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Mit Menschen: Andreas H. M. Martin


Mehr als die Ablichtung eines Moments

Neues entdecken, das Gedankenanstöße gibt, Ideen liefert oder die Sicht auf Situationen oder Menschen verändert – das kann ein gutes Buch, ein ergreifender Film, Musik oder auch ein Bild. Dies mit einem Foto zu erreichen, ist Andreas H.M. Martins Intention, wenn er seine Fotokunst erschafft.

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Mit seinen Collagen zeigt Andreas H.M. Martin, dass ein Foto mehr sein kann als die Ablichtung eines Augenblicks
Bild: Presseagentur Funk

Ein Foto, ganz gleich wie professionell es aufgenommen wurde, verliere im Laufe der Zeit an Spannung und werde, mit zunehmender Vertrautheit, zur Momentaufnahme. „Durch multiple Variationen der Ausgangsbilder bei Collagen oder die Integration bildfremder Elemente wird eine dauerhafte Spannung geschaffen, die dem Betrachter immer neue Interpretationsmöglichkeiten bietet“, sagt der 50-Jährige, der seit 1989 in Hennef wohnt und in Duisburg aufwuchs.

Andreas H. M. Martin steht inmitten seiner Leinwände und deutet auf eine Collage. Die Fotoausschnitte, die dort zu sehen sind, sind während seines Havanna-Besuches entstanden: „In zehn Tagen habe ich 5000 Fotos gemacht. Obwohl ich die Architektur dieser Stadt fotografieren wollte, habe ich vor allem Menschen abgelichtet. Das pulsierende Leben hat mich beeindruckt und fasziniert. Der morbide Charme, die Musik, der Verfall, das Gewimmel, die Geräusche und Gerüche, das Licht. Es war überwältigend. Doch ein Foto gibt diese Stimmung nicht wieder. So begann ich Collagen auf Leinwand zu kreieren.“

Auf diesen Leinwänden, in der Größe von 1,50 Meter mal 1 Meter, fügte er die Fotos zusammen und schaffte es, das, was er gesehen, gehört, geschmeckt, gespürt hatte, wiederzugeben. Denn heraus kamen lebendige, intensive Kunstwerke. Und wenn man sich darauf einlässt, entstehen immer wieder neue Welten. Ebenso spannend sind die Collagen, die nach einem vierwöchigen Trip nach Chile entstanden sind. Während der 4500-Kilometer-Reise per Auto, Flug und Schiff, fotografierte Martin Motive, die er zu einmaligen Bildern mixte.

Und da Andreas H. M. Martin immer neue Herausforderungen sucht und ihn das Absurde und Widersprüchliche fasziniert, beschäftigte er sich mit zwei weiteren Projekten. Das Absurde: Kitschige Brautkleider in einem Kontext, der nicht passt. Zu sehen ist zum Beispiel eine Braut, die in lässiger Haltung und mit Sonnenbrille in einem leeren Stadion sitzt oder eine Braut auf einem Autofriedhof, die einen verrosteten Oldtimer mit Glasreiniger bearbeitet. Das Widersprüchliche: Bondage als Symbol für die Ehe, ästhetisch in Szene gesetzt und ergänzt mit poetischen Haikus von der Lyrikerin Pia Sonntag.

Angefangen hat Andreas H. M. Martin übrigens mit dem Fotografieren im Alter von fünf Jahren, als er die alte Voigtländer Kleinbildkamera seines Vaters auf dem Speicher entdeckte. Er fotografierte alles, was ihn interessierte, lernte das Handwerk und schulte seinen Blick. Mit der Verfremdung von Häusern und Straßen begann die künstlerische Fotografie. Inzwischen kann er auf eine Vielzahl von Einzel- und Gemeinschaftsausstellungen zurückblicken.

Einen Überblick über sein Gesamtwerk bietet seine Homepage unter www.edition-m-art-in.de.

 

 

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