Linzer wurden von Bienen verjagt

Der klassische Bienenstich ist ein ungefüllter oder mit Vanillepudding/Buttercreme gefüllter Hefeteig-Blechkuchen mit Mandelbelag. Doch wie kommt der Kuchen zu diesem ungewöhnlichen Namen? Es hat jedenfalls nichts damit zu tun, dass man für den Belag neben Mandeln, Butter, Zucker und Vanillin-Zucker auch Honig verwendet.

Der Name Bienenstich soll auf einen Konflikt zwischen Linz und Andernach zurückgehen.
Bild: Fotolia/racamani

Der Name Bienenstich geht zurück auf einen Vorfall, den der Bonner Dichter und Philologe Karl Simrock in seiner Bäckerjungensage beschreibt. Sie wurde 1869 in seinen erstmals 1836 erschienenen „Rheinsagen – aus dem Munde des Volkes und deutscher Dichter“ veröffentlicht. Dort heißt es: „Einst hatte zwischen Andernachern und Linzern lange Krieg getobt; ihr wisst, dass mit den Widersachern noch heut kein Mädchen sich verlobt.“

Dass Linzer und Andernacher derart verfeindet waren, hing mit dem Andernacher Rheinzoll zusammen, der spätestens 1167 eingeführt worden war. Rheinzölle auf den Warenverkehr wurden im gesamten schiffbaren Bereich des Rheins erhoben. Am 1. August jenen Jahres schenkte Kaiser Friedrich I., genannt Barbarossa, seinem Kanzler Rainald von Dassel, Erzbischof von Köln, den Reichshof Andernach einschließlich Zollrecht. Unter Erzbischof Engelbert III. wurde die Zollstätte 1365 auf die andere Rheinseite nach Linz verlegt, um auch über eine rechtsrheinische Zollstätte zu verfügen. Auf Anweisung des Kaisers Friedrich III. wurde der Zoll im Jahre 1475 wieder nach Andernach zurückverlegt.

Der Sage nach beschlossen die Linzer daraufhin, Andernach im Morgengrauen zu überfallen. Der Zeitpunkt war bewusst so gewählt worden, denn die Andernacher galten als Langschläfer. Angeblich feierten sie abends oft, schliefen lange aus und wurden von den Linzern deshalb als Siebenschläfer („Annenache Siwweschlööwe“) bezeichnet.

Allerdings waren am Morgen des Überfalls zwei Bäckerjungen auf den Beinen. Sie gingen gerade auf der Stadtmauer entlang, um den Turmwächtern Brötchen zu bringen, als sie die „Feinde“ aus Linz kommen sahen. Da keine Zeit blieb, Hilfe zu holen, nahmen sie kurzerhand die an der Stadtmauer hängenden Bienenkörbe und warfen sie von oben auf die Angreifer. Die Linzer wurden von den Bienen gestochen und flüchteten. Zwar hatten die Bäckerjungen zwischenzeitlich die Stadtwache alarmiert – doch als diese eintraf, waren die Linzer schon verjagt. Die Helden des anbrechenden Tages – die Bäckerjungen – durften sich von ihrem Lehrmeister zur Belohnung einen eigens für sie kreierten Kuchen wünschen. Dieser wurde zur Feier der Vertreibung der Linzer „Bienenstich“ genannt.

Übrigens: Im Andernacher Rheintor sieht man zwei Figuren, die die beiden Bäckerjungen darstellen. Sie haben auch Namen: „Fränzje“ und „Döres“ („Fränzchen“ und „Theodor“). (cm)

 

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