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Der RWN-Buchtipp: „Das Wunder von Mals“


Kampf gegen den Einsatz von Pestiziden

Bild: oekom

Einen spannenden Roman erzählt Filmemacher und Autor Alexander Schiebel mit dem Buch „Das Wunder von Mals. Wie ein Dorf der Agrarindustrie die Stirn bietet“, das in der ersten Septemberwoche erscheint. Ein wenig erinnert der Widerstand der Bürger einer Gemeinde in Südtirol an den Kampf der Gallier im Dorf der Unbeugsamen“, das in den Asterix-Comics in Aremorica in Gallien liegt. Im Ort Mals im Vinschgau in Südtirol geht es allerdings um die Umwelt und den Kampf gegen den Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft. Der jüngste Skandal um frisch gelegte Eier lässt grüßen. Pestizide. Überall auf der Welt sind sie auf dem Vormarsch. Überall? Nein. Das von unbeugsamen Vinschgern bewohnte Dorf Mals in Südtirol hört nicht auf, diesem Eindringling Widerstand zu leisten. Die Malser sind wild entschlossen: Ihr Dorf soll zur ersten Gemeinde Europas werden, die den Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft verbietet. Bei einer Volksabstimmung entschied sich eine Mehrheit für eine Zukunft ohne Glyphosat und Co. Ein ungleicher Kampf beginnt: hier die 5000-Seelen-Gemeinde, angeführt von einem Dutzend Querdenker, dort eine übermächtige Allianz aus Bauernbund, Landesregierung und Agrarindustrie.

Das am 4. September erscheinende Buch enthüllt das „streng geheime“ Rezept jenes Zaubertrankes, der die mutigen Malser unbesiegbar macht. Mals liegt im Oberen Vinschgau, am Rande des größten Apfelbaugebiets in Europa, inmitten einer intakten, über Jahrhunderte gewachsenen Kulturlandschaft: wogende Kornfelder, grüne Wiesen, Rinder und Schafe, Obst und Gemüse, kleine Baumgruppen dazwischen, gewundene Wege und Pfade. Weiter westlich, im Unteren Vinschgau, sucht man diese Vielfalt vergeblich. Kilometer um Kilometer nichts als Apfelplantagen. Zurechtgestutzt für die Bedürfnisse der Pflücker, sieht ein Baum wie der andere aus. Der Abstand zwischen den Baumreihen entspricht genau der Breite des Sprühwagens, der rund zwanzig Mal pro Jahr ausrückt. So oft werden die Pflanzen in giftige Nebel gehüllt, mit Pestiziden behandelt. Dass auch dem Oberen Vinschgau die Monokultur-Pestizid-Dampfwalze droht, liegt nicht zuletzt an den sich ändernden klimatischen Bedingungen. Da es immer wärmer wird, könnten nun auch hier Äpfel angebaut werden. Doch Mals wehrt sich! In einer Bürgerinitiative machte es sich 2013 auf, ein Pestizidverbot in ihrem Dorf durchzusetzen, sammelte Unterschriften, gewann 2014 einen Bürgerentscheid und konnte bei der Kommunalwahl ein Jahr später auch den Widerstand im Gemeinderat brechen.

Anfang 2016 änderte der neue Gemeinderat die Gemeindesatzung: Strikte Abstandsregeln verhindern seitdem die Anwendung von Pestiziden in Mals. „Widerstand ist etwas, das man lernen kann – wie Skifahren“, sagt Autor Alexander Schiebel. Sein Buch über „Das Wunder von Mals“ ist das lebendige Porträt einer Gemeinde und ihrer widerspenstigen Heldinnen und Helden, die ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen möchten; und eine Anleitung für Aufständische – weit über die Grenzen Südtirols hinaus.

Alexander Schiebels, “Das Wunder von Mals. Wie ein Dorf der Agrarindustrie die Stirn bietet” ist ab 4. September unter der ISBN: 978-3-96006-014-7 für 19 Euro in den Media World Buchabteilungen der Vorteil-Center in Asbach und Unkel erhältlich.

 

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