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Sammlerstücke im Zigarettenschachtel-Format


Kunstwerke statt blauer Dunst

Nicht Tabak, sondern Kunst bieten drei Zigarettenautomaten in Windeck und Hennef. Artsurprise, die Kunst der Überraschung aus der schwarzen Box, nennt sich dieses internationale Kunst-Projekt mit 70 Standorten in drei europäischen Ländern. Entwickelt hat es der Windecker Künstler Juan Petry.

Kunstautomat kabelmetal

Jürgen Orthaus von kabelmetal und artsurprise-Initiator Juan Petry vor dem Windecker Automat
Bild: P. Schadel / www.artsurprise.eu

Ziemlich unscheinbar steht er im Foyer der Halle kabelmetal in Windeck-Schladern: ein alter Wurlitzer Zigarettenautomat gefüllt mit Unikaten von Künstlern aus dem Rhein-Sieg-Kreis. Für fünf Euro können Kunstfreunde sich mit Kunstwerken in der Größe einer Zigarettenschachtel überraschen lassen. Zu entdecken gibt es Malerei, Fotografie, kleine Skulpturen und USB-Sticks mit Audio- und Video-Kunst.

Aufgestellt wurde der Kunstautomat Anfang des letzten Jahres von dem in Windeck lebenden Künstler Juan Petry. Im RWN-Gebiet gibt es insgesamt drei solcher Automaten voller Überraschungen. Einer befindet sich ebenfalls seit etwa einem Jahr im RaumFuerDieKunst in der Gerressener Straße 23 in Windeck-Gerressen, ein anderer seit Anfang 2013 in der Stadthalle in Hennef. „Für den Westerwald sind wir noch auf der Suche nach einem ersten Standort“, erzählt Petry. „Da es sich um eine soziale Plastik handelt, die im Sinne von Beuys Kreative zusammenbringt und Erfolg durch Kooperation realisiert, wäre sie im Ursprungsgebiet von Raiffeisen auch gut platziert.“

Ihm zufolge gehen die Künstler, zu denen neben ihm selbst unter anderem Fotograf Michael Haupts aus Windeck und Bildhauer Hans Otto Lohrengel aus dem Westerwald zählen, sehr fantasievoll mit dem kleinen Format um. „Viele Kunstwerke in den Boxen haben auch den Anspruch, den Käufer als Mitgestalter der Kunst einzubeziehen. So entsteht oft das eigentliche Kunstwerk erst in der auf den Kauf folgenden Interaktion zwischen Käufer der Box und Künstler“, sagt Petry. Es gibt Kunst zum Aufklappen, zum Auseinanderfalten, zum Zusammenstecken.

Ziel des Projektes ist es, der jungen zeitgenössischen Kunst eine Plattform zu bauen, die ihnen Zugang zu Kunstliebhabern und Sammlern ermöglicht. „Für uns – wie für alle zeitgenössischen Künstler – ist der Sammler ein ganz wichtiger Faktor beim ‚Überleben im Kunstmarkt’“, erklärt der in Windeck lebende Künstler spanischer Herkunft. „Der klassische Weg der Vermarktung über die Galerien setzt meist erst später ein und viele Künstler müssen vorher schon ihre Arbeit einstellen, weil sie nicht genügend Verkäufe realisieren können.“

Gleichzeitig bietet Artsurprise jungen neuen Sammlern zeitgenössischer Kunst eine gute und sehr preiswerte Gelegenheit, in ein Sammelgebiet einzusteigen. Derzeit warten Kunstwerke von 220 Künstlern aus 30 Ländern an 70 Automatenstandorten in Österreich, Deutschland und Spanien auf ihre Entdeckung. „Die nächsten beiden Länder, die hinzukommen werden, sind Rumänien und Frankreich“, verrät Petry, der bis Ende Januar in Ost-Spanien weilt, um dort Automaten aufzustellen und andere nachzufüllen. Insgesamt sind derzeit 25.000 Unikate im Miniformat im Umlauf oder bereits verkauft.

Weitere Infos zum Projekt bietet www.artsurprise.eu.

 

 

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