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Karnevalsvereine legen Wert auf Qualität


Kamelle-Regen bei den Zügen

„Kamelle, dä Zoch kütt!“ Auch wenn sich schon seit Jahren kaum ein Jeck mehr so recht nach ihnen bücken will: Ein Fastnachtsumzug ohne süße Munition ist unvorstellbar.

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Statt blindlings billige Waren zu werfen, verfährt die Grosse Selhofer KG beim Karnevalszug nach dem Motto „Lieber weniger, dafür umso hochwertiger“.
Bild: Grosse Selhofer KG

Ausgelassen feiern, sich verkleiden und Kamelle sowie Strüßjer unters Volk bringen – all das hat eine lange Tradition. Das „Kamellewerfen“ beispielsweise geht aus einer Zeit hervor, in der die breite Masse nicht genug zu essen hatte und die Machthabenden mit kleinen Geschenken Aufstände verhindern wollten.

Festverankert ist dieser Brauch seit der Karnevalsreform von 1823. Der Prinz – damals „Held Karneval“ genannt – hielt wie ein feudaler Herrscher auf einem Triumphwagen Einzug in die Stadt und ließ von seinen Adjudanten „den schönen Damen Bonbons und Blumen ausspenden“. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts kam dann die Sitte auf, dass auch andere Zugteilnehmer Bonbons in die Menge warfen.

Wann genau aus den „Bonbons“ die kölsche „Kamelle“ wurden, ist allerdings nicht bekannt. Fest steht jedoch, dass der Ruf nach ihnen selbst stürmischste Zeiten überlebt hat – auch wenn die Narren am Straßenrand heute stattdessen „Wurfmaterial“ wie Kekse, Pralinen, Gummibärchen, Lakritz, Schokolade, Chips, Popcorn, Plüschtiere, Flummis oder anderes Spielzeug erhalten.

„Die Karnevalsvereine in unserer Kundschaft legen Wert auf Qualität. Sie wollen lieber weniger, dafür aber umso hochwertigere Süßigkeiten werfen“, klärt Herbert Muß, Einkaufsleiter der Vorteil-Baucenter Asbach und Unkel, auf. „Die Leute rufen zwar noch alle nach Kamelle, doch die wenigsten Leute wollen sie noch aufsammeln“, bringt Stephan Spitz, Zugleiter beim Club Gemötlichkeit Asbach, die Entwicklung auf den Punkt.

„Wir kaufen heute überwiegend Produkte eines namhaften Bonner Herstellers und anderer vergleichbarer Anbieter. Popcorn wird auch gerne genommen, das macht Volumen. Und natürlich Schockolädche.“

Ähnlich lesen sich die Einkaufszettel vieler Karnevalsvereine der Region – so auch der KG Spitz pass op aus Königswinter. „Generell werden, was den Prinzenwagen betrifft, keine Alkoholika ausgeschenkt, keine medizinischen Produkte verteilt und es wird nichts Zerbrechliches geworfen“, erläutert deren Zugleiter Martin Sobottka und ergänzt: „Waffeln, Bälle und Haushaltsschwämme sind auch sehr beliebt. Denn die Leute möchten gerne was in der Hand halten. Und so verteilen wir auf der gut fünf Kilometer langen Strecke durch den Oberhau im Schnitt 8 Europaletten an Wurfmaterial.“

Mit kaum weniger begnügt man sich bei der Alten Großen Uckerather KG Remm Flemm von 1860. Für deren Pressesprecher Michael Senf sind die Kriterien bei der Auswahl des Wurfmaterials einfach zu beschreiben: „Grundsätzlich wird das geworfen, was auch aufgehoben wird. Den beiden Prinzenwagen, die wir bestücken, sind natürlich die Highlights vorbehalten.“ Einen weiteren Aspekt nennt Karlheinz Fels, Zugleiter der KG Altenkirchen: „Sicherheit geht vor! Daher sehe ich Bälle auch eher ungern, sie rollen weg – und beim Hinterherlaufen sind Kinder unberechenbar.“

Bei der Grosse Selhofer KG stehen die Karnevalstüten der Vorteil-Center hoch im Kurs. Für Claudia Meyer, Koordinatorin des dortigen Kinderkarnevals, ist wichtig: „Wir werfen nicht blindlings billige Waren, sondern verfahren nach dem Motto ‚Lieber weniger, dafür umso hochwertiger‘. Für das finale furioso, die traditionelle Kamelleschlacht nach dem Kinderzug am Rosenmontag, hält sich unser KG-Wagen daher auch eine besonders große Ladung an süßer Munition vor.“ (imr)

 

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