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Gutes aus dem RWN-Land


Im Dienste schöner Zähne

Die M+C Schiffer GmbH aus Neustadt/Wied behauptet sich seit über 125 Jahren am Markt und ist der größte unabhängige Zahnbürstenhersteller der Welt. Die Firma, die als kleine Bürstenfabrik in Rheydt bei Mönchengladbach gegründet wurde, hat sich in vier Generationen zu einem Global Player entwickelt. Allein in Neustadt, dem größten und modernsten Werk, werden täglich rund eine Millionen Zahnbürsten produziert.

Der Zahnbürstenhersteller M+C Schiffer betreibt sein größtes Werk in Neustadt/Wied.
Bild: Fotolia/ tournee

Die Geschichte des Unternehmens beginnt 1887, als Johann W. Schiffer die Rheydter Bürstenfabrik gründete. Sie wurde im Jahre 1905 von Wilhelm Schiffer übernommen. Die Brüder Max und Carl Schiffer führten die Firma ab 1943 weiter – seither lautet deren Name M+C Schiffer.

Unmittelbar nach Kriegsende 1945 spezialisierte sich das Unternehmen, wie die „Welt“ in einem Artikel schreibt, im Auftrag der britischen Besatzer auf die Herstellung von Zahnbürsten. 1955 erfand M+C die Marke Dr. Best, die man auch eigenständig vermarktete. Nachdem die Bürstengriffe anfangs von Hand gefertigt worden waren, entwarf Max Schiffer die Spritzgießmaschine „Boy 15“, um diese schneller herstellen zu können. Da aber, wie das „Handelsblatt“ berichtet, keiner der damaligen Hersteller die Maschine fertigen wollte, baute er sie selbst und stellte sie 1968 auf der Hannover Messe vor. Fortan konzentrierte sich Max Schiffer auf die von ihm gegründete Maschinenbaufirma Dr. Boy GmbH & Co. KG in Neustadt-Fernthal, während sein Bruder Carl die Zahnbürstenfabrik leitete.

M+C Schiffer verkaufte die Marke Dr. Best 1970 an die Lingner-Werke in Düsseldorf (Odol) und spezialisierte sich nun auf die reine Produktion von Zahnbürsten. Als Lingner vier Jahre später durch das englische Unternehmen Beecham übernommen wurde und mit den Fischer-Werken in Bühl (Uhu, Badedas und Duschdas) zu Lingner + Fischer fusionierte, blieb M+C Schiffer der Produzent der Dr. Best-Zahnbürsten. Auch als der Konzern SmithKline Beecham entstand und dieser später zu GlaxoSmithKline wurde, setzte sich die Partnerschaft zwischen dem Eigentümer der Marke Dr. Best und dem Hersteller Schiffer fort.

Der – frei erfundene – Markenname wurde 1988 wiederbelebt. Dr. Best hatte da laut einem Artikel der „Zeit“ einen Marktanteil von nur fünf Prozent. Unter dem Slogan „Die klügere Zahnbürste gibt nach“ wurde das Modell „Flex“, die erste Bürste aus zwei Materialien und mit der Zickzack-Federung, beworben – von Dr. James Best, einem graumelierten Herrn mit Schnurrbart.

Eine Düsseldorfer Werbeagentur war, wie die „Welt“ berichtet, durch Zufall auf diesen „echten“ Dr. Best gestoßen, einen 65-jährigen Zahnarzt aus Chicago. Der präsentierte in den folgenden Jahren die Vorteile der federnden Zahnbürste  – anhand von Tomaten, die er einmal mit einer normalen und einmal mit der elastischen Dr. Best-Bürste traktierte. In der Folge vergrößerte sich deren Marktanteil auf vierzig Prozent – sie wurde zum Marktführer.

Eine echte Innovation entwickelte Schiffer Ende der 1980er mit dem „In-Mold-Verfahren“ zur Produktion „ankerloser“ Zahnbürsten. Hierbei werden die Borsten – Fachbegriff „Filamente“ – ohne den bisher obligatorischen Draht-Anker in den Bürstenkopf gezogen.

Übrigens: Im Gegensatz zu Dr. Best wurde der Markenname Dr. Boy seinerzeit nicht frei erfundenen – er stammt von Dr. Alfred Boy, einem Arzt, der damals in Asbach praktizierte. (cm)

 

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