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Militärisches „Frühwarnsystem“


Limes diente als Zollgrenze

Die Römer kennzeichneten ihre Reichsgrenzen dort, wo keine natürlichen Grenzmarkierungen wie Flüsse oder Gebirge vorhanden waren durch Limites (Limes lateinisch: ursprünglich „Querweg“, „Schneise“, vor allem „Grenzweg“). Diese Limites lassen uns noch heute die vom Römischen Reich vom ersten bis sechsten Jahrhundert angelegten Grenzwälle oder militärischen Grenzsicherungssysteme in Europa, Vorderasien und Nordafrika erkennen.

von Josef Zolk

Die Anlage des Limes war jeweils abhängig von den natürlichen Gegebenheiten, der Siedlungsdichte und der Bedrohungslage vor Ort. Sie alle wurden von römischen Truppen überwacht. In Nordafrika und im Osten bildeten dabei mehr oder weniger lockere Ketten von Kastellen und Wachtürmen den Limes. An Rhein, Donau, Euphrat und Tigris markierten die Wasserläufe der Flüsse die Grenze.

Die Überreste des Kleinkastells
Bild: Römerwelt

Diese römischen Grenzanlagen waren nicht zur Abwehr von größeren Angriffen gedacht und dazu auch meist nicht geeignet. Sie sollten primär die Kontrolle und Kanalisierung des täglichen Waren- und Personenverkehrs und eine schnelle Nachrichtenübermittlung zwischen den Wachposten gewährleisten. Der Limes war eine militärische Markierung, aber vor allem die Grenze des römischen Wirtschaftsgebietes. Neben der Funktion als militärisches „Frühwarnsystem“ dienten die Limites als Zollgrenzen und ihre Grenzübergänge als „Marktplätze“ für den Außenhandel mit den „Barbaren“. Die bekanntesten Limites sind der Obergermanisch-Raetische Limes in Deutschland und der Hadrianswall in Großbritannien.

Der Obergermanisch-Raetische Limes ist ein sehr eindrucksvolles und das längste archäologische Bodendenkmal Europas. Er markiert auf insgesamt 550 Kilometern die einstigen römischen Grenzbefestigungen vom Rhein bis zur Donau. Mit Kastellen, Wachtürmen, Mauern und Palisaden grenzte die damalige Weltmacht vor 2000 Jahren ihr Reich gegen die „Barbaren“ ab.

Der Obergermanische Limes beginnt in Rheinbrohl (Caput Limitis) und erstreckt sich bis zum Kastell Eining an der Donau, kurz vor Regensburg. In Rheinbrohl wurde das dortige Kleinkastell 1899 entdeckt und ausgegraben. Heute beeindruckt in Rheinbrohl (Arienheller) vor allem das Erlebnismuseum Römerwelt. Es wurde am 23. August 2008 eröffnet und ist das Limesinformationszentrum des Landes Rheinland-Pfalz. Viele Exponate und Schautafeln erläutern sehr anschaulich das Leben der Römer in Germanien.

Auf der Strecke bis nach Regensburg sind neben im Original erhaltenen römischen Relikten auch Rekonstruktionen, Ausgrabungen und Nachbauten zu sehen. Stellenweise aber ist der Limes, der auf weiten Strecken schnurgerade Wald und Feld durchquert, noch selbst erkennbar.

 

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