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Interview mit Wilhelm Breßer


Männer in der heutigen Zeit

Der Persönlichkeitstrainer und Ganzheitliche Berater Wilhelm Breßer leitet in Hennef eine Männerakademie. Im Interview mit der RWN-Redaktion beantwortete der Endfünfziger ein paar Fragen zum Mann von heute.

 

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Wilhelm Breßer
Bild: privat

Der Schwerpunkt Ihrer Tätigkeit ist es, Männer „auf ihrem Weg in der Zeit des Wandels zu unterstützen“. Heißt das, dass Männer heutzutage Hilfe benötigen, um ihren Weg oder ihre Rolle zu finden?

Breßer: Ja. Das ist definitiv so, weil sie heute aus der Gesellschaft heraus kaum nachhaltig wirksame Unterstützung auf diesem Weg bekommen. Es wird vor allem von ihnen gefordert zu funktionieren, aber was es heißt ein Mann zu sein, das ist den wenigsten klar. Und wer das nicht weiß, der hat entsprechend auch große Schwierigkeiten wirklich seine Identität als Mann zu finden.

 

Als mögliche Ursache nennen Sie die „Abwesenheit des Vaters“. Aber ist die denn so typisch für die heutige Zeit?

Breßer: Ja, absolut. Vor dem Industriezeitalter war das einfach noch so, dass die Väter dort gearbeitet haben, wo sie gelebt haben. Das bedeutete, dass der Sohn seinen Vater noch direkt und hautnah miterlebt hat. Und das hat einfach sehr dazu beigetragen, dass eine gesunde Bindung zwischen Vater und Sohn entstehen konnte. Mit dem Beginn des Industriezeitalters setzte etwas ein, was wir heute im großen Maße haben, nämlich, dass die Väter eben nicht mehr dort arbeiten, wo sie leben. Oft sind sie nur noch am Wochenende zu Hause. Und auch wenn der Vater abends von der Arbeit nach Hause kommt, ist es für ihn schwierig, seinen Kindern noch die notwendige Zuwendung und Aufmerksamkeit zu geben.

 

Eine weitere mögliche Ursache ist Ihnen zufolge der „fehlende bewusste und begleitete Prozess zur Mannwerdung“.

Breßer: Früher war es einfach so, dass wenn die Jungs aufwuchsen und langsam junge Männer wurden, dass in ihrem Umfeld auch noch mehr Männer vorhanden waren. Heute wachsen die Jungs in einem hohen Maße frauenbezogen auf. Sie werden von Frauen erzogen, sie sind jeden Tag von Frauen begleitet und erleben Männer nur relativ wenig. Jungen brauchen für ihre Entwicklung aber auch das Erleben von erwachsenen Männern.

 

Und wie gelingt es Männern nun, ihre Rolle zu finden?

Breßer: Da gibt es verschiedene Möglichkeiten, eine sind Männerinitiationen. Das ist ein bewusster Prozess zur Mannwerdung, um vom Jungenbewusstsein zum Mannbewusstsein zu kommen. Bei diesem Prozess geht es darum, dass die Männer sich selbst erkennen, dass sie erkennen: Wer bin ich eigentlich jenseits aller Masken und Rollen des Alltages? Was will ich wirklich vom Leben? Ist das nur die Karriere, die ich vielleicht grade mache, oder ist da doch noch mehr?

 

Was beschäftigt Männer heutzutage am meisten und was bereitet ihnen die größten Schwierigkeiten?

Breßer: Was Männern viele Schwierigkeiten bereitet, ist über sich selbst und ihre Gefühle zu sprechen, sich zu öffnen. Da brauchen sie schon einen sehr sicheren Rahmen, damit sie das tun können. Was Männer sehr beschäftigt, ist einmal die eigene Identität, die Frage ‚Wer bin ich wirklich?’, und auch, was im Berufsleben von ihnen gefordert wird, weil das nur wenig Raum für persönliche Entwicklung lässt.

 

 

 

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