«

»

Marken des Alltags: Hachenburger


Hochfeines Pils – auch für China

Wer an Pilsener Biere denkt, der hat zunächst höchstwahrscheinlich drei prominente Marken aus dem Sauerland im Kopf – oder die „deutsche Brauerei, die als erste nur nach Pilsner Brauart braute, und noch bis heute braut.“ – oder eben das seit 1842 im tschechischen Pilsen produzierte Original. Genau 60 Jahre später kam im Westerwald ein Pils auf den Markt und die Theke, das inzwischen auch eine beachtliche Historie hat.

Heinrich Schneider gründete 1861 auf dem Grün‘schen Hof in Hachenburg eine Brauerei. 1902 wurde im Westerwald dann erstmals ein Bier nach Pilsener Brauart gebraut.
Bild: Westerwald-Brauerei H. Schneider GmbH & Co KG

Nach mehreren Lehr- und Wanderjahren in Deutschland, Italien und Frankreich gründete der 25-jährige Brauer Heinrich Schneider aus Heimborn im Westerwald im Jahre 1861 auf dem Grün’schen Hof in Hachenburg eine Brauerei. Dieser Entschluss war insofern mutig, als es in der Region seinerzeit über 150 Brauereien gab.

Mit der Entdeckung einer Quelle im nahe gelegenen Rothbachtal, die besonders weiches Wasser zutage förderte, hatte Schneider die ideale Basis für das Brauen nach Pilsener Brauart gefunden. Im November 1902 brachte er „ein hochfeines nach Pilsener Art gebrautes Bier“ auf den Markt. Zu dieser Zeit war Pilsener Bier hierzulande wenig bekannt – geschweige denn beliebt.

Um sich von seinen Wettbewerbern abzuheben, änderte Schneider im Jahre 1908 den Firmennamen seiner noch sehr kleinen Landbrauerei in „Westerwald-Brauerei“. Im Gegensatz zu vielen anderen Brauereien des Westerwaldes, die im Laufe der folgenden Jahrzehnte entweder geschlossen oder übernommen wurden, entwickelte sich diese zu einem wichtigen Familienunternehmen in der Region.

Die Marke Hachenburger Pils gewann vor allem ab Mitte der 60er Jahre an Bedeutung, als die sogenannte „Pilswelle“ über Deutschland schwappte. Auf deren Abflauen Anfang der 90er Jahre reagierte die Brauerei rechtzeitig: Die Verbraucher wünschten sich mehr Abwechslung bei den Biersorten. Heiner Schneider – bereits Vertreter der vierten Generation – gehörte zu den wenigen Brauern, die mit der Marke Hachenburger Schwarze ein schwarzes Pils auf dem deutschen Markt einführten. In den Folgejahren erweiterte man das Sortiment weiter und führte auch die immer beliebter werdenden Biermischgetränke ein.

Heute umfasst es auch die Sorten Hachenburger Zwickel (hefetrübes Bier), Hachenburger Weizen, Hachenburger Frischling (Cola-Biermischgetränk) und Radler sowie mehrere alkoholfreie Varianten und Hachenburger Malz. Auch führte man neue Gebinde ein, wie beispielsweise die Bügelverschluss-Flasche, die wieder aufgelegt wurde.

Jens Geimer führt das nach wie vor vollkommen unabhängige Familienunternehmen in der fünften Generation. Unter seiner Regie wurde 2011 die Gourmet-Edition „Hachenburger Selection“ mit saisonal angebotenen Sorten wie Red Stout, Ice-Bock, Weizen-Bock oder Chocolate Porter eingeführt. Im Jahr darauf  wurde das Westerwälder Bier erstmals in nennenswertem Umfang exportiert – vorrangig nach Asien. Dazu kam es nicht etwa durch eine lange ausgeklügelte Strategie der Vertriebsabteilung: Ein chinesischer Geschäftsmann hatte das Bier bei einer Messe in Deutschland getrunken, war begeistert und schickte eine Order an die Brauerei. Die lieferte rasch – gegen Vorkasse. Seither kommen kontinuierlich Aufträge aus China. 2015 erreichte dieser Markt bereits einen zweistelligen Prozent-anteil am Umsatz.

Die Hachenburger Biere wurden übrigens 2010 und 2012 mit Goldmedaillen der DLG (Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft) ausgezeichnet, die unter anderem Backwaren, Bier, Fleischerzeugnisse sowie Milchprodukte prüft. (cm)

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.