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Mit einem Flohmarktbesuch Ende der 1980er-Jahre fing alles an


Mehrgenerationen-Puppenhaus

Angefangen hatte es mit einer hübschen Puppe, die Jutta  Nitsch auf einem Flohmarkt Ende der 1980er-Jahre erstand. Die handwerklich und handarbeitstechnisch begabte Bad Honneferin baute für eine schönere Präsentation Stuhl und Tisch, später Kommode und Bett. Dann reifte in ihr die Idee für ein Puppenhaus.

Puppenhaus-Chefin Jutta Nitsch und ihr noch immer in der Entwicklung befindliches Werk.
Bilder: Marion Cramer

Inspirieren ließ sie sich auf Reisen, die sie gemeinsam mit ihrem Gatten Hartmut nach Frankreich unternahm. Dort besuchten sie viele Schlösser und elegante Landhäuser. Unterstützt von ihrem Mann, der die Konzeption entwarf und das von allen Seiten einsehbare Gebäude auch baute, ging es ans Werk. Drei Generationen, so der Plan, sollten in einem großzügigen, 1750 erbauten Bonner Stadthaus mit Bediensteten leben.

Jedes einzelne der Zimmer ist detailgetreu mit Möbeln, Gemälden, Kronleuchtern und Accessoires im Stil des Klassizismus, Empire und Biedermeier eingerichtet. Die meisten Gegenstände fertigte Jutta Nitsch selber an. „Wichtig war mir, dass alles maßstabgerecht zueinander passt.“ Dafür befasste sie sich  mit ganz unterschiedlichen Techniken, erlernte so manche handwerkliche Kunst.

Neben den herrschaftlichen Räumen, gewährt das luxuriöse Anwesen auch Einblick in Räume, in denen das Personal zur damaligen Zeit untergebracht war. Zu jeder Puppe im Haus erdachte Jutta Nitsch auch eine kleine Geschichte. „Meine Erste übernahm die Rolle einer Gouvernante aus adeligem Geschlecht. Ihr Verlobter starb in den napoleonischen Kriegen. Mit 25 galt sie als alte Jungfer, ihr blieb nur der Weg, sich mit ihrer ausgezeichneten Bildung als Hausdame zu verdingen,“ erzählt Jutta Nitsch. Vorbilder für Möbel und die vielen Kleinigkeiten holte sie sich in Museen, manche Dinge wie Stoffe oder auch Miniaturen fand sie auf Antik- und Flohmärkten. „Ich habe dabei auch viel über Geschichte und Alltagskultur lernen dürfen.“

Auch einige familiäre Spuren hat sie in ihrem Haus hinterlassen. „Für den Herrn des Hauses habe ich einen Kopf geformt, der meinem Mann nicht unähnlich sieht. Scherenschnitte an der Wand tragen das Profil meiner Kinder, die Bettdecke im Kinderzimmer war Bestandteil einer Tischdecke, die meine Großmutter gemacht hat.“

Seit fast 40 Jahren baut und bastelt die kreative Frau an dem prunkvollen Bau. Noch ist ein Ende nicht abzusehen, die Außenfassade ist noch nicht angeschlossen und in den einzelnen Räumen will sie Szenen kreieren. Aber schon jetzt dürfte es eins der außergewöhnlichsten Puppenhäuser überhaupt sein, hier in der Region auf jeden Fall. (mc)

 

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