«

»

Für die gute Sache: „MachMit“


„MachMit“ versorgt Bedürftige mit Drahteseln

Wenn man den Hof von Peter Lipgens-Rettig in Schürdt betritt, wird man ungewollt an den bekannten Prinzen-Hit „Fahrrad fahr´n“ erinnert. Fast in jeder Ecke auf dem Grundstück in der Hauptstraße 6 steht ein Fahrrad. Rund 150, zum Teil gut erhaltene, aber auch reparaturbedürftige Fahrräder hat der Verein „MachMit – offener Werkstatt-Treff“, innerhalb kürzester Zeit von Menschen aus unserer Heimat für bedürftige Menschen geschenkt bekommen.

Radreparatur

Da die potentiellen neuen Fahrradbesitzer bei den Reparaturen der Fahrräder anpacken, lernen sie ihr zukünftiges Gefährt noch besser kennen.
Bild: retnüg

Der Verein „MachMit“ wurde vor wenigen Monaten auf Initiative des Flammersfelder Seniorenbeirats gegründet. „Diese Fahrräder werden von Vereinsmitgliedern zusammen mit den zukünftigen Besitzern in der Schürdter Werkstatt wieder auf Vordermann gebracht“, berichtet der Vorsitzende des gemeinnützigen Vereins, Georg Hillen. Das Einbeziehen der späteren Besitzer der Räder in die Reparaturmaßnahmen hat das Ziel, dass sie dabei lernen, die eine oder andere Reparatur selbstständig durchzuführen.

Nutznießer der Fahrräder sind neben bedürftigen Menschen der Region auch zahlreiche Asylbewerber. „Wir geben die Räder gegen ein Pfand von 20 Euro an die neuen Besitzer ab. Wird das Rad nicht mehr benötigt und zurückgebracht, wird der Pfandbetrag erstattet. Ein Teil des Pfands, alle Fahrräder kommen ja nicht zurück, hat der Verein für die Anschaffung von Spezialwerkzeugen eingesetzt. So hat man jüngst unter anderem einen neuen und einen gebrauchten Montageständer gekauft.

Vor der Übergabe der „Drahtesel“ wird zwischen dem neuen Besitzer und dem Verein ein Vertrag abgeschlossen, worin die rechtlichen Dinge festgehalten sind. Aktuell gibt es den Vertrag allerdings nur in deutscher Sprache – für viele Asylbewerber eine große Hürde. „Wir versuchen die Verträge zeitnah auch in andere Sprachen übersetzen zu lassen“, bestätigt Georg Hillen auf Nachfrage. Dies erweise sich aber als sehr schwierig, da es hier nur wenige Menschen gibt, die diese Sprachen beherrschen.

Zudem will der Verein zeitnah Kontakte mit den Schulen und den Verantwortlichen der Sprachkurse aufnehmen, damit dort Radfahrschulungen angeboten werden. Grund hierfür ist, dass viele der Asylbewerber die Verkehrsgesetze nicht kennen und sich teilweise bisher unbekannten Gefahren aussetzen. Ein weiteres Problem ist, dass viele der neuen Radbesitzer nicht über eine Haftpflichtversicherung für von ihnen verschuldete Schäden verfügen. „Dies ist aber ein bundesweites Problem“, weiß Georg Hillen.

In naher Zukunft will der Verein weitere offene Werkstatt-Treffs an anderen Orten einrichten. So unter anderem in den Bereichen Holz, Metall, Stoff und Elektronik. Hierfür fehlen aber noch Mitarbeiter und vor allem Räumlichkeiten. „Vielleicht besteht für uns ja die Möglichkeit im ehemaligen Raiffeisenlager im Rahmen des Umbaus zum Mehrgenerationenhaus Platz zu finden“, hoffen Hillen und sein Team.

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.