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1816 gegründet, 1822 mit dem Kreis Neuwied vereint


Linz war einst eine Kreisstadt

Tatsächlich war die „Bunte Stadt am Rhein“ einmal Sitz einer eigenen Kreisverwaltung. Vor 200 Jahren, am 14. Mai 1816, wurde der Kreis Linz aus der Taufe gehoben. Er bestand allerdings gerade mal sechs Jahre, ehe er mit dem Kreis Neuwied verschmolzen wurde und Linz seine zentrale Funktion als Kreisstadt wieder verlor.

Von Hermann-Joseph Löhr

Auch wenn die sechsjährige Existenz des Kreises Linz im Vergleich zur 200-jährigen Geschichte des Kreises Neuwied nur als Episode gewertet werden kann, so war die Existenz eines eigenen Kreises für die damaligen Zeitgenossen im Linzer Raum eine bewegende politische Angelegenheit, schreibt beispielsweise der Dattenberger Historiker Anton Rings. Er ergänzte, diese sechs Jahre hätten länger als eine Generation nachgewirkt.

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Im 17. Jahrhundert fungierte die „Bunte Stadt am Rhein“ sechs Jahre lang als Kreisstadt.
Bild: Stadtarchiv Linz

Der Kreis Linz verdankt seine Entstehung der französischen Revolution von 1789. Denn durch den Krieg des revolutionären Frankreichs mit Preußen und Österreich gelangte schon 1792 das linke Rheinufer unter französische Herrschaft. Die Kirchenstaaten Trier, Köln oder Mainz verloren ihre Territorien an Frankreich. Napoleon überzeugte 1806 viele deutsche Mittelstaaten aus dem deutschen Kaiserreich auszutreten und einen eigenen Rheinbund zu gründen.

Dieser Staatenbund war von Napoleon abhängig. Er diente der Zerschlagung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation sowie der aktiven Unterstützung der militärischen Ziele Napoleons. Der bisherige deutsche Kaiser Franz II. dankte am 6. August 1806 als römisch-deutscher Kaiser ab und erklärte das Deutsche Reich für erloschen. Die deutschen Territorien, die dem Rheinbund beitraten wurden nicht von Frankreich annektiert und erhielten teilweise Gebietsgewinne aus den bisherigen Kirchenstaaten.

So gelangte beispielsweise der Fürst zu Nassau-Usingen, der sich im Rheinbund deutscher Fürsten auch auf die Seite Napoleons stellte, an das bisherige kölnische Amt Linz mitsamt den Dörfern Erpel, Unkel, Linz, Ariendorf, Dattenberg, Leubsdorf, Hargarten, Notscheid, Bruchhausen, Kasbach, Ockenfels und Rheinbreitbach. Regierungssitz des Fürsten war Wiesbaden, die Burg in Linz beherbergte die örtliche nassauische Verwaltung und Justiz fürs Amt Linz. Das blieb dann so bis 1815, bis zum Wiener Kongress.

Nach dem Sturz Napoleons kam es beim Wiener Kongress in den Jahren 1814 und 1815 zur politischen und territorialen Neuordnung Europas. Das Rheinland fiel an König Friedrich Wilhelm III. von Preußen. Innerhalb von 20 Jahren wechselten die Menschen im Amt Linz ohne eigenes Zutun dreimal ihre Staatszugehörigkeit, denn der Fürst zu Nassau-Usingen tauschte das Amt Linz am 31. Mai 1815 gegen andere Gebiete mit Preußen. Und die preußischen Verwaltungskommissare bildeten 1816 aus den Ämtern Hammerstein (Bad Hönningen) und Linz einen selbständigen Kreis, den Kreis Linz. Zu ihm gehörten immerhin 23 Orte. Kreistadt wurde die Stadt Linz.

Erster Linzer Landrat wurde Philipp, Freiherr von Hilgers, ihm zur Seite stand ein Kreissekretär. Die beiden ordneten ihre 23 Gemeinden in drei Bürgermeistereien. Unkel, Linz und Leutesdorf wurden jeweils zu einer Bürgermeisterei. In den Einzelgemeinden gab es keine Bürgermeister, an ihrer Spitze standen Schöffen und Beigeordnete.

Es gab auch eine eigene Justiz im Kreis Linz. In Hammerstein und Linz wurden zwei Justizämter gebildet. Und hier kam es zum Kuriosum, dass die althergebrachte Rechtsprechung aus dem Erzbistum Köln weiterhin Bestand hatte. Und dann wurde auf preußische Anweisung nach und nach auch eine Kreisverwaltung aufgebaut.

Erstmals gab es einen Kreis-
chirurgen und einen Kreisphysikus (Kreisarzt). Das staatliche Gesundheitsamt war gegründet. Kreisärzte nahmen öffentliche Aufgaben wie Seuchenabwehr, die Kontrolle von Medizinalpersonen und gerichtsärztliche Angelegenheiten wahr, beispielsweise bei Mord.

Der Kreis hatte auf die Steuererhebung zu achten, war zuständig für Polizei- und Schulsachen. Dann jedoch ereilte den kleinen Kreis Linz das Schicksal seiner Auflösung. Es war den Fürsten zu Wied gelungen, dem preußischen König eine eigene Standesherrschaft, eine fürstlich-wiedische Verwaltung mit allen Rechten und Pflichten eines eigenen sich selbst verwaltenden Fürstentums aufbauen zu dürfen.

Dies wiederum bedeute, dass dem preußischen Neuwieder Landrat viele Aufgaben entzogen wurden. Mit der Genehmigung einer fürstlich-wiedischen Verwaltung wurden dem fast arbeitslosen preußischen Landrat nun ebenfalls neue Aufgaben zugebilligt.

Mit einer „allerhöchsten Kabinettsordre“ wurden am 28. März 1822 die beiden Kreise Linz und Neuwied zusammengelegt. Alleiniger Verwaltungssitz wurde Neuwied. Die alte Handels- und Verwaltungsstadt Linz büßte dadurch viele Kompetenzen ein.

 

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