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Die Trends bei den Straßennamen


Hauptstraße ist weiterhin beliebt

Sie dienen der Orientierung, geben die Geschichte eines Ortes preis, erinnern an Persönlichkeiten und sind bisweilen auch ein Spiegelbild der Politik: Straßennamen. Am häufigsten ist dabei laut Internet-Plattform „Straßen-in-Deutschland.de“ die „Hauptstraße“ vertreten – insgesamt 6114 Mal bei aktuell in Deutschland gelisteten 1.220.441 Straßen. Unter den Straßenzügen, die nach bedeutenden oder bekannten Menschen benannt sind, liegt die „Schillerstraße“ mit 2200 Nennungen weit vorne.

Fast einmalig: Die Anton-Limbach-Straße gibt es seit der Jahrtausendwende exklusiv in den Gemeinden Asbach und Unkel.
Bild: Presseagentur Funk

Auch wenn die Zahl an „Hauptstraßen“ in den vergangenen Jahren rückläufig ist –  2010 gab es noch 7630 davon – der Titel „häufigster Straßenname“ dürfte für eine kleine Ewigkeit vergeben sein. Denn es ist nicht davon auszugehen, dass neue „Schul- oder Dorfstraßen“ aus dem Boden gestampft werden – sie sind bereits mit 4914 beziehungsweise 4625 Nennungen im Register vertreten.

In den „Top Ten“ finden sich des Weiteren die „Bahnhof-“, „Dorf-“, „Berg“-,
„Linden-“, „Kirch-“ und „Waldstraße“ ebenso wieder wie der „Birkenweg“. Was manchem heute als ganz schön einfallslos erscheinen mag, hat indes einen praktischen Hintergrund: Einerseits sind sie auf geografische Aspekte zurückzuführen, anderseits entstanden sie zu einer Zeit – vielfach im Mittelalter – als es noch keine Straßenschilder gab und nur wenige Menschen lesen konnten.

Dichterviertel kamen in den 70ern auf

Das änderte sich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, als vielerorts Kaiser Wilhelm von Hindenburg oder Rosa Luxemburg abgelöst wurde. Um einen weiteren, sehr belasteten Namen, Adolf Hitler, von den Straßenschildern zu eliminieren, erlebte ab Mai 1945 in vielen Kommunen die unverdächtige „Hauptstraße“ eine Renaissance.

In den 50er und 60er Jahren wiederum gewannen in Neubaugebieten dann die „Danziger“, „Breslauer“ oder „Tilsiter Straße“ im Westen an Beliebtheit, während es im Osten eine Inflation von Parteifunktionären auf den Straßenschildern gab.

Die 70er bis 90er Jahre waren städtebaulich durch die Entwicklungen außerhalb der Stadtzentren geprägt. In diese Zeit fällt daher die Entstehung von Dichter-, Maler-, Musiker-, oder Weinvierteln und entsprechenden Straßennamen: „Goethe-“, „Mozart-“, „Spitzwegstraße-“ oder „Traubenweg“.

In den Gewerbegebieten hingegen dominierten die „Bosch-“, „Daimler-“, „Otto-“,
„Koch-“, „Siemens-“ oder „Dornier-Straße“ –  eine Erklärung dafür, dass Frauen heute nicht nur in den Chefetagen sondern auch bei Straßennamen unterrepräsentiert sind. Auf einen weiblichen Straßennamen kommen 14 Männernamen.

Angelegenheit der Gemeinden

Grundsätzlich ist es Angelegenheit der Gemeinden, Straßennamen zu vergeben. Und so gingen viele ab den 90er Jahren im Rahmen von identitätsstiftenden Maßnahmen dazu über, neue Straßenzüge nach regional bekannten Persönlichkeiten zu benennen – wie beispielsweise in Asbach und Unkel.

„Vor jetzt 17 Jahren machten die Gemeinde Asbach und die Stadt Unkel Firmenchef Heinz Limbach zum 75. Geburtstag ein ganz besonderes Geschenk“, erinnert sich Herbert Muß, Einkaufsleiter der Vorteil-Center: „Die Anton-Limbach-Straße.“ Laut Gesetzgeber ist eine solche Ehrenbezeugung in aller Regel frühestens zwei Jahre nach dem Tod des Betreffenden als Nachruhm für das Lebenswerk möglich. (imr)

 

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