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Laterne, Laterne, Brezeln, Gans und Sterne

Er ist einer der bekanntesten Heiligen der katholischen Kirche: Sankt Martin. Auch in vielen anderen Glaubensgemeinschaften wird der Mann verehrt, der vor rund 1700 Jahren an einem bitterkalten Wintertag seinen Mantel mit einem Bettler teilte. An seinem Namenstag, dem 11. November, wird diese Legende wieder lebendig – mit  traditionellen Bräuchen.

St.Martin

Vielleicht nicht so groß wie in der ehemaligen Bundeshauptstadt Bonn, aber ebenfalls mit viel Liebe zum Detail wird St. Martin vielfach auch im RWN-Land gefeiert.
Bild: Stadt Bonn

Der bekannteste Martinsbrauch ist wohl der Laternenumzug, der an die guten Taten des Heiligen erinnern soll, der 316 oder 317 in Ungarn geboren und im Juli 372 zum Bischof von Tours geweiht wurde. Er starb am 8. November 397 auf einer Reise durch sein Bistum in der Stadt Candes. Weil der Leichnam mit einem Boot in einer feierlichen Lichterprozession nach Tours überführt und am 11. November dort begraben wurde, feiert man heute genau diesem 11. November mit einem Laternenumzug.

Eng mit diesem Umzug verbunden ist die Aufführung der Legende von der Mantelteilung: Dass der Heilige Martin in dieser Geschichte auf einem stolzen weißen Ross saß ist in den ältesten Quellen nicht belegt und ihm wohl eher im Laufe der Jahrhunderte angedichtet worden. Das Lied „St. Martin ritt durch Schnee und Wind, sein Ross, das trug ihn fort geschwind“ übrigens gibt es etwa seit dem 14. Jahrhundert.

Eine andere Erklärung besagt, der Laternenumzug stamme von der Suche nach dem Mönch Martin ab. Da er geflüchtet war, weil er nicht Bischof von Tours werden wollte, suchten ihn die Menschen in der Nacht mit Fackeln, Laternen oder Leuchten.

Aus dieser Überlieferung wird zudem der Brauch der Martinsgans (Rezeptvorschlag hier) abgeleitet: Auf dieser Flucht soll sich Martin in einem Gänsestall versteckt haben. Da die Gänse jedoch so aufgeregt schnatterten, fand man ihn und so übernahm er letztlich doch die Bischofswürde. Seit diesem Tag gilt Bischof Martin von Tours als Schutzpatron der Gänsezucht, sein Ehrentag ist der 11. November.

Eine andere Herkunft dieses Martinsgans-Brauches wird darin gesehen, dass am 11. November die 40-tägige vorweihnachtliche Fastenzeit beginnt, in der fettes Essen tabu ist. Überdies war der 11. November im Mittelalter jener Termin, an dem die Bauern ihren Lehnherren die fällige Pacht zahlen mussten – vielfach mit einer Gans.

Martinsbrezeln und Martinstüten sind weitere Beispiele für den Brauch, etwas Besonderes in Erinnerung an den Heiligen Martin her- beziehungsweise zusammenzustellen, um es dann an Freunde und Verwandte zu verschenken. Deshalb beinhaltet das Martinsbrauchtum auch heute noch die christliche Botschaft des menschlichen Helfens: „Wer sich erbarmt, der erbarmt sich Christus. Wer teilt, gewinnt.“

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