollte. Selbst ein kurzer Blick aufs Smartphone-Display kann im entscheidenden Augenblick zu viel sein. Und wer in einer Gefahrensituation nicht beide Hände frei hat, weil er sein Handy festhält, handelt nicht nur gesetzwidrig, sondern auch unverantwortlich“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder.

Immerhin: Zwei Drittel der Autofahrer gaben an, dass sie ihre Anrufe zumeist per Freisprecheinrichtung führen. Kurznachrichten lässt sich dagegen nur rund jeder Vierte vom Smartphone oder Bordcomputer vorlesen oder beantwortet solche auch per Sprachsteuerung.

Das Smartphone kann jetzt schon mehr

Zu wenig, findet Rohleder: „Sprachsteuerung ist nicht nur sicherer, sie ist auch komfortabel. Jeder sollte sich einmal anschauen, was das eigene Smartphone heute schon auf Zuruf erledigen kann“, rät Rohleder. Für die Zukunft erwartet er, dass die Kommunikation vollständig über den Bordcomputer abgewickelt werde, „der die jeweilige Fahrsituation berücksichtigen kann.“

Und: „Wenn Smartphone und Auto sich noch besser verstehen, dann reicht es zum Beispiel künftig auf dem Mobilgerät die Fahrt zu planen und das Auto weiß beim Einsteigen, wohin es gehen soll.“ Irgendwann fährt es dort wohl auch ganz alleine hin. Autonomes Fahren heißt das Stichwort, wenn man dann etwa auf nächtlichen Autobahnfahrten womöglich dem Autopiloten das Steuer überlassen kann oder im Stadtverkehr die Zeitung liest.

Die große Mehrheit steht dem aufgeschlossen gegenüber: Zwei Drittel der Befragten geben in einer weiteren Befragung des Digitalverbands an, dass sie sich von selbstfahrenden Fahrzeugen Verbesserungen erhoffen – vom besseren Verkehrsfluss über einen geringeren Verbrauch bis zum Plus an Sicherheit für Insassen und andere Verkehrsteilnehmer.

„Das Auto, das von alleine fährt – das klang vor wenigen Jahren noch nach Science-fiction. Heute denken wir darüber nach, wie man die gewonnene Zeit nutzen kann, wenn der Autopilot das Steuer übernimmt“, so Bitkom-Vizepräsident Achim Berg. Klar ist aber auch, dass der Weg dorthin immer noch ein weiter ist. So sind etwa noch ethische (Wen schützt der Autopilot im Gefahrenfall besonders?) und rechtliche Fragen (Wer haftet bei einem Unfall?) zu klären. (ct)

 

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