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„Man muss ein solches Haus lieben“

Ob Ritterburgen oder Märchenschlösser: Deutschlands altehrwürdige Gemäuer verzaubern und ziehen Besucher magisch an, erzählen sie doch Geschichten aus anderen Zeiten. Viele von ihnen liegen in Familienbesitz. So auch Schloss Arenfels, das Wahrzeichen von Bad Hönningen. RWN sprach mit Antonius Freiherr Geyr von Schweppenburg über Freud und Leid eines Schlossbesitzers. Der 65-Jährige hat das Anwesen, das auch als „Jahresschloss“ bezeichnet wird, im Jahr 1987 von seiner Mutter, Gräfin von Westerholt und Gysenberg, geerbt.

Ihr „Jahresschloss“ hat 365 Fenster, 52 Türen und 12 Türme. Wie sieht die räumliche Nutzung aus?

arenfels

Schloss Arenfels ist die Heimat von Freiherr Geyr von Schweppenburg.
Bild: VG Bad Hönningen

von Schweppenburg: Die Geschichte vom Jahresschloss gehört ins Reich der Phantasie. Die Zahlen stimmen nicht, es hört sich aber schön an. Privat werden sechs kleine Räume im Erdgeschoss von meinem Vater und seiner Betreuerin genutzt. Im Übrigen steht das Schloss weitgehend leer. Lediglich die ehemalige Gaststätte im Westflügel und die Galerie im Mittelteil sind mit Bankettmöbeln ausgestattet.

Vielerorts wird von dem „süßes Leben“ eines Schlossbesitzers gesprochen. Sieht das wahre Leben eines Schlossbesitzers tatsächlich so aus aus?

von Schweppenburg: Was auch immer sich diejenigen, die kein Schloss besitzen, unter dem Leben eines Schlossbesitzers vorstellen mögen: Tatsache ist, dass dieses weit von den verklärten Darstellungen einer Rosamunde Pilcher entfernt ist.

Große, meist kalte Räume, weite Wege, unpraktische Treppenhäuser, große Putzflächen auch bei Fenstern sind nicht gerade förderlich für die Lebensqualität. Man muss ein solches Haus lieben, um sich darin wohl zu fühlen, man kann es aber auch lieben, weil es einen unverwechselbaren Charakter hat, mit dem man sich anfreunden kann. Das erfordert jedoch Anpassungsfähigkeit und die Bereitschaft, auf manchen Komfort zu verzichten.

Was verbinden Sie persönlich mit diesem Anwesen?

von Schweppenburg: Ich bin dort geboren und aufgewachsen. Wie jeder Mensch nimmt man das Umfeld, in das man hineingeboren wurde, zunächst als Normalität an und lernt, sich darin zurechtzufinden. Erst später, wenn Vergleiche möglich sind, kommen Fragen und Kritiken auf. Ich habe in vielen unterschiedlichen Orten, Häusern und Wohnungen gelebt, glaube also, mir ein Urteil erlauben zu können.

Arenfels, das in meiner Kindheit ja noch schwer kriegsgeschädigt und nur bedingt nutz- und betretbar war, ist sicherlich die wenig komfortabelste aller meiner Wohngelegenheiten. Doch es ist der Ort meiner glücklichen Jugend; in der ich alle Einschränkungen und Komfortdefizite nicht wahr genommen und auch nicht negativ in Erinnerung behalten habe, wohl aber überaus positiv ein liebevolles Umfeld im Kreis meiner großen Familie.

Wie sehen Ihre Pläne für Schloss Arenfels aus?

von Schweppenburg: Ich bin seit 13 Jahren mit Hilfe des Landes Rheinland-Pfalz und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz bemüht, Dach und Fassaden des Schlosses in einen angemessenen Zustand zu versetzen, sprich, die Kriegs- und altersbedingte Schäden zu beseitigen. Das wird noch einige Jahre in Anspruch nehmen.

Was die Nutzung anbelangt, so habe ich gemeinsam mit einem Investor aus Bad Hönningen und der Hilfe meines Sohnes begonnen, einen Eventbetrieb im Schloss zu etablieren. Zunächst soll die Vermietung von Teilen des Gebäudes für Veranstaltungen aller Art weiter ausgebaut werden, später ist auch an die Vermietung von Gebäudeteilen an Firmen gedacht. Auf diese Weise versuche ich die laufenden Kosten des Gebäudes zu decken und in absehbarer Zeit hoffentlich auch Überschüsse zu erwirtschaften.

 

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