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Mit Menschen: Herwi Rechmann


Linzer Bauwerke als Zinn-Miniaturen

So langsam wird es eng bei Herwi Rechmann. Der 78-jährige Linzer findet in seinem privaten Museum kaum noch einen Platz für seine neuen Schätzchen. Rechmann stellt Zinn-Miniaturen her, ausschließlich Linzer Motive wie Stadttore, Kirchen, Kapellen oder alte historische Häuser.

Herwie Rechmann - Zinnminiaturen

Seit der 78-jährige Linzer Herwi Rechmann in Rente gegangen ist, fertigt er mit Hingabe Zinn- Miniaturen von Bauwerken der Bunten Stadt am Rhein an.
Bild: H.-W. Lamberz

Angefangen habe er damit, „als ich in Rente ging“, verrät der ehemalige Klempner und Installateur. Und seitdem ist im Hause Rechmann alles klar aufgeteilt. Im Obergeschoß lagert er seine fertigen Miniaturen, Modelle, Fotoalben und Unterlagen, im Keller sind seine Werkstatt und der Gießofen. Dazwischen regiert seine Frau. „Die ist manchmal froh, wenn ich mich zum Arbeiten zurückziehe“, schmunzelt Rechmann.

Seine Objekte sind längst heiß begehrt in Linz. „Aber ich verkaufe nichts, nur ab und zu schenke ich ein paar Freunden ein Objekt“, so der rührige Rentner. Die Vorlagen zu seinen Miniaturen liefern ihm entweder selbst geschossene Fotos, originale Baupläne oder alte historische Postkarten, die er von einer Bekannten erhält.

Gleich sein erstes Objekt war eine besondere Herzensangelegenheit von Rechmann: die Linzer Martinskirche. 2005 erschuf er sie aus Kupfer, Zinn und Messing im Maßstab 1:100. Für das entsprechende Modell verwendete er wie auch bei seinen anderen Arbeiten stets Zinkblech. Das ist leicht, gut formbar und nimmt die kniffligen Ziselierungen besser an als das schwerere Zinn. Außerdem ist es preiswerter.

„Ist das Modell dann fertig, lege ich es in eine Form aus flüssigem Silikon-Kautschuk. Die Form härtet aus und so habe ich das Negativ-Modell für meinen Zinnguss“, erläutert Rechmann die Arbeitsschritte. Anschließend geht es ab in den Keller zu seinem selbst konstruierten Gießofen. „Zinn schmilzt bei 232 Grad, da muss man höllisch aufpassen“, weiß der Experte.

Eine kleine Unachtsamkeit, ein paar Spritzer daneben und schon winken schmerzhafte Brandwunden. Die meisten Miniaturen wie etwa die Linzer Mariensäule oder das Neutor entstanden im Maßstab 1:500 oder 1:250. Das von Herwi Rechmann verwendete Material, Zinn, Kupfer oder selten auch Messing, erhielt er früher von Schrotthändlern. Doch mittlerweile haben die Preise für diese Rohstoffe mächtig angezogen und so ist er froh, wenn ihm Freunde oder Bekannte ab und an etwas vorbeibringen. Je nach Modell arbeitet der Ur-Linzer eine Woche, bis die Zinn-Miniatur fertig ist.

„Jeden Tag bin ich dann schon ein paar Stunden beschäftigt und meine Ehefrau hat Ruhe vor mir“, lächelt er verschmitzt. Die hat sie auch, wenn Rechmann einem weiteren Hobby nachgeht – der Himmelsbeobachtung. In seinem Privat-Museum unterm Dach hat er ein Teleskop installiert, mit dem er den Mond und andere Planeten beobachtet.

Aber natürlich gilt sein Hauptaugenmerk seinem Linz und den vielen Motiven, an die er sich noch nicht herangemacht hat. Sein Prachtstück, die Linzer St. Martinskirche, ist übrigens als Schauobjekt in der Original-Kirche ausgestellt. „Die Pfarrgemeinde hat von mir als einzige die Erlaubnis, meine kleineren Modelle der Martinskirche für einen guten Zweck zu verkaufen. Über 100 Stück habe ich deshalb schon nachgegossen“, so Rechmann. (tv)

 

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