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Sparclubs und Sparkästen haben wieder Konjunktur


Gemeinsam spart es sich besser

Als in den Sechzigerjahren, mit der Änderung des Umsatzsteuergesetzes, das pauschale Bedienungsgeld in der Gastronomie mit zehn Prozent aufgeschlagen wurde, begann die Boomzeit der Sparkästen in Lokalen und Gaststätten.

Die Gäste warfen das Jahr über das Restgeld bei den krummen Beträgen in ihr Kästchen. Ende des Jahres wurden die Beträge plus Zinsen aber abzüglich einer Gebühr für die Beköstigung kamen die angesparten Summen zur Auszahlung.

Sparkästen in Lokalen sind wieder gefragt. Auch junge Gäste zahlen dort vermehrt wieder ein.
Bild: Fotolia/artfocus

Die Sparkassen förderten die so entstandenen Klubs und stellten kostenlos Sparschränke, Abrechnungsformulare und Geldtüten zur Verfügung. Sogar die Versicherung wurde übernommen. Mitte der Sechzigerjahre zählte allein der Deutsche Sparkassen und Giro-Verband rund 20.000 Klubs mit einer halben Million Mitgliedern.

In Köln gab es damals 2400 solcher Spargemeinschaften. Auch an Bad Honnef und dem Rheinland ging das Phänomen nicht vorbei. Auch das Traditionsgasthaus „Zum Vierkotten“ hängte für seine Stammkunden einen Kasten auf. An der alten Stelle prangt er noch heute. Während in der Nachkriegszeit der Spargedanke schon im Vordergrund stand, geht es angesichts der sinkenden Zinsen heute mehr um den geselligen Aspekt.

Auszahlung kurz vor Weihnachten

Die große Auszahlung mit einer großen Tombola bildet das Highlight. Die Lose haben die Zahlen der Kästchen, wessen Los gezogen wird, gewinnt den Preis. „Die Präsente kommen oft von hiesigen Geschäftsleuten als Sponsoren“, so Jürgen „Eschi“ Eschbach, Wirt in der Kultkneipe. „Auch wenn nicht viel dazukommt, so mancher kann auch die 200 bis 300 Euro oder mehr, die angesammelt wurden, vor Weihnachten gut gebrauchen und die paar Geldstücke in der Woche tun nicht weh“, weiß er zu berichten.

Die Zinsen sind nur selten der Grund

Ein Kästchen mit Zahlen wird auch bei Eschbachs Nachbarn, im „Altes Standesamt“ und im „Altes Rathaus“ noch eifrig frequentiert. Auch er bestätigt: Die Geselligkeit und das Zusammensein hält die Sparklübchen am Leben. „Wegen der Zinsen lohnt das eigentlich nicht, man kennt sich und freut sich über ein gemütliches Zusammensein!“

Ganz neu war die Kultur der Sparklubs auch in den Sechzigerjahren nicht. Die ersten entstanden in Norddeutschland um 1890. Ende des 19. Jahrhunderts konnte man mit den Dresdener Stollenvereinen Groschen bei den Bäckern ansammeln, um Weihnachten genügend Geld für Gebäck zu haben.

Nachdem sie Jahre lang rückläufig waren, steigen die Zahlen der Mitmacher an solchen Thekenkonten wieder an. Im Bundestrend zahlen auch immer mehr junge Gäste wieder am Tresen statt am Bankschalter ein. Ob man allerdings noch einmal die Rekordzahlen von 1960 erreicht, ist fraglich. Stolze 127 Millionen DM wurden damals in die Kneipen-Sparbüchse geschoben.

 

 

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