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Abwechslung im Seniorenheim


Junger Besuch im Altersheim

Immer wieder besuchen Kindergruppen Seniorenheime zu bestimmten Anlässen, etwa an Karneval oder im Advent, um die Bewohner mit einer Aufführung zu unterhalten. In der RWN-Region gibt es jedoch auch zahlreiche langfristige Aktionen, bei denen Kinder und Jugendliche regelmäßig frischen Wind ins Altersheim bringen.

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Echte Männerrunde beim Kartenspielen: Hans Ziegler, Justus Stegmann, Luca Koslowski und Christoph Zimmermann.
Bild: Christinenstift

Bereits seit vielen Jahren besucht die Integrative Kindertagesstätte der Stadt Unkel alle 14 Tage das Altenheim Christinenstift in Unkel. „Ich bin jetzt 13 Jahre hier und meines Wissens nach war das schon vor der Zeit so“, so Einrichtungsleiter Carsten Tappel. „Einmal im Monat gehen die Kinder mit einer Erzieherin und einer Begleitkraft durch die Wohnbereiche im ganzen Haus und singen, spielen und tanzen dort“, weiß Doris Hofmann, die Leiterin der Sozialen Betreuung.

Dabei führen die Kinder zum Beispiel Sing- oder Tanzspiele vor. Einmal im Monat findet aber auch eine von Hofmann vorbereitete Spielgruppe in einem – wechselnden – Wohnbereich statt. Bei diesen Treffen sitzen die Senioren und die Kinder in einem Stuhlkreis zusammen. „Dann machen wir Bewegungsspiele oder wir singen mit Percussion-Instrumenten“, weiß die Leiterin der Sozialen Betreuung.

„Manchmal hat auch schon eine Bewohnerin aus einem bebilderten Buch etwas vorgelesen – also ganz unterschiedlich.“ Die Besuche, die etwa eine Dreiviertelstunde dauern, kommen bei den Senioren und den Zwei- bis Siebenjährigen „sehr gut“ an. In der Regel kommen etwa zehn bis 18 Kinder. „Wir haben ein paar Kinder, die regelmäßig und gerne und immer kommen“, so Doris Hofmann. „Es sind aber auch immer wieder neue Kinder dabei.“

Im Rahmen eines generationenübergreifenden Schülerprojekts besuchen darüber hinaus auch Sechst- bis Achtklässler der örtlichen Stefan-Andres-Realschule alle 14 Tage für eine Schulstunde Bewohner des Christinenstifts. Als die Anfrage im Oktober des vergangenen Jahres in dem Unkeler Altenheim einging, „waren wir natürlich gleich mit dabei“. Mittlerweile ist das Projekt gut angelaufen.

Die Bewohner freuen sich auf die Besuche und bei den Schülern wachsen die sozialen Kompetenzen stetig. „Wir haben vor den Sommerferien nochmal ein Reflexionsgespräch gehabt. Einige Kinder sagten direkt: ‚Das war so toll, ich möchte das wieder machen.’ Und einige sagten: ‚Ich möchte mal was anderes machen.’“, erzählt die Leiterin der Sozialen Betreuung. „Dafür kommen aber wieder neue Kinder dazu.“

Am Anfang des Schuljahres gibt es immer eine gemeinsame Stunde, bei der die Schüler erfahren, wie sie sich den alten Leuten gegenüber verhalten sollen, wie sie sich im Haus zurechtfinden und wen sie ansprechen können. Um persönliche Beziehungen aufzubauen, werden die etwa zehn AG-Teilnehmer einzelnen Bewohnern zugeordnet. Was Jung und Alt bei ihren Besuchen unternehmen, bleibt ihnen überlassen. „Vorlesen, einen Spaziergang machen, ein Rätsel lösen oder Skat spielen – das ist ganz unterschiedlich“, weiß Hofmann.

Auch in das DRK-Seniorenzentrum Altenkirchen bringen Kinder und Jugendliche regelmäßig frischen Wind. Einmal in der Woche besucht eine wechselnde Gruppe von etwa zehn Patienten der Kinder- und Jugendpsychiatrie des örtlichen DRK-Krankenhauses die Einrichtung für eine knappe Stunde, um sich mit Bewohnern im Rahmen eines Gymnastikangebots sportlich zu betätigen.

Geleitet und vorbereitet wird die Gymnastikgruppe von Motopädin Alissa Müller. Die Senioren und die etwa Acht- bis 17-Jährigen sitzen in einer Runde zusammen und machen zum Beispiel Ballspiele oder bewegen ein Schwungtuch gemeinsam hoch und runter. Ziel ist es, dass die Kinder und Jugendlichen ihr Sozialverhalten verbessern und Rücksichtnahme und Höflichkeit Älteren gegenüber lernen. „Für die Senioren ist das einfach eine Abwechslung“, weiß Sozialdienst-Mitarbeiterin Ingrid Müller. „Und mit Kindern ist immer mehr Leben in der Bude.“ Laut Heimleiter Andreas Artelt ist das Gymnastikangebot, von dem beide Seiten partizipieren, „jetzt schon seit fünf Jahren eine feststehende Institution“.

In den Sommerferien haben sich die Altenkirchener Senioren und die Patienten der Kinder- und Jugendpsychiatrie im Rahmen eines einmaligen Projektvormittags mit Gebrauchsgegenständen aus früheren Zeiten beschäftigt. Während die jungen Teilnehmer Kaffeemühlen, Einmachgläser, Schallplatten, Rasierpinsel und Wäschestampfer neugierig beäugten, beantworteten die Senioren aufkommende Fragen bereitwillig. Für Jung und Alt war es also eine abwechslungsreiche und generationsverbindende Aktion. (eg)

 

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